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Abgas-Skandal Das kommt auf Mercedes-Fahrer zu

Auch Daimler wird nun amtlich Abgasmanipulation bescheinigt. Was kommt auf Mercedes-Fahrer demnächst zu? Die FR beantwortet die wichtigsten Fragen.

Daimler-Chef Zetsche
Muss sich rechtfertigen: Daimler-Chef Zetsche. Foto: rtr

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat die Bedeutung der Autoindustrie für Deutschland betont, die Hersteller aber zugleich in die Pflicht genommen. Deutschland habe ein Interesse daran, dass die Autoindustrie ihre Krise überwinde und Fehler behoben würden, sagte Altmaier am Dienstag beim Wirtschaftstag des CDU-nahen Wirtschaftsrats. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte am Montag für Hunderttausende Diesel von Daimler wegen illegaler Abgas-Software einen Pflicht-Rückruf angeordnet. Die FR erklärt, was das für die Autobesitzer bedeutet.

Wie vielen Mercedes-Autos droht ein Rückruf? 
In Deutschland geht es nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums um 238 000 Fahrzeuge, knapp ein Zehntel dessen, was VW in Deutschland zurückrufen muss. Ob das bei Daimler aber schon das gesamte Ausmaß ist, bezweifelt unter anderem die Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV). Es gebe Hinweise auf ein noch größere Dimensionen. 
 
Um welche Modelle geht es?
Neben bereits 4900 zurückgerufenen Mercedes-Kleintransportern des Modells Vito wird es vor allem die sehr verbreitete C-Klasse und den Geländewagens GLC treffen. Beim Vito sind die Motorvarianten OM 622 und OM 651 betroffen, beim GLC ebenfalls der OM 651, sagt Daimler. Bei der C-Klasse mit der sehr umfangreichen Motorenpalette ist außer dem 220 d noch keine konkrete Variante bekannt. Manche Diesel-Motoren sind in vielen Modellreihen verbaut worden. Über C-Klasse, Vito und GLC hinaus könnte es also auch noch andere Fahrzeuge treffen. Weitere möglicherweise relevante Modelle würden derzeit noch Daimler-intern evaluiert, räumt Daimler ein. Der VZBV fordert von Daimler oder dem Kraftfahrtbundesamt (KBA) möglichst schnell eine Datenbank online zu stellen, in dem sich Mercedes-Fahrer zentral informieren können, ob ihre Fahrzeuge betroffen sind. 
 
Was wird dann repariert? 
Der ADAC sieht das Prozedere bei VW als Blaupause. Demnach erhalten die betroffenen Mercedes-Modelle ein für Fahrzeugbesitzer kostenloses Update, aber keine Hardware-Nachrüstung. Daimler bestätigt das. 
 
 

Wann läuft der Rückruf an und wie erfahren Fahrzeughalter, ob ihr Wagen betroffen ist? 
Der ADAC schätzt, dass das mehrere Monate dauert. Ein offizieller Zeitplan für Mercedes existiert aber noch nicht. Daimler sagt, dass für die 238 000 aktuell beanstandeten Fahrzeuge keine neue Software mehr geschrieben werden muss, weil sich der Rückruf dafür größtenteils mit den freiwilligen Updates für drei Millionen Mercedes-Fahrzeuge überschneidet, der 2017 im Rahmen des Diesel-Gipfels zwischen deutschen Autokonzernen und der Politik vereinbart worden war. Sobald das KBA die Updates genehmigt hat, will Daimler betroffene Fahrzeugbesitzer anschreiben und zu einem Werkstatttermin auffordern. Autobesitzer haben dann 18 Monate Zeit, ein Update aufspielen zu lassen, was pro Pkw etwa eine Stunde dauert. Für Updates hat Daimler bislang ein Kostenvolumen veranschlagt, das den Konzern 220 Millionen Euro kostet. 
 
Daimler will den aktuellen Fall juristisch klären lassen und hat ein Widerspruchsverfahren angekündigt. Kann das Rückruf und Updates verzögern? 
Nein, das hat keine aufschiebende Wirkung, stellt Daimler selbst klar. Wegen des KBA-Bescheids müsse der Rückruf zunächst einmal umgesetzt werden. 
 
Wie sollen sich Halter jetzt verhalten?
ADAC und Verbraucherschützer warnen vor Panikverkäufen. Diesel-Autos seien im Augenblick nur noch unter erheblichem Wertverlust loszuschlagen. Besser sei es, auf den Rückruf zu warten und die Software updaten zu lassen. 
 
Entstehen Fahrzeughaltern durch Updates irgendwelche Kosten? 
Das Software-Update selbst wird kostenlos sein. Die VZBV fürchtet aber danach einen höheren Verbrauch der Harnstofflösung Adblue, die bei vielen Dieselmodellen zur Abgasreinigung eingesetzt wird. Daimler erwartet „keine relevanten“ Veränderungen bei Verbrauch, Leistung, Geräuschverhalten oder Zuverlässigkeit nach einem Update. Sollte es zu einem Adblue-Mehrverbrauch kommen, bleiben Verbraucher auf diesen Kosten sitzen, rügt die VZBV. Gleiches gelte für allgemeinen Wertverlust von Diesel-Modellen. Es sei ein „Super-Gau“ für das Verbrauchervertrauen in Diesel-Technologie, dass mit Mercedes nun eine zweite Marke hunderttausende Autos zurückrufen muss. 

Können Diesel-Besitzer ihren Wagen auch zurückgeben? 
Das ist juristisch umstritten. Als erstes deutsches Oberlandesgericht hat das OLG Köln Ende Mai einen Autohändler zur Rücknahme eines Schummel-Diesels des Modells VW Eos 2.0 TDI verurteilt. Rechtsanwälte der Kanzlei Lehnen & Sinnig sehen darin einen juristischen Dammbruch, der sich nach Ansicht anderer Experten aber erst noch bestätigen muss. 

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