Lade Inhalte...

Africa Greentec Voller Energie nach Afrika

Torsten Schreiber baut auf dem Nachbarkontinent ein Solarunternehmen auf, das drei Millionen Bürger mit Strom versorgen soll. Das verändert das Leben der Menschen grundlegend. Der Bund sichert das Projekt jetzt finanziell ab.

Africa Greentec
Die Solarcontainer des hessischen Start-ups Africa Greentec bringen sauberen Strom in malische Dörfer. Foto: africa greentec

Mit seinem Rauschebart hat Torsten Schreiber etwas von einem Abenteurer – einer, der nicht die ausgetretenen Pfade sucht, sondern sich durchs Dickicht schlägt, um Neuland zu entdecken. Angetrieben von einer Mission, die ihn motiviert, auch die größten Hindernisse zu überwinden.

„Wir wollen drei Millionen Menschen in Afrika mit sauberem Strom versorgen“, sagt der 45-jährige Gründer des Start-ups Africa Greentec aus dem hessischen Hainburg. Es klingt ziemlich verwegen. Doch Schreiber hat längst damit begonnen. Seit 2015 stehen in Mali, der Heimat seiner Frau Aida, die ersten Solarcontainer aus Hainburg und elektrifizieren Dörfer. Sieben Anlagen laufen mittlerweile – rund 14.000 Menschen erhalten nun Sonnenenergie. Und die kostet sogar nur ein Viertel des Stroms, den bislang nur stundenweise stinkende Dieselgeneratoren lieferten.

Das neue Mantra der Bundesregierung, die deutsche Wirtschaft solle sich endlich stärker auf dem Nachbarkontinent engagieren und dort investieren, um Fluchtursachen zu bekämpfen, brauchte es dafür nicht. „Wir sind längst schon da“, sagt Schreiber.

Für das Solar-Projekt hat Africa Greentec jetzt als erstes in Mali tätiges Unternehmen überhaupt eine Investitionsgarantie des Bundes erhalten. Schreiber hatte entdeckt, dass es seit 1980 einen deutsch-malischen Investitionsschutzvertrag gibt. Doch noch nie hatte eine deutsche Firma diese Möglichkeit der Absicherung von Geschäften in dem westafrikanischen Land in Anspruch genommen. „Da haben wir eben einfach mal einen Antrag gestellt“, sagt Schreiber.

Doch so einfach war das nicht. Ein interministerieller Ausschuss des Bundes muss solche Garantien bewilligen. Beteiligt sind das Außenamt, Wirtschafts-, Finanz- und Entwicklungsministerium. Deren Entscheidung wird vom Wirtschaftsprüfungsunternehmen Pricewaterhouse Coopers (PWC) als Mandatar des Bundes vorbereitet. Eineinhalb Jahre hat das Prüfverfahren gedauert. Dann war klar, dass Africa Greentec alle Kriterien für eine Absicherung der Investition in Mali erfüllt, wie PWC-Sprecher Herwig Maaßen erläutert.

Förderungswürdig sind Projekte, die im Zielland der Direktinvestition Jobs schaffen, moderne Technik zum Einsatz bringen, positive Umwelteffekte haben und menschenrechtlich unbedenklich sind. Da konnte Africa Greentec mit seinem Geschäftsmodell einer nachhaltigen Energieerzeugung, der Ausbildung von Elektrikern und der Entwicklungswirkung voll punkten.

Die Solarcontainer mit ausklappbaren Paneelen sind mit Lithiumbatterien ausgestattet wie es sie auch in Elektroautos gibt. Der damit gespeicherte Strom könne auch Nähmaschinen, Schweißgeräte und Getreidemühlen antreiben, sagt Schreiber. Über eine satellitengestützte Anlage bringen die Solarcontainer auch noch das Internet in die Dörfer.

Die Effekte der permanenten Versorgung mit Strom seien gewaltig, sagt Schreiber. Schulkinder müssten abends nicht mehr im giftigen Dunst der Kerosinlampen lernen, Krankenstationen könnten Medikamente, Bauerngenossenschaften ihre Milch verlässlich und günstiger kühlen. Und kleine Betriebe wie etwa Töpfereien seien nun in der Lage, produktiver zu arbeiten.

„Das bringt den Dörfern Entwicklung“, betont der 45-Jährige, der sich als Sozialunternehmer sieht und gerne von „Entwicklungshilfe 2.0“ spricht. „Es geht dabei um ein faires Geschäft auf Augenhöhe mit den Menschen in Mali und nicht um eine maximale Rendite“, sagt Schreiber.

Die ersten Container hat der Hainburger über Crowdfunding auf Online-Plattformen wie Bettervest oder Croud4Climate finanziert. Jetzt kommt das Geld von großen privaten und institutionellen Investoren, die eine in Deutschland emittierte Anleihe von Africa Greentec gezeichnet haben. Drei Millionen Euro an Fremdmitteln konnten so akquiriert werden, sagt Heinz-Werner Binzel, Geschäftsführer der Africa Greentec GmbH.

Die Geldgeber sind mit ihrem eingesetzten Kapital und den Erträgen dank der Investitionsgarantie des Bundes nun gegen politische Gefahren abgesichert, wie PWC-Sprecher Maaßen erläutert. Dazu zählen Krieg, Aufruhr, Enteignung, Zahlungsmoratorien, Geldtausch- und Geldtransferrisiken. Wegen der nicht ganz einfachen sicherheitspolitischen Lage in Mali, wo in Teilen des Landes islamistische Terrorgruppen für Unsicherheit sorgen, wurde der sonst übliche Selbstbehalt der Investoren allerdings von fünf auf 30 Prozent erhöht.

Geschäftsführer Binzel geht dennoch davon aus, dass die Rückendeckung des Bundes ihre Wirkung hat und „bis Ende 2018 auch die restlichen Anleihemittel gezeichnet werden“. Wer einsteigen will, muss allerdings mindestens 100.000 Euro mitbringen. Den Anlegern verspricht das Unternehmen über eine zehnjährige Laufzeit eine Rendite von 6,5 Prozent, die aus den Einnahmen aus dem Stromverkauf in den Dörfern refinanziert wird.

Mali, wo zurzeit zwei Anlagen pro Monat installiert werden, ist für Schreiber indes nur das Pilotland. Seine Pläne gehen weit darüber hinaus. Auch im benachbarten Niger steht bereits ein Photovoltaik-Container. Und für die autonome somalische Region Somaliland ist ein erstes Solarmodul projektiert. Danach sollen die ersten Dörfer in Togo und Benin mit sauberem Strom von Africa Greentec versorgt werden, kündigt Schreiber an. Sein entschlossener Blick lässt keinen Zweifel zu, dass der 45-Jährige sich seinen Weg weiter bahnen wird und das Ziel der drei Millionen Menschen, die von Solarenergie profitieren, dabei nicht aus den Augen verliert.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen