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Alibaba Alibaba führt Digitales und Realität zusammen

Der Onlinehändler Alibaba kennt seine Kunden so gut wie kaum ein anderes Unternehmen. Jetzt expandiert er in die reale Welt.

Alibaba-Grüner Jack Ma
Alibaba-Gründer Jack Ma (Mitte) inszeniert sich gerne - ob als Kungfu-Kämpfer oder Michael Jackson. Foto: afp

Der Konsum ist Chinas neue Religion, der 11. November ihr höchster Feiertag und ihr Oberpriester heißt Jack Ma. An diesem Wochenende hat seine Firma, der Onlinehändler Alibaba, einen neuen Rekord für den Verkaufsumsatz an einem einzigen Tag aufgestellt. Die Kunden haben am Samstag Waren im Wert von 22 Milliarden Euro in den Shops auf den Webseiten des Unternehmens bestellt. 

Doch es reicht Ma nicht, ein erfolgreiches Handelsunternehmen gegründet zu haben. Ma präsentierte am Samstag auch einen Kampfsportfilm, der geschwängert ist mit fernöstlicher Philosophie. Der Hauptdarsteller: Ma selbst, der dafür vom Unternehmer zum Schauspieler mutiert. Darin nietet der dünne Ma dank überlegener Geisteskräfte auch mal eben einen riesigen Sumo-Ringer um. 

Tatsächlich hat Ma viel bewegt. Das Konsumfest zeigt das. „Einen frohen 11.11.!“ wünschen Firmenchefs in Werbesendungen, es klingt wie „frohe Ostern!“ Dabei gibt es diesen Brauch erst seit acht Jahren. Die Onlinehändler des Landes bieten an diesem Tag besondere Rabatte an. Die Kunden greifen begeistert zu. In diesem Jahr hat allein Alibaba am 11.11. so viel verschickt wie Amazon in zwei Monaten.

Das Konsumfest ist zuletzt in alle Richtungen ausgeufert. Jack Ma hat es nicht nur auf eine spirituelle Ebene gehoben, es hat auch die Offline-Welt erfasst. Auch die Shoppingzentren und sogar kleine Nachbarschaftsläden machen mit und bieten Rabatte zu dem Tag an, der viermal die „1“ im Datum hat. 

Sonderangebote für einsame Herzen

All das hat mit einer Idee Mas angefangen. 2009 haben seine Webseiten Taobao.com und Tmall.com zum 11.11. Vergünstigungen angeboten. Die sollten eigentlich Singles zugutekommen: Die vielen Einser im Datum stehen für einsame Herzen. Damals setzten die Webseiten Waren im Wert von knapp acht Millionen Euro ab. Seitdem hat sich der Umsatz um den Faktor 3000 erhöht. Die Computer von Alibaba haben am Samstag in Spitzenzeiten Hunderttausende von Bestellungen pro Sekunde entgegengenommen.

Die enorm schnelle Entwicklung des Onlineshoppings war möglich, weil Ma zur Zeit der Firmengründung in leeren Raum vorgestoßen ist. „Es war wie mit den Handys“, sagt Branchenexperte Michael Zakkour von der Beratungsfirma Tompkins International. „China hat die Entwicklung der Festnetztelefonie weitgehend übersprungen, weil alle gleich ein Handy hatten.“ Genauso hat das Land die Phase der physischen Geschäfte nur gestreift und ist gleich in den Onlinehandel gesprungen.

Der Einzelhandel sei fragmentiert, teuer und unpraktisch gewesen, als Ma mit seinen Internetangeboten an den Start gegangen ist. „Beide Trends hängen zusammen“, sagt Zakkour. Mit dem Aufkommen der Smartphones wurde die Taobao-App für Ma zum größten Umsatzbringer. Denn die Chinesen haben sich gleich Internethandys zugelegt, ohne sich erst an PC zu gewöhnen. In diesem Jahr sind neun von zehn Bestellungen von Mobilgeräten eingegangen.

Sinnstiftender Konsumismus

Chinas Warenwelt ist daher bereits viel digitaler als in Deutschland. Und da der Kommunismus die Ausübung der Religionen einschränkt hat, ist der Konsumismus sinnstiftend. Das erkennt auch Jack Ma. Er sieht eine Verbindung zwischen Tai Chi und Verkaufszahlen. Er folgt dem Dao (Pfad) des Erfolgs. 

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