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Agrarspekulation Foodwatch Deutsche Bank in der Kritik

Foodwatch ist empört über fehlende Konsequenzen nach der Konferenz über Agrarspekulation. Die Deutsche Bank sieht sich zur Zeit einer Reihe von Vorwürfen und Verfahren ausgesetzt.

Kampf ums täglich Brot: Szene in Ägypten aus dem Jahr 2008, auf dem Höhepunkt der Lebensmittelkrise. Foto: dpa

Manipulierte Zinssätze, dubiose Hypothekendeals, illegale Geschäfte mit Schurkenstaaten – die Reihe der Vorwürfe und Verfahren, denen sich die Deutsche Bank zur Zeit ausgesetzt sieht, ließe sich leicht verlängern. Nun steht ab dem 28. April auch noch Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen in München vor dem Landgericht. Die Anklage lautet auf versuchten Betrug im Kirch-Prozess.

Da verliert ein ganz anderes Thema, bei dem es nach Ansicht von Nichtregierungsorganisationen um Leben und Tod geht, offenbar an Aufmerksamkeit: Auch ein Jahr nach einer von ihr organisierten Konferenz über Investments in Agrarrohstoffe hat die Deutsche Bank keinerlei Ergebnisse vorgelegt, wie sie künftig mit den umstrittenen Spekulationsgeschäften umgehen will.

Trotz anderslautender Versprechen, wie die Verbraucherorganisation Foodwatch betont. Deren Chef Thilo Bode war einer von rund 40 Vertretern aus Wirtschaft und Politik, von Kirchen und Hilfswerken, die Mitte April 2014 auf Einladung von Fitschen hinter verschlossenen Türen diskutierten. Im Kern ging es dabei um die Frage: Sind Banken wegen ihrer Lebensmittel-Spekulationen mitverantwortlich für den Hunger in der Welt?

Lehrreich für Fitschen

Der intensive Austausch sei für ihn „ausgesprochen lehrreich und wertvoll“ gewesen, schrieb Fitschen den Teilnehmern Anfang Mai 2014 in einem Brief, der der FR vorliegt. Mitte Juli folgte ein Schreiben, in dem die Deutsche Bank mitteilte, ihr Co-Chef werde bald auf die Anregungen der Teilnehmer antworten – konkrete Vorschläge seien bereits „in der Diskussions- und Abstimmungsphase“.

Passiert ist auch acht Monate nach dieser Nachricht nichts. „Große PR-Show, nix dahinter: Ein Jahr nach dem mit viel Brimborium organisierten Experten-Treffen zur Agrarspekulation“ gebe es noch immer keine Ergebnisse, erregt sich Foodwatch-Chef Bode. Für ihre Kritiker habe die Bank offenbar „nur Verachtung übrig“.

Starke Indizien

Für die Deutsche Bank ist das alles ein großes Missverständnis. Bei dem Runden Tisch sei es lediglich um einen vertraulichen, möglichst offenen Dialog, nicht aber „um die Position der Deutschen Bank bei Agrarinvestments“ gegangen, erklärte ein Sprecher des Instituts auf Anfrage. Und: „Nach wie vor sind wir der Meinung, dass die Finanzprodukte, die die Deutsche Bank in diesem Bereich anbietet, im Interesse der Kunden sinnvoll und auch verantwortlich sind.“ Zur unveränderten Position der Bank ist auf der Homepage zu lesen: Termingeschäfte mit Agrarrohstoffen „helfen Landwirten, Lebensmittelherstellern und Händlern, Preisrisiken zu umgehen und verlässlich zu planen“. Spekulanten wie die Indexfonds übernähmen dabei eine wichtige Rolle.

„Deutschlands größte Bank geht auf Tauchstation und zockt unbeirrt weiter“, kritisiert Bode. Dabei gebe es starke Indizien aus der Wissenschaft und erdrückende Belege aus der Praxis dafür, dass exzessive Spekulationsgeschäfte Lebensmittelpreise ansteigen ließen und damit Hungerkrisen mitverursachten.

Andere Institute wie die Commerzbank, Dekabank und DZ Bank haben auf die Kritik bereits reagiert und ihren Verzicht auf solche umstrittenen Geschäfte erklärt.

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