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Afrikanische Schweinepest Feuer frei auf die Sau

Die Bundesregierung will die Schwarzkittel ganzjährig schießen lassen, um die Ausbreitung der Schweinepest zu stoppen.

Wildschwein
Um die Ausbreitung der Schweinepest zu verhindern, soll es den Wildschweinen an den Kragen gehen. Foto: dpa

Die Bundesregierung bläst zur Jagd. Um ein Übergreifen der afrikanischen Schweinepest (ASP) aus Osteuropa auf hiesiges Schwarzwild zu verhindern, sollen die Schonzeiten für das Borstenvieh vorübergehend ausgesetzt werden. Mit der so möglichen „ganzjährigen Bejagung“ solle „eine erhebliche Ausdünnung“ der Bestände erreicht werden, heißt es in einer Verordnung, die am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet wurde. Sie enthält zudem neue Vorschriften zur Reinigung und Desinfektion von Viehtransportfahrzeugen. Erlegte Wildschweine sollen gekennzeichnet, verendete Tiere untersucht werden. Zudem ist das Verfüttern von Gras, Heu und Stroh aus Schweinepest-Gebieten künftig untersagt.

Der Deutsche Bauernverband hatte sich bereits vor Wochen dafür ausgesprochen, 70 Prozent der Population abzuschießen. Mit der Verordnung sei ein „effizientes Instrumentarium“ geschaffen worden, um der Schweinepest wirkungsvoll zu begegnen, befand der geschäftsführende Bundeswirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) am Mittwoch.

An der Sohle oder auf der Stulle

Halali, Feuer frei, und alles gut? Es gibt Zweifel. Zum einen breitet sich die Seuche, die für Haus- und Wildschweine tödlich, für den Menschen aber ungefährlich ist, zwar durch Übertragungen von Tier zu Tier aus – aber sehr langsam, oft um nur wenige Kilometer pro Jahr. Größere Entfernungen in kurzer Zeit überwindet das Virus mit Hilfe des Menschen. Erreger können im Dreck an der Sohle auf Reise gehen oder als Frühstücksstulle. So überwand die Schweinepest mehrere hundert Kilometer zwischen der Ukraine und den nördlich gelegenen baltischen Staaten in einer Rohwurst. Vermutlich lockten auf Rastplätzen entsorgte Essensreste Wildschweine an, die sich mit der infizierten Wurst den Tod holten.

„Die große Gefahr geht nicht vom Schwarzwild aus, sondern vom Menschen“, sagt der Sprecher des Deutschen Jagdverbands, Torsten Reinwald. Daher sollten Park- und Rastplätze an Autobahnen wildschweinsicher eingezäunt werden. Das Aussetzen der Schonzeit werde nicht viel bewirken. Zum einen dezimierten Jäger den deutschen Bestand von rund 900 000 Wildschweinen ohnehin jährlich um zwei Drittel. In der Saison 2016/17 seien rund 600 000 Tiere zur Strecke gebracht worden – das vierthöchste Ergebnis seit Beginn der Aufzeichnungen vor 80 Jahren. Die geforderte Abschussquote wird also bereits fast erreicht.

Zum zweiten ist das Jagdglück unstet. Um die Zahl der erlegten Tiere spürbar zu erhöhen, müssten Landwirte und Politik mittun. Denn Mais- und Getreidefelder bieten zwischen Mai und Oktober viel Nahrung und perfekten Sichtschutz: Jagen im Kornfeld geht nicht. Daher schlägt der Jagdverband bis zu 20 Meter breite Schneisen vor, auf denen Bauern Wildkräuter aussäen. Das ermögliche eine effektivere Wildschweinjagd, sagt Reinwald. Allerdings müsse der Anbau der Wildkräuter finanziell vergolten werden, etwa in Form von Zuschüssen.

Aus der Sicht des Deutschen Tierschutzbundes erscheint dieser Vorschlag nicht unbedingt wünschenswert. Wenn Schonzeiten aufgehoben und der Elterntierschutz für führende Sauen zum Teil außer Kraft gesetzt werde, sei dies aus Tierschutzsicht inakzeptabel, heißt es in einer Stellungnahme.

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