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Air Berlin Zitterpartie für Air-Berlin-Kunden geht weiter

Die Lufthansa übernimmt große Teile von Air Berlin. Doch Klarheit bringt diese Entscheidung nur bedingt. Kunden und Belegschaft der insolventen Linie müssen weiter bangen. Die FR erläutert, warum.

Flugverkehr
Große Teile der insolventen Linie Air Berlin - genauer: 81 von 134 Flugzeugen – werden von Lufthansa übernommen. Foto: Federico Gambarini (dpa)

Klarheit bringt dieser Donnerstag nur bedingt. Wohl erfährt die Öffentlichkeit, was Luftfahrtexperten schon vor Wochen vorausgesagt haben. Große Teile der insolventen Linie Air Berlin - genauer: 81 von 134 Flugzeugen – werden von Lufthansa übernommen. Air Berlin erhält nach eigenen Angaben etwa 210 Millionen Euro als Kaufpreis. Viele und durchaus bedeutsameUnklarheit Fragen aber bleiben vorerst offen. Ob der britische  Billigflieger Easyjet weitere 30 Maschinen der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft übernimmt, ob es nur 20 werden und ob ein Kaufvertrag mit den Briten überhaupt zustande kommt, ist zum Beispiel weiterhin unsicher. Vor allem für Kunden und Belegschaft von Air Berlin stellen sich bange Fragen.

Strecken werden übernommen

Die Lufthansa (LH) hat angekündigt, viele der bisher von Air Berlin bedienten Verbindungen übernehmen zu wollen. Dies soll sowohl für inländische Strecken, etwa zwischen Köln und München, als auch für Fernflüge gelten. So nimmt LH Flüge von Berlin nach New York, die bisher Air Berlin durchführte, vom 8. November an wieder auf. Eine Übersicht aller Strecken, die LH weiter führt, liegt bisher zwar nicht vor. Allerdings liegt eine möglichst lückenlose Weiterführung des Flugbetriebs im ureigenen Interesse der Lufthansa, weil daran die wertvollen Start- und Landerechte (Slots) geknüpft sind, die die Kranichlinie von Air Berlin übernehmen möchte. Letztlich sind die Slots für Lufthansa zumindest ebenso wertvoll wie die Flugzeuge selbst. Ein stabiler Flugbetrieb ist laut LH-Vorstandschef Carsten Spohr gleichwohl erst in sechs bis neun Monaten zu erwarten.

Air Berlin verschwindet

Air Berlin wird vom 28. Oktober an den Flugbetrieb mit eigenen Flugnummern komplett einstellen. Die Flugzeuge werden dann zunächst als Dienstleister für die LH-Billigtochter Eurowings unterwegs sein und erst nach Zustimmung der Kartellbehörden komplett übernommen. Die nicht insolvente Air-Berlin-Tochter Niki ist Teil des Lufthansadeals und dürfte über kurz oder lang ebenfalls in Eurowings aufgehen. Der Flugplan von Niki bleibt bis auf weiteres unverändert in Kraft, die Tickets behalten ihre Gültigkeit.

Ersatz für gestrichene Flüge

Air-Berlin-Tickets für Flüge nach dem 27. Oktober werden ungültig. Nach Angaben der LH sind davon allein auf der Kurzstrecke rund 100 000 Flugtickets betroffen. Hinzu kommen etwa gleich viele  Langstrecken-Tickets, die ebenfalls verfallen. Auf der Langstrecke wird der Air-Berlin-Flugbetrieb bereits am 15. Oktober eingestellt. Passagieren, die infolge dessen ohne gültige Ticket im Ausland festsitzen, will die LH Rückflugmöglichkeiten zu einem „fairen Preis“ anbieten – sofern Kapazitäten vorhanden sind. Geld zurück erhalten zunächst nur Kunden, die nach dem Insolvenzantrag am 15. August gebucht haben: Ihre Zahlungen wurden auf einem Sonderkonto geparkt, um es vor Gläubigeransprüchen im Zuge des Insolvenzverfahrens zu schützen und so den Kunden eine Rückzahlung gewährleisten zu können. Tickets, die vor Stellen des Insolvenzantrags gebucht wurden, begründen zwar Ansprüche auf Erstattung. Diese werden im Insolvenzverfahren aber kaum zum Zuge kommen, da andere Gläubiger vorrangig bedient werden.

Pauschalreisende fast ohne Risiko

Urlauber, die eine Pauschalreise inklusive eines Air-Berlin-Flugs gebucht haben, sind fein raus: Für die Flüge haftet der Veranstalter, der sich also um Ersatz kümmern oder den Reisepreis erstatten muss.  Reiseveranstalter buchen bereits seit einiger Zeit entsprechende Verbindungen um. Dies gilt auch für den Sommer 2018. Allerdings können sich die Flugzeiten durch die Umbuchungen ändern. Gehen den Kunden dadurch Urlaubstage verloren, könne sie den Reisepreis anteilig mindern. Geht bei einer zehntägigen Reise zum Pauschalpreis von 1000 Euro ein Urlaubstag durch die Umbuchung verloren, erhält der Kunde 100 Euro zurück.

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