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Aldi, Lidl und Co. Discounter werden deutlich teurer

Discounter werben mit Slogans wie "Lidl ist billig", aber die Preise der Billiganbieter steigen stärker als in anderen Supermärkten. Wie reagieren die Kunden?

Der Discounter Lidl wirbt besonders aggressiv mit angeblich billigen Preisen. Foto: REUTERS

"Wir haben viele Preise dauerhaft für Sie gesenkt", so oder so ähnlich werben Discounter wie Aldi oder Lidl seit Jahren in großflächigen Anzeigen oder Prospekten erfolgreich um Kundschaft. Dass sie im Gegenzug häufig die Preise für andere Produkte erhöht haben, lassen die Discounter in ihrer Werbung natürlich unerwähnt. Und wenn die Preise für die beworbenen Produkte später doch wieder steigen, werden die Kunden natürlich auch nicht ausdrücklich darauf hingewiesen.

Insgesamt jedenfalls steigen die Preise bei den Billiganbietern schon seit längerer Zeit kräftig – und auch deutlich stärker als in den normalen Supermärkten. Das geht aus einer Marktstudie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hervor. Das Fazit der Handelsexperten: Wenn man auf die Entwicklung der letzten Jahre „bei den Discountern schaut, dann kann man nicht mehr so leichthin von der Billigschiene sprechen“.

So mussten Kunden bei den Discountern laut GfK im August vier Prozent mehr für ihren Einkauf bezahlen als vor einem Jahr. In den klassischen Supermärkten betrug die Preissteigerung im selben Zeitraum dagegen im Schnitt nur 1,6 Prozent.

Umsätze steigen trotzdem

Das Glück der Discounter: Viele Kunden haben das offenbar noch nicht bemerkt. Sie strömen weiter munter zum Billigmarkt nach dem Motto: Bei Aldi ist automatisch immer alles billiger als anderswo.

Dabei geben sich die normalen Supermärkte alle Mühe, wieder mehr Kunden anzulocken: Noch nie gab es dort so viele Rabattaktionen wie heute. Auch versuchen sie bei vielen Produkten immer mindestens eine Sorte im Regal liegen zu haben, die nicht teurer oder sogar billig ist als beim Discounter. Darüber hinaus versuchen sie die Discounter bei der Qualität zu toppen und setzen vor allem auf Frische und Service, um sich zu profilieren.

Doch bislang halfen alle ihre Bemühungen nichts: In den ersten sieben Monaten dieses Jahres steigerten Aldi, Lidl und Co. ihre Umsätze laut GfK um 4,6 Prozent. Zum Vergleich: Die normalen Supermärkte legten nur um 3,2 Prozent zu.

Sicher, auch die Discounter haben einiges unternommen, um jenseits des Preises attraktiver für die Kunden zu werden. Sie bieten heute mehr bekannte Produkte als früher an. Selbst bei Aldi, wo die einzigen Markenartikel jahrzehntelang Haribo-Gummibärchen waren, gibt es mittlerweile auch Nutella oder Mars-Schokoriegel. Zudem setzen einige Discounter zunehmend auf höherwertige Bioartikel und regionale Produkte.

Doch das erklärt noch nicht, warum die Discounter bei den Preisen so viel kräftiger hinlangen als die anderen Supermärkte. Das Argument, die Rohstoffpreise seien gestiegen, zieht jedenfalls nicht. Denn davon sind alle Supermärkte betroffen. Möglicherweise sind die Discounter gerade dabei, mit ihrer Preisgestaltung den Bogen zu überspannen.

Im August erzielten die klassischen Supermärkte laut GfK erstmals seit langem wieder höhere Umsatzzuwächse als die Discounter. Bei den Verbrauchern bleibe es nicht unbemerkt, dass der Preisabstand zwischen Discountern und „klassischen“ Supermärkten schrumpfe, sagte GfK-Experte Robert Kecskes. „Wir wissen noch nicht, holen die Discounter nur kurz Luft, oder geht ihnen die Puste aus.“

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