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Aktien-Fonds Absicherung für den Urlaub

Viele Anleger bangen auf Reisen um ihr Aktien-Depot. Als Ausweg aus dem Dilemma empfehlen viele Experten Verkaufsaufträge zu erteilen, die mit einem sogenannten Stop-loss versehen sind.

Die Frankfurter Börse. Foto: REUTERS

Viele Anleger, die auf Aktien und Fonds setzen, stecken derzeit in einem Dilemma: Einerseits sind sie von den Papieren, die sie im Depot haben, überzeugt und trauen ihnen auf mittlere bis lange Sicht attraktive Kurssteigerungen zu. Andererseits sind sie wegen der aktuellen schweren politischen Krisen in der Ukraine und in Gaza verunsichert und befürchten kurzfristig erhebliche Kursverluste. Zusätzlich eingetrübt wird ihre momentane Stimmungslage durch enttäuschende Konjunkturdaten aus Europa, insbesondere aus Deutschland.

Was also tun, um sich gegen fallende Kurse abzusichern, ohne die Chancen auf langfristige Kurssteigerungen aufzugeben? Diese Frage stellt sich verstärkt aktuell in der Urlaubszeit. Denn dann kommen Anleger womöglich wochenlang nicht so leicht an ihr Depot und müssen unter Umständen tatenlos verfolgen, wie die eigenen Wertpapiere sukzessive an Wert verlieren. Die Urlaubsfreuden wären deutlich getrübt.

Der einfachste Weg wäre es, die Aktien und Fondsanteile jetzt zu verkaufen und später wieder zu günstigeren Kursen einzusteigen. Doch was, wenn es doch nicht zum befürchteten Kurssturz kommt und die Aktienmärkte munter weiter anziehen? Dann müssten die Anleger die Papiere entweder später zu höheren Kursen zurückkaufen – was sie unnötig viel Geld kosten würde. Oder sie verzichten auf den Wiedereinstieg und damit langfristig auch auf die Chancen, die der Aktienmarkt bietet. Beides wären also unbefriedigende Lösungen.

Als Ausweg aus dem Dilemma empfehlen viele Experten Verkaufsaufträge zu erteilen, die mit einem sogenannten Stop-loss versehen sind. Das Prinzip: Der Auftrag wird nur durchgeführt, wenn die Aktie oder der Fonds einen bestimmten Kurs unterschreitet. Dann wird automatisch die Reißleine gezogen.

Ein Beispiel: Ein Anleger besitzt 100 Aktien des Automobilkonzerns Daimler. Die Aktie notiert derzeit bei rund 65 Euro, seine Papiere sind zusammen also etwa 6500 Euro wert. Um dieses Vermögen nicht zu gefährden, stellt er einen Stop-Loss-Verkaufsauftrag bei 60 Euro. Das bedeutet: Sobald der Kurs der Aktie auf 60 Euro oder darunter fällt, wird sie automatisch verkauft. Damit sichert sich der Anleger gegen einen starken Kursrutsch ab, ohne seine Aktien zwangsläufig zu verkaufen. Denn bleibt der Kurs stabil oder steigt die Aktie weiter, bleiben die Papiere im Depot.

Stop-loss-Strategie hat entscheidenden Nachteil

Doch auch die Stop-loss-Strategie hat einen entscheidenden Nachteil: Hat der Anleger Pech, fällt die Aktie möglicherweise nur kurzzeitig unter 60 Euro und steigt dann sofort wieder deutlich. Der Anleger wäre seine Aktien dann zu einem ungünstigen Kurs los und müsste sie sich teurer zurückkaufen, wenn er sie wieder haben möchte. Außerdem kann ein Stop-loss auch psychologisch von Nachteil sein, warnt Uwe Günther, Geschäftsführer der BPM – Berlin Portfolio Management: „Privatanleger sind mit dem Setzen von Stop-loss-Marken für die Urlaubsabsicherung oftmals emotional überfordert.“ Nähere sich der Kurs bedrohlich der Stopp-Marke würden viele Anleger nervös.

Günther favorisiert deshalb zur Absicherung von strategischen Aktienbeständen – also solchen, die langfristig im Depot gehalten werden sollen – eine andere Methode: den Einsatz sogenannter Faktor-Zertifikate. Das Prinzip: Die Zertifikate legen im Wert zu wenn die Aktienkurse fallen. Mit solchen Zertifikaten sichert sich der Anleger also gegen Kursverluste ab, ohne seine Aktien verkaufen zu müssen. Steigen die Aktienkurse aber weiter, verlieren die Zertifikate analog an Wert – je nach Konstruktion können sie sogar ganz wertlos werden. Anleger sollten diese Verluste deshalb als Versicherungsprämie betrachten, die sie zahlen, um ihr Depot abzusichern (siehe Kasten).

Sven Scherner, Vermögensverwalter der Honoris Treuhand in Berlin empfiehlt eine ganz andere Strategie: „Die beste Absicherung gegen Kursverluste erfolgt durch eine gut überlegte Streuung zwischen den verschiedenen Anlageklassen (zum Beispiel Aktien, Anleihen guter Bonität, hoch verzinste Anleihen), die sich möglichst unabhängig oder gegenläufig voneinander entwickeln.“ Der Wert einer solchen Strategie liege darin, dass der Anleger bei geringeren Schwankungen trotzdem eine annehmbare Rendite erziele.

Klaus Schrüfer, Marktstratege bei Santander Asset Management, sieht das ähnlich und empfiehlt Anlegern deshalb, Aktien in schweren Zeiten oder vor dem Urlaub einem Depot-Check zu unterziehen: „Ein erster Schritt ist der klassische Depot-Check – also die Überprüfung, ob die Struktur des Portfolios noch zu den eigenen Zielen und Wünschen passt.“ Dabei biete sich eine echte Chance, Papiere zu verkaufen, die zu risikoreich seien oder nicht mehr zur angepeilten Depotstruktur passten. „Aber auch Aktien, die gut abgeschnitten haben, können Verkaufskandidaten sein. Gewinne mitzunehmen hat schließlich noch niemandem geschadet“, zitiert er eine alte Börsenweisheit.

Anleger können es aber auch mit Rainer Laborenz halten, dem Geschäftsführer der Privatinvestor Vermögensmanagement in Offenburg. Er empfiehlt schlicht gar nichts zu tun: „Absicherung für die Urlaubszeit ist Unfug! Wer keinen langfristigen Zeithorizont bei seiner Geldanlage hat, sollte besser gar keine Aktien kaufen, denn nur langfristig sind Aktien berechenbar“, sagt er. „Wer mit langem Anlagehorizont in unterbewertete Aktien investiert hat, braucht keine Absicherungsstrategie, die über Derivate nur an der Rendite zehrt oder über Stop-loss-Limite zu einem Kurs verkauft, zu dem man eigentlich kaufen sollte.“

Aktienkurse schwankten nun einmal, das müsse ein Anleger aushalten können. Sonst müsse er sich anders orientieren. „Man sollte sich vor dem Aktienkauf vorstellen, die Börse hätte für die nächsten fünf Jahre geschlossen. Nur wer davon überzeugt ist, dass ein Unternehmen in fünf Jahren deutlich mehr wert ist als es heute kostet, sollte Aktien kaufen.“ Schwankung sei nicht gleich Risiko, sondern der unvermeidliche Preis für die langfristig deutlich überlegene Rendite von Aktien.

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