Lade Inhalte...

Abgasskandal Anleger fordern Milliarden von VW

Die VW-Aktionäre wollen für Verluste entschädigt werden, die ihnen wegen des Abgasskandals entstanden sind. Sicher ist nur: Es wird Jahre dauern, bis die Angelegenheit geklärt ist. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Musterverfahren gegen Volkswagen AG
10.09.2018, Niedersachsen, Braunschweig: Rechtsanwälte sitzen zum Prozessauftakt im Oberlandesgericht Braunschweig vor den Richtern. In einer mündlichen Verhandlung im Kapitalanleger-Musterverfahren gegen die Volkswagen AG fordern Aktionäre nach dem Abgas-Skandal Schadenersatz in Milliardenhöhe. Foto: Swen Pförtner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Swen Pförtner (dpa)

Es dürfte das größte Gerichtsverfahren gegen ein deutsches Unternehmen werden. Am Montag begann die mündliche Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Braunschweig um Schadenersatz wegen Abgasmanipulationen gegen Volkswagen. Es wird Jahre dauern, bis die Angelegenheit geklärt ist. Milliardenzahlungen könnten die Folge sein. Die FR erläutert, warum es enorm schwierig wird zu klären, wann die Verantwortlichen bei Volkswagen vom wahren Ausmaß der Betrügereien wussten.

Wer klagt gegen Volkswagen?
Insgesamt handelt es sich im vorliegenden Fall um rund 1670 Klagen. Es geht um Forderungen von insgesamt knapp neun Milliarden Euro. Kläger sind private VW-Aktionäre, aber auch große Fondsgesellschaften. Stellvertretend werden die Forderungen der Deka Investment – Fondstochter der Sparkassen – als sogenannte Musterklägerin verhandelt. Es handelt sich um eine Art Pilotverfahren, um grundlegende Fragen zu klären. Das soll die Urteilsfindung in all den anderen Verfahren vereinfachen. Diese ruhen bis ein Musterurteil vorliegt.

Was wird dem Wolfsburger Konzern vorgeworfen?
Der Vorwurf der Musterklägerin, die von dem Anwalt Andreas Tilp vertreten wird, lautet: Die Verantwortlichen bei Volkswagen haben die systematischen Betrügereien bei der Abgasreinigung zu spät publik gemacht. Da die Anleger davon nichts wussten, hätten sie ihre Aktien zu teuer gekauft. Nach Bekanntgabe der Manipulationen verloren die VW-Papiere fast die Hälfte ihres Werts.

Gegen welche Gesetze haben die Manager verstoßen?
Das maßgebliche Regelwerk – die in der EU gültige Marktmissbrauchsverordnung – schreibt eine Pflicht zur Ad-hoc-Publizität vor. Gemeint ist damit: Aktiengesellschaften sind dazu verpflichtet, so schnell wie möglich brisante Informationen zu veröffentlichen, wenn sie den Börsenkurs eines Wertpapiers erheblich beeinflussen können.

Wie begründen die Kläger den Vorwurf eines Verstoßes?
Tilp geht so weit zu behaupten, dass bei Volkswagen spätestens Mitte 2008 bekannt gewesen sei, dass man die Vorgaben für den Stickoxidausstoß in den USA nicht einhalten konnte. Er bezieht sich damit auf eine Darstellung des Unternehmens selbst: Schon 2005 haben Ingenieure damit begonnen, Verfahren zu entwickeln, die dazu führten, dass Dieselmotoren ausschließlich bei offiziellen Abgastests so stark gedrosselt wurden, dass sie die Grenzwerte einhalten konnten. Diese Motorsteuerung wurde aber im Alltagsbetrieb abgeschaltet – was in den USA und in Europa illegal ist. Volkswagen hätte die zwischen 2005 und 2007 getroffenen Entscheidungen bekanntgeben müssen, so Tilp. Das Gericht vertrat am Montag aber die Auffassung, dass die Entscheidung zwar illegal war. Wichtig für das Verfahren sei aber, ob sie gefällt wurde, um Anleger hinters Licht zu führen. Das habe man bisher nicht erkennen können.

Wie wurden die Manipulationen aufgedeckt?
Die Umweltwissenschaftler der Organisation ICCT haben im Frühjahr 2014 die Werte für Stickoxid (NOX) bei Tests auf US-Straßen nachgemessen und massive Überschreitungen festgestellt. Die US-Umweltbehörde EPA wurde eingeschaltet. VW-Manager wurden schon damals mit dem Vorwurf der Abgasmanipulation konfrontiert. Verantwortliche von Volkswagen stritten dies zunächst vehement ab. Es folgten Software-Updates. Doch die NOX-Emissionen blieben über den Grenzwerten. Im Sommer 2015 erhöhten die US-Behörden den Druck auf Volkswagen. Anfang September räumte der Konzern dann die Manipulationen gegenüber den Behörden ein. Am 18. September machte die EPA den Betrug öffentlich. Am 20. September gab der damalige Konzernchef Martin Winterkorn die illegalen Manipulationen zu. Erst am 22. September räumte das Unternehmen in einer Ad-hoc-Mitteilung „Unregelmäßigkeiten einer verwendeten Software bei Dieselmotoren“ ein. Es handele sich um weltweit etwa elf Millionen Fahrzeuge.

Wie viel wusste die Chefetage von den Manipulationen?
Im Juli 2015 wurde während einer vertraulichen Sitzung an einem sogenannten Schadenstisch die möglichen Folgen der Enthüllungen diskutiert. Dabei soll Medienberichten zufolge auch schon von Strafen in den USA in Höhe von mehr als 20 Milliarden Dollar die Rede gewesen sein. An dieser Sitzung soll unter anderem auch der heutige Konzernchef Herbert Diess beteiligt gewesen sein.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Abgasskandale

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen