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Ali Wichmann „Es geht um erfolgreiche Kommunikation“

Businesstheater-Macher Ali Wichmann erklärt, wie er Unternehmen spielerisch aus der Krise hilft und Veränderungsprozesse antreibt.

Ali Wichmann
(Rainer) Ali Wichmann ist Gründer, Geschäftsführer und Impulsgeber des „Scharlatan -Theater für Veränderung“ in Hamburg. Foto: Scharlatan

Ali Wichmann, Geschäftsführer und Gründer des Scharlatan Theaters, des ältesten und größten Businesstheaters in Deutschland, hat Einblick in die Seele deutscher Unternehmen wie kaum jemand. Und das aus einem ganz speziellen Blickwinkel: Seit mehr als dreißig Jahren gestaltet der Querdenker mit seinem Theater Transformationsprozesse in Unternehmen wie der Deutschen Bahn, Astra Zeneca, LBS, Roche oder Airbus mit.

Während des Gesprächs steht Wichmann immer wieder auf, läuft umher, gestikuliert, schreibt zur Erklärung auf die Flipchart. Sein Markenzeichen ist ein grüner Hut, den er auch in den nächsten eineinhalb Stunden nicht absetzt.

Herr Wichmann, wie kann ein Theater Unternehmen dabei helfen, Veränderungsprozesse voranzutreiben?
Wir versuchen immer, ganz oben im Unternehmen zu landen, bei den Führungskräften. Wir analysieren das Management und dementsprechend entstehen bei uns Modelle, wie wir dem Unternehmen helfen können, etwas zu verändern. Dann gehen wir in die nächste Ebene, zu den Bereichsleitern, und fragen beispielsweise: „Ich habe gehört, Ihr CEO will eine andere Fehlerkultur – wurde das umgesetzt?“ „Nein.“ „Warum nicht?“ „Weil der Fehler bestraft.“ Das ist dann das Problemfeld: Der CEO handelt nicht entsprechend seinem eigenen Modell.

Gibt es dafür eine Erklärung?
Unsere Erfahrung aus ganz vielen Projekten ist: Man kann alles verändern, aber sobald man dabei den Status der Mitarbeiter antastet, wird man nichts erreichen und nur Widerstand erzeugen. Alle Bereichsleiter werden Veränderungen immer dadurch interpretieren: Was hat es mit meinem Status zu tun? Bedient es meinen Status? Oder bedroht es meinen Status? So kann es nicht funktionieren. 

Wie arbeiten Sie damit weiter?
Ganz unterschiedlich. Wir analysieren ein Unternehmen und fangen dann an, Bilder zu entwickeln, die wir als Umsetzung für einen Veränderungsprozess empfehlen. Wir arbeiten grundsätzlich mit Analogien. Unsere Standardanalogien sind „Bandprobe“, „Orchesterprobe“ und „Volle Kraft voraus“. Bei „Volle Kraft voraus“ bildet man beispielsweise ein Schiff ab und hat sofort eine Unternehmensstruktur: Kapitän, 1. Offizier, usw.. Das gibt es beim Orchester genauso. Bei der Band hast du flachere Hierarchien. Wir erzeugen die Komik handwerklich. Dazu gibt es englische und deutsche Songs, die die Inhalte transportieren, wie etwa dieser selbstironische Song (von Tim Bendzko) „Muss nur noch kurz die Welt retten, noch 148 Mails checken…“. 

Wie läuft das auf der Bühne ab?
Wenn es darum geht, die Fehlerkultur zu ändern, beginnen wir etwa mit einer disharmonischen Orchesterprobe. Moll in einer Disharmonie quält dich, das tut regelrecht weh in den Ohren. Das heißt, es gibt ein erfahrbares Moment, wo etwas nicht stimmt, wo Fehler gemacht werden. Das Schöne am Theater ist, dass du es nicht übersetzen musst, in etwas, was du denken musst, sondern du fühlst Dich nicht wohl, wenn du es hörst. 

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