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Abgasskandal VW beurlaubt Cheflobbyisten

Die Debatte über umstrittene Abgastests an Affen hat bei Volkswagen zu einer ersten personellen Konsequenz geführt. Thomas Steg wurde suspendiert.

Abgas
Dicke Luft: Was über Versuche mit Stickoxiden bekannt wurde, ist skandalös. Foto: imago

Die Debatte über umstrittene Abgastests an Affen hat bei Volkswagen zu einer ersten personellen Konsequenz geführt. Der Generalbevollmächtigte Thomas Steg wurde beurlaubt, wie die Volkswagen AG am Dienstag in Wolfsburg mitteilte. Der Vorstand habe das entsprechende Angebot des Leiters der Konzern-Außenbeziehungen und Nachhaltigkeit angenommen. Der Manager werde bis zur vollständigen Aufklärung der Vorgänge von seinen Aufgaben entbunden. „Wir sind dabei, die Arbeit der 2017 aufgelösten EUGT genau zu untersuchen und alle nötigen Konsequenzen daraus zu ziehen“, sagte Konzernchef Matthias Müller.

Steg wusste laut einem Bericht der „Bild“-Zeitung seit Mai 2013 von den bevorstehenden Tierversuchen. „Herr Steg hat erklärt, die volle Verantwortung zu übernehmen. Dies respektiere ich“, sagte Müller.

Die Autoindustrie hatte Wissenschaftler eingespannt, um mit der von BMW, Daimler, VW und Bosch gegründeten Lobbyorganisation EUGT – der Europäischen Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor – Gesundheitsgefahren von Dieselabgasen zu verharmlosen. Dabei waren auch Affen mehreren Versuchen ausgesetzt worden. Später gab es auch eine Testreihe an der Uniklinik Aachen mit Menschen. Dazu gibt es viele Fragen: Wie hoch war die Stickstoffdioxidbelastung wirklich? Hat die Studie etwas mit dem Dieselskandal zu tun?

Die Aussagen scheinen widersprüchlich zu sein. 36 Seiten lang ist der Bericht der EUGT, der über laufende und abgeschlossene Studien in den Jahren 2012 bis 2015 informiert – auch über die zweifelhafte Stickstoffdioxid-Studie im Auftrag der Automobilindustrie, für die sich 25 gesunde Menschen freiwillig Stickstoffbelastungen ausgesetzt hatten. Im EUGT-Bericht heißt es, dass als „höchst experimentelle Konzentration“ der „dreifache Arbeitsplatzgrenzwert“ eingesetzt worden sei.

Anders äußerte sich am Montag jedoch Thomas Kraus, Institutsleiter der Universität Aachen, an der die Versuche stattgefunden hatten. Er erklärte in einem Video, das die Uni am Montag hochgeladen hatte, dass die Belastung unterhalb des Arbeitsplatzgrenzwertes lag. Zudem verteidigte Kraus die Studie und erklärte, dass sie nichts mit dem Dieselskandal zu tun habe.

In dem EUGT-Bericht wird allerdings mehrmals auch eine Verbindung zu Dieselmotoremissionen gezogen. So heißt es etwa zum Hintergrund der Studie: „Stickstoffoxide (NOX) entstehen als unerwünschte Nebenreaktionen bei Verbrennungsprozessen. Die Hauptquellen sind Verbrennungsmotoren und Feuerungsanlagen für Kohle, Öl, Gas, Holz und Abfälle.“

Auch der Test mit Affen, wozu die EUGT das Lovelace Respiratory Research Institut in den USA beauftragt hatte, wird in der Zusammenfassung erläutert: „Der wissenschaftliche Forschungsbeirat von EUGT geht angesichts nur vereinzelt vorliegender Erkenntnisse davon aus, dass bei ‚modernem‘ Dieselabgas aufgrund der technischen Maßnahmen wie zum Beispiel Einsatz eines Dieselpartikelfilters keine relevanten gesundheitlichen Wirkungen nachweisbar sind“, schreiben die Autoren.

Die Lobbyorganisation gibt es seit vergangenen Sommer nicht mehr. Vorsitzender des EUGT-Forschungsbeirats war der Toxikologe Helmut Greim. Er ist bekannt dafür, industrienahe Interessen zu vertreten. Ob es um Stickoxide, Krebsgefahren bei Glyphosat oder die Gefahren bei Holzschutzmitteln ging – Greim gab stets Entwarnung.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Diesel-Fahrverbote

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