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Nachfrage Krieg um Talente

Wahrscheinlich nicht ohne Bedauern denkt Martin Liebert zurück an die alten Zeiten. „Früher wurde uns kaum ein Zeitarbeiter abgeworben“, sagt der Personalexperte. „Das kam vielleicht einmal im Jahr vor.“ Mittlerweile bleiben die IT-Spezialisten seiner Zeitarbeitsfirma Tecops schon häufiger bei einem Kunden hängen. Von den mehr als 1000 Fachkräften unterschreiben heute im Schnitt zwischen fünf und zehn Prozent nach befristeten Projekten einen Vertrag beim jeweiligen Entleihunternehmen.

18.03.2011 13:30
Eloy Barrantes
Die Nachfrage nach gut ausgebildeten Zeitarbeitern ist groß.

Im Markt herrsche ein regelrechter „War for Talents“, sagt Liebert. Viele Unternehmen suchen händeringend nach Spezialisten auf Zeit. Oft sind es ausgebildete IT-Administratoren, Fachinformatiker, aber auch vereinzelt Profis für SAP und Oracle. Sie kommen vor allem in Übergangsphasen zum Einsatz, wenn beispielsweise in einem Unternehmen gerade eine neue Soft- oder Hardware installiert wird. Geht ein Projekt zu Ende, wartet längst die nächste Firma. „Viele wollen gar nicht mehr ihr Leben lang bei einem bestimmten Unternehmen arbeiten“, meint Liebert. „Durch Zeitarbeit arbeiten sie bei verschiedenen Konzernen, sind ständig mit neuen Aufgaben konfrontiert und lernen so das gesamte Spektrum der IT-Branche kennen.“ Ein Teil seiner Mitarbeiter habe direkt nach Ausbildung oder Studium als Zeitarbeiter bei seinem Unternehmen begonnen. Häufig, um sich in der Branche zu orientieren, sagt Liebert. „Manchmal sind es aber auch Arbeitssuchende, die am aktuellen Bewerbermarkt kaum eine Chance haben, weil sie beispielsweise einige Jahre nicht erwerbstätig waren.“

Auch in anderen Branchen boomt die Nachfrage nach gut ausgebildeten Zeitarbeitern. Ingenieure beispielsweise werden vor allem in der Energie- und Bahntechnik sowie im Schiffsbau und der Automobilindustrie verzweifelt gesucht. Die Technikspezialisten auf Zeit sind längst keine Seltenheit mehr. Nach Schätzungen des Interessenverbands deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) arbeiten hierzulande in fast jedem zweiten Branchenunternehmen bereits freiberufliche Ingenieure und solche, die von Dienstleistern im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung eingesetzt werden. Für die Unternehmen liegt der Vorteil auf der Hand: sie reagieren schneller, flexibler und oft auch kostengünstiger auf Engpässe und Auftragsspitzen. Personalprofi Liebert macht sich genau deshalb auch keine Sorgen um die Zukunft seiner Zunft: „Flexibilität wird nicht nur in der IT-Branche, sondern in unserer gesamten Wirtschaft immer wichtiger.“

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