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Abfallentsorgung China will keinen fremden Müll mehr

Das Umweltbewusstsein in China wächst, darum soll ein Importverbot von Abfall aus dem Ausland gelten. Auch Deutschland könnte Probleme bei der Entsorgung kriegen.

In China gibt es wahrlich genug Müll. Tatsächlich weiß das aufstrebende Land längst nicht mehr, was es mit den Rückständen des steigenden Wohlstands machen soll. In drei Dutzend Städten wird daher demnächst Mülltrennung zur Pflicht. Peking allein will 70 000 Arbeiter zu „Müll-Vorbildern“ ausbilden. Sie erhalten ein grünes Armband und zeigen ihren Mitbürgern, wohin Verpackungen, Restmüll, Glas und Kompost gehören. Zugleich sollen sie über die Einhaltung der Regeln wachen und dazu auch mal abends in die Tonnen schauen.

Das fernöstliche Land gibt zudem viele Milliarden von Yuan für den Bau moderner Müllverbrennungsanlagen aus. Dennoch sind die Städte von stinkenden, zum Teil illegalen Deponien umringt. Die Landschaft ist allerorten von Plastikfetzen verschandelt.

Kein Wunder, dass China keinen Müll mehr aus dem Ausland will. Die Regierung hat der Welthandelsorganisation bereits Mitte vergangenen Jahres geschrieben, dass der Schutz der Umwelt ab jetzt Vorrang hat. Seit Anfang Januar ist der Import von Abfall zu größten Teil gestoppt, ab 2019 gilt ein totales Einfuhrverbot. Damit müssen sich die Industrieländer darauf einstellen, viel mehr Hausmüll selbst zu verarbeiten. Denn bisher hat China ihnen jedes Jahr mehr als sieben Millionen Tonnen davon abgenommen.

Umweltschützer sind begeistert. „Die neuen Regeln werden Schockwellen um den Globus aussenden“, sagt Liu Hua von Greenpeace in China. „Viele entwickelte Länder müssen jetzt ihre Einstellung überdenken.“ Bisher habe gegolten: „Aus dem Auge, aus dem Sinn.“ Jetzt steige der Druck zur sinnvollen Müllverwertung.

Die Länder Europas gehören zusammen mit den USA und Japan zu den größten Exporteuren von Abfall. In Deutschland wird weniger als die Hälfte des Plastikmülls wiederverwertet, der Rest wird verbrannt oder geht in den Export. Laut Umweltbundesamt hat im Jahr 2014 eine runde Million Tonnen Müll die Bundesrepublik verlassen. Großbritannien verschifft 65 Prozent seines Plastikabfalls, Irland sogar 95 Prozent. „Die Lagerplätze werden sich nun dort schnell füllen“, warnt Greenpeace.

Als China noch arm war, und als die Reinheit der Natur dort keine Rolle spielten, erschien es als gutes Geschäft, anderen Ländern den Müll abzunehmen. Es fehlte an Rohstoffen. Was die anderen nicht wollten, war hier noch etwas wert. Die Arbeitskräfte dort haben für minimalen Lohn auch maximal schmutzige Jobs erledigt. Sie wühlten sich durch die Müllberge und fischten alles heraus, was sich noch verwerten ließ. Die eigene Bevölkerung konsumierte noch vergleichsweise wenig und warf nur wenig weg.

Heute ist das alles anders. Den Unterschied machen zwei Jahrzehnte hohen Wachstums: China selbst produziert jetzt 525 000 Tonnen Müll pro Tag. Im Jahr 2025 werden es einer Schätzung der Weltbank zufolge 1,4 Millionen Tonnen sein.

Die Bewohner des Landes fordern zudem von ihrer Regierung sauberes Wasser. Sie beklagen sich zunehmend über die Verschandelung der Landschaft. Die Löhne sind gestiegen, womit die nachträgliche Mülltrennung mit der Hand kaum noch lohnt. „Bis vor ungefähr zehn Jahren haben sich weder die Regierung noch die Bürger um die Müllproblematik geschert“, sagt Huang Xiaoshan, ein prominenter Umweltaktivist. „Das ist jetzt anders. Der sorgfältige Umgang mit Abfall wird zum Thema.“

Auf dem Höhepunkt des Müllhandels war das asiatische Land das Ziel von mehr als der Hälfte des weltweiten Altplastikexports. Doch China gehört inzwischen zu den Ländern mit mittlerem Einkommen und will nicht mehr die Müllkippe der Welt sein. „Die Menschen in China verabscheuen die Einfuhr ausländischer Abfälle“, sagt Guo Jing, Chef der Internationalen Abteilung des Umweltschutzministeriums in Peking. Die Müllberge schaffen Gesundheitsprobleme.

Tatsächlich herrscht in China ein völlig verändertes Bewusstsein. Die Stadt Peking lässt sogar 3,6 Milliarden Kubikmeter Müll aus einer unregulierten Müllkippe südlich von Peking wieder ausgegraben, um sie korrekt zu verarbeiten zu lassen. Und auch wenn viele Chinesen weiterhin bedenkenlos ihren Abfall in den Wald oder auf die Wiese schmeißen, achten gerade die Städter mehr und mehr auf eine saubere Umgebung.

Die deutsche Abfallwirtschaft kann den überschüssigen Dreck nun nicht mehr scheinheilig in Ostasien „entsorgen“ lassen. Die Umstellung wird schwerfallen, ist aber vermutlich einfacher als für Großbritannien oder Irland mit ihrem besonders hohen Exportanteil. Doch selbst die großen Spieler haben nicht ausreichend Kapazitäten, um plötzlich Hunderttausende von Tonnen mehr Müll zu verarbeiten.

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