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Myboshi - Mützenmacher Lockere Masche für die Häkelmütze

Zwei Studenten aus Freiberg behäkeln die Welt – und haben bereits 30.000 Mützen verkauft.

04.09.2012 16:06
Alexandra Ringendahl
Sie häkeln gern: Thomas Jaenisch und Felix Rohland sind Gesellschafter von Myboshi.

Langeweile macht kreativ: Als ihnen vor drei Jahren bei einem Skilehreraustausch in Japan die Decke auf den Kopf fiel, brachte eine spanische Kollegin den beiden Freiberger Studenten Thomas Jaenisch und Felix Rohland das Häkeln bei. Dass dabei eine Mütze herauskommen sollte, lag bei dem Schneesturm draußen nahe.

„Die ersten Versuche waren noch recht grobmotorisch, aber am Ende kam ein ansehnliches Exemplar raus“, erinnert sich der 28-jährige Jaenisch. Ein paar Tage später wurden sie in Tokio von zwei Australiern angequatscht, die ihnen ihre „coolen Beanies“ (so wird die Mützenart genannt) für je zehn Euro abkauften. Bei nächtlicher Karaoke und viel Reiswein entstand eine Schnapsidee, die sich in ein handfestes Geschäftsmodell verwandelte: „Myboshi“ sollten ihre zweifarbigen Häkelmützen fortan heißen. Boshi ist japanisch und heißt Mütze. „Die Idee dahinter war, ein klassisches Produkt in modischen Farben neu zu designen“, so Jaenisch. Außerdem sollte es tauglich sein für den Einsatz auf Piste, Fahrrad und im Gelände.

30 Rentnerinnen unter Vertrag

Mittlerweile gehen bei den Jungs von September bis April übers Internet durchschnittlich 200 Boshi-Bestellungen täglich ein. „Vor Weihnachten waren es sogar an einem Tag mal 700 Stück“, erzählt Jaenisch. Und selbst im Hochsommer reißen die Bestellungen nicht ab. Allein in diesem Jahr summiert sich die Zahl der verkauften Exemplare auf mehr als 15.000. Mittlerweile gibt es über 30.000 Myboshi-Träger weltweit.

Längst lassen die passionierten Häkler die Nadeln nicht mehr alleine klappern. Um das Pensum zu bewältigen, haben sie 30 „Häkel-Omas“ unter Vertrag. „Alles Rentnerinnen, die eine sinnvolle Beschäftigung suchen und so ihre Rente aufbessern.“ Die flinken Damen fertigen in Hochzeiten sechs bis acht Mützen am Tag. Derzeit gehen täglich zwei bis drei Bewerbungen von Seniorinnen aus ganz Deutschland bei den Jungunternehmern ein, weil diese für die Herbst- und Wintersaison das Häkelteam noch mal deutlich aufstocken wollen.

Über einen eigens kreierten Mützen-Konfigurator kann sich jeder Kunde im Internet die Kopfbedeckung seiner Wahl zusammenstellen. Neben dem gewünschten Modell müssen zwei Farben ausgewählt werden. Der Bommel ist fakultativ und kostet extra. Dann entsteht auf dem Bildschirm die fertige Mütze. „Das ist eben der Charme. Man bekommt etwas, das man sich selber aussucht und das dazu noch selbst gemacht ist.“ Made in Germany, wie von Oma. Häkeln habe etwas sehr Entspannendes, ja fast Meditatives. Außerdem sehe man sehr schnell den Erfolg, wirbt Jaenisch für sein Hobby.

Damit auch andere auf den Trichter kommen und die Mützen-Manie noch weitere Kreise zieht, haben die beiden Jungunternehmer Anfang des Jahres ihr erstes Handarbeitsbuch herausgegeben: Den „myboshi-Mützenmacher“ mit Anleitung zum Nachhäkeln plus CD. Das Buch ist ein halbes Jahr auf dem Markt und erscheint bereits in sechster Auflage. „Das meistverkaufte Handarbeitsbuch in Deutschland“, berichtet Jaenisch nicht ohne Stolz. Der Häkel-Bestseller wurde bereits 60000 Mal verkauft und hat eine große Fangemeinde auf Facebook. Längst nicht nur Frauen. „Es melden sich erstaunlich viele junge Männer, die jetzt die Häkelnadel in die Hand genommen haben.“ Aber auch ältere Herren seien dabei. „Männer, die schon ihr ganzes Leben häkeln, sich aber bis jetzt nie getraut haben, darüber zu reden.“ Per Mail melden sich auch viele dankbare Lehrerinnen. Sie unterrichten Handarbeit und haben sich bislang damit abgemüht, auch den Jungen die Grundzüge des Spiels mit der Nadel beizubringen. Ein bisweilen hoffnungsloses Unterfangen, weil die Motivation der Knaben deutlich im Minusbereich lag. Aber seit sie das Buch mit in den Unterricht gebracht hätten, sei Häkeln in ihrer Schule ein Muss, berichten sie. Jeder Junge wolle unbedingt ein Boshi hinbekommen. Wegen des großen Erfolgs erscheint diesen Herbst zur Frankfurter Buchmesse die zweite Folge: „Mützen und mehr“ – mit Anleitungen für die passenden Schals, Taschen und Handschuhe. Problematisch für die Häkelgemeinde war bislang allerdings das Beschaffen der richtigen Wolle. Das dicke Garn sollte aus 30 Prozent Schur- und Merinowolle und 70 Prozent Acrylfasern bestehen. „Noch schwieriger war das mit den Farben.“ Statt kräftigen Farben und Neontönen fänden sich in traditionellen Wollgeschäften eher dezentere Töne. Daher haben Jaenisch und Rohland nun zur Herbstsaison eine eigene Boshi-Wolle kreiert, die jetzt in 38?Farben in die Handarbeitsläden kommen soll. „Dann ist endlich auch Magenta dabei. Und Senfgelb, das ist nämlich in diesem Herbst die Modetrendfarbe schlechthin.“

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