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Air Berlin Air Berlin droht die Pleite in der Pleite

Air Berlin könnte in der Insolvenz das Geld ausgehen. Der Bund hofft auf die Rückzahlung des gewährten Kredits.

Tegel airport
Eine Maschine der insolventen Fluggesellschaft auf dem Berliner Flughafen Tegel. Foto: rtr

Nach der Pleite der Fluggesellschaft Air Berlin und dem Verkauf der Einzelteile steht die nächste Zitterpartie bevor – diesmal aber nicht für die Beschäftigten und Kunden der Fluggesellschaft, sondern für deren Gläubiger. Wie der Sachwalter von Air Berlin, der Anwalt und Insolvenzrechts-Experte Lucas Flöther mitteilte, sind die verbliebenen Vermögenswerte so begrenzt, dass etliche Gläubiger leer ausgehen könnten. Damit ist auch fraglich, ob der Bund seinen Überbrückungskredit im Umfang von 150 Millionen Euro zurückerhält.

Flöther hatte am Mittwoch kurz nach der Öffnung des Hauptinsolvenzverfahrens eine „drohende Masseunzulänglichkeit“ bekanntgegeben. Fachleute bezeichnen dies auch als „Pleite in der Pleite“. Möglicherweise kann Air Berlin überhaupt keine Forderungen mehr erfüllen, die über die Kosten des Verfahrens hinausgehen. Dann wäre nicht nur die Finanzspritze des Bundes verloren. Auch andere Gläubiger – etwa Beschäftigte, Lieferanten, Dienstleister oder Kunden mit unverbrauchten Tickets – würden in die Röhre schauen.

Vorwürfe von den Grünen

Im Deutschen Bundestag regt sich erheblicher Unmut. „Das ist genau das, wovor wir gewarnt haben“, sagte Grünen-Wirtschaftsexperte Dieter Janecek der FR. Er erinnerte daran, dass die scheidende schwarz-rote Koalition allen Bedenken zum Trotz Mitte August kurz vor der Bundestagswahl den Überbrückungskredit für die insolvente Airline auf die Beine gestellt hatte.

Die Regierung rechtfertigte sich ehedem damit, dass auf dem Höhepunkt der Reise-Saison Urlauber nach Hause geholt werden müssten. Außerdem wollte sie den Beteiligten Zeit für Verkaufsverhandlungen verschaffen. Inzwischen gibt es dazu Vereinbarungen, die Lufthansa und der britische Billigflieger Easyjet übernehmen die größten Teile von Air Berlin. Seit der vergangenen Woche ist der Flugbetrieb von Air Berlin komplett eingestellt.

Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin zeigte sich derweil demonstrativ zuversichtlich, dass der Bund sein Geld zurückbekommt. „Wir gehen davon aus, dass der Kredit zurückgezahlt wird“, sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD). Ähnlich äußerte sich ein Sprecher von Air Berlin. Der Kredit des Bundes genießt bei der Verteilung des verbliebenen Vermögens der einst zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Vorrang vor anderen Verbindlichkeiten.

Das Insolvenzverfahren über Air Berlin war am Mittwoch beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg eröffnet worden. Gläubiger des Unternehmens können bis zum 1. Februar 2018 Ansprüche anmelden. Das bedeutet auch, dass sich erst im Laufe des kommenden Jahres zeigen wird, wie viel Schulden Air Berlin insgesamt aufgetürmt hat. Ende Januar soll eine Gläubigerversammlung in Berlin über die nächsten Schritte im Verfahren befinden.

Das Sagen im kollabierten Konzern hat immer noch Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann, weil das Gericht ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestattete. Winkelmann kann die verbliebenen Vermögenswerte verwalten und über sie verfügen, wie es im einschlägigen Paragraphen der Insolvenzordnung heißt. Insolvenz-Anwalt Flöther ist als Sachwalter bestellt. Das bedeutet, dass er Winkelmanns Wirken beaufsichtigt.

Unklar ist, wann der Verkauf der Air-Berlin-Teile an Lufthansa und Easyjet über die Bühne gehen und dadurch Geld in die Kassen gespült wird. Die Lufthansa will aus dem Konzern insgesamt 81 Flugzeuge mitsamt der dazugehörigen Start- und Landerechte übernehmen und dafür 210 Millionen Euro bezahlen. Die Kapazitäten sollen in die Lufthansa-Billigtochter Eurowings eingebracht werden. Die Kartellbehörden müssen dem Deal aber noch zustimmen. Am Mittwoch meldete Lufthansa das Geschäft bei der EU-Kommission in Brüssel an, der Konzern hofft auf eine Freigabe im Dezember. Easyjet will seinerseits 25 geleaste Flugzeuge von Air Berlin und Teile des Flugbetriebs in Berlin-Tegel übernehmen. Die Briten sind bereit, dafür 40 Millionen Euro zu zahlen. Auch hier ist eine Zustimmung der Wettbewerbshüter erforderlich.

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