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Abfallwirtschaft Schluss mit der Wegwerfkultur

Bessere Abfallwirtschaft könnte mehr CO2 einsparen – das gilt auch für die erste Welt. Vor allem die Methan-Emissionen, die durch Fäulnis- und Abbauprozesse in den Mülldeponien entstehen, sind die Ursache der schlechten Klimabilanz.

Rag pickers collect recyclable material at a garbage dump in New Delhi
Müll-Sammler auf den Deponien in Entwicklungsländern leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Foto: REUTERS

Die „Waste-Picker“ schützen das Klima. In Entwicklungsländern wie Indien, Ägypten, oder den Philippinen, wo Abfälle fast immer ohne Vorbehandlung auf gigantische Mülldeponien gekippt werden, sorgen die armen Müll-Sammler immerhin für ein Mindestmaß an Recycling. Das spart Rohstoffe und nützt dem Klimaschutz.

In diesen Ländern wäre eine viel stärkere Wiederverwertung des Mülles dringend angezeigt, auch um die Treibhausgas-Emissionen zu senken – das zeigt eine neue Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes. Beim Aufbau einer modernen Abfallwirtschaft müssten die Regierungen allerdings auf dem „informellen“ Bereich der Waste-Picker aufbauen, fordern die Experten.

Rund ein Prozent der Stadt-Bevölkerung in Entwicklungsländern arbeitet nach Weltbank-Angaben als Müllsammler. Sie sortieren per Hand Verwertbares aus, von Metall über Plastik bis Papier. Deren Arbeitsplätze zu erhalten, sei dringend geboten, meint Günter Dehoust vom Öko-Institut – aber gleichzeitig müsse der Arbeits- und Gesundheitsschutz dringend verbessert werden. „Dort arbeiten heute viele Menschen, die häufig unter schlechten Arbeitsbedingungen einen Großteil des Recyclings leisten“.

Laut der Untersuchung kann die Abfallwirtschaft in Ländern wie Indien und Ägypten noch deutlich mehr als heute zum Klimaschutz – und auch zum Aufbau von Jobs – beitragen, allerdings gilt das auch für die USA, die in diesem Sektor unterentwickelt sind. „Die Klimaschutzpotenziale der Abfallwirtschaft sind bei weitem nicht ausgeschöpft“, urteilen die Experten.

Vor allem die Methan-Emissionen, die durch Fäulnis- und Abbauprozesse in den Mülldeponien entstehen, sind die Ursache der schlechten Klimabilanz. Methan ist ein starkes Treibhausgas, das etwa auch bei der Erdgasgewinnung oder beim Reisanbau anfällt. Die Staaten sollten statt des Ex- und Hopp-Müllsystems den Aufbau einer „integrierten Kreislaufwirtschaft“ fördern, so die Studie, die vom Öko-Institut gemeinsam mit dem Ifeu-Institut Heidelberg erarbeitet wurde.

Einsparungspotenzial von 353 Millionen Tonnen jährlich

Die Institute analysierten den Abfallsektor der Staaten, die im Industrieländerclub OECD respektive in der EU zusammengeschlossen sind, sowie in drei Detailstudien für Indien, Ägypten und die USA. Die Treibhausgas-Einsparpotenziale betragen je nach Land rund ein bis drei Prozent der Gesamtemissionen. In Indien könnte der Ausbau einer Wertstoffsammlung und -verwertung sowie die Verbrennung von nicht nutzbarem Restmüll in effizienten Müllverbrennungsanlagen den CO2-Ausstoß um bis zu 25 Millionen Tonnen pro Jahr senken.

Doch auch in den reichen USA verhindert vor allem der große Anteil an Mülldeponierung einen effizienten Klima- und Ressourcenschutz. Die Amerikaner kippen mehr als die Hälfte ihrer Siedlungsabfälle auf Deponien, nur rund ein Viertel wird recycelt. Hier könnten sogar bis zu 160 Millionen Tonnen Klimagasemissionen pro Jahr eingespart werden. Für die 34 OECD-Länder zeigte die Studie ein gemeinsames Einsparungspotenzial von 353 Millionen Tonnen jährlich auf, für die 28 EU-Staaten eines von 91 Millionen Tonnen.

Die Europäische Union könnte ihre Gesamt-CO2-Bilanz damit immerhin um rund zwei Prozent verbessern. „EU-weit wandert auch hier noch zu viel Müll auf die Deponie“, sagt Dehoust. Geringer ist das Potenzial in Deutschland. Die direkte Deponierung von Hausmüll ist hierzulande seit 2005 verboten, wodurch das Methan-Problem minimiert ist.

„Allerdings gibt es auch in Deutschland durchaus noch Verbesserungsmöglichkeiten“, sagte Dehoust der FR. So sei es sinnvoll, das wertstoffliche Recycling von Kunststoffen – etwa aus der gelben Tonne oder dem gelben Sack – von derzeit nur rund 25 auf 60 bis 70 Prozent zu erhöhen und dafür die Müllverbrennung zurückzufahren. Zudem müsse die Bio-Müll-Sammlung sowie die Verwertung und das Recycling von Elektro- und Elektronik optimiert werden.

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