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Promifaktor In der Neustadt

Ardi Goldman hat Frankfurt verändert. Er hat aus Industriebrachen angesagte Clubs gemacht und schicke Hotels eröffnet. Nun geht der 47 Jahre alte Investor ein neues Projekt an: die alte Diamantenbörse an der Stephanstraße in der Innenstadt.

20.09.2010 16:01
Die alte Diamantenbörse heute - nicht wirklich schön. Foto: Goldman Holding

„Ich lebe Frankfurt“, sagt Ardi Goldman, und es gibt keinen Grund, ihm diesen Satz nicht zu glauben. Wie kaum ein anderer hat Goldman diese Stadt in den vergangenen Jahren gestaltet. Er hat aus hässlichen Gebäuden schicke Clubs gemacht, er hat den Anstoß dafür gegeben, dass sich ganze Straßenzüge umgestalten. Damit hat er viel Geld verdient, daraus macht der 47 Jahre alte Investor keinen Hehl. „Ich wollte aber auch Fußstapfen in Frankfurt hinterlassen, und das ist mir gelungen“, sagt er.

Wir treffen Ardi Goldman vor der früheren Diamantenbörse an der Stephanstraße in der Frankfurter Innenstadt. Ein klassisches Projekt für einen wie ihn. Für einen, der ehrgeizig ist und hoch hinaus will. Das Gebäude, in dem in früheren Jahrzehnten mit Edelsteinen gehandelt wurde, ist ein Klotz aus grauem und braunem Beton. Schön sieht anders aus. „Doch in der Hässlichkeit liegt auch eine Chance“, sagt Goldman: „Eine Chance, dass etwas richtig Schönes entsteht.“ Gemeinsam mit dem Frankfurter Star-Architekten Christoph Mäckler baut Goldman das Gebäude komplett um. „Es wird die spektakulärste Umwandlung in Deutschland.“ So viel Superlativ darf es für den Investor schon sein. Rund 60 Millionen Euro gibt er aus, um aus dem Haus ein Gebäude zu machen, das seinen Ansprüchen an Architektur gerecht wird. Und diese Ansprüche sind hoch, wie man von früheren Projekten her weiß.

Auf einer Fläche von 6000 Quadratmetern sollen zehn Geschäfte einziehen. Modegeschäfte, in die Menschen mit Geschmack gehen. Die aber keinen unbezahlbaren Luxus bieten. „Mir geht es um das mittlere Segment“, sagt Goldman. Bei seinen vielen Aufenthalten in Paris, London oder Stockholm hat er zahlreiche Geschäfte gesehen, die gute Ware anbieten, aber eben nicht nur für reiche Menschen interessant sind. An derartigen Läden fehle es in Frankfurt. Diese Lücke will Goldman schließen.

"MA" ist ein Name, den Goldmann bewusst gewählt hat - damit die Menschen sich wundern

Doch Goldman wäre nicht Goldman, wenn es ihm nur darum ginge, dass sich ein paar neue Geschäfte ansiedeln. Goldman will ganze Viertel verändern. In diesem Fall die „Neustadt“, wie die Straßenzüge hinter der Zeil tatsächlich einmal hießen. Das Viertel rund um die Stephanstraße sei vor Jahren eine richtig spannende Gegend gewesen, mit interessanten Läden, Bars, der Schwulenszene. Nun gehe es darum, die Straßenzüge wiederzubeleben. Sein Gebäude, in dem auch 11 000 Quadratmeter Wohnfläche vorgesehen sind, werde dafür den Anstoß geben. Das ganze Projekt nennt er „MA“. Was das bedeutet? Goldman lacht. „Ich möchte, dass sich die Menschen diese Frage stellen, das macht das Haus interessant.“ Eine Antwort gibt er nicht. Das wäre ja langweilig.

Gefragt haben sich die Frankfurter in den vergangenen Jahren einiges, als sie von den Projekten des Ardi Goldman hörten. Vor allem: Kann das gut gehen? Goldman bohrte die ganz dicken Bretter, wollte nicht kleckern, sondern klotzen. Etwa an der Hanauer Landstraße, die er in weiten Teilen neu gestaltete. Unter Goldman wurde aus dem einstigen Industriestandort die „Eastside“ mit viel Raum für kreative Menschen. Manche nennen Goldman sogar den „Chef der Hanauer Landstraße“.

Auf dem alten Union-Gelände schuf er Lofts, Einzelhandel, Büros, Restaurants und Platz für Kultur. Das Konzept ging auf. Entlang der „Hanauer“ eröffnete er Clubs wie das King Kamehameha, den Cocoon Club oder die Sansibar. Und die Gäste kamen. Und dann noch das Hotel „25 hours“, ebenfalls im Osten Frankfurts. Man könne ihn auch „Ardi Hilton“ nennen, scherzt er. Ableger des Designhotels gibt es unter anderem in Köln, Zürich, Wien und Budapest. Ob er mit einem Projekt schon einmal richtig gescheitert ist? Goldman denkt lange nach. „Nein, sagt er, eigentlich nicht.“ Auch nicht mit dem Rewe am Grünhof-Areal gegenüber des Polizeipräsidiums. Goldman sprach sich für einen Markt mit sehr großer Verkaufsfläche aus. Nicht kleckern, sondern klotzen. Der Vorstand der Supermarktkette zögerte. Doch Ardi Goldman setzte sich mit seiner Idee durch. Heute ist der Rewe am Grünhof der erfolgreichste Markt in Deutschland.

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Bis 2012 soll die Umwandlung der Diamantenbörse abgeschlossen sein. Als nächstes Projekt könnte sich Goldman die eine oder andere Investition in Bockenheim vorstellen. „Ich bin dort groß geworden, der Stadtteil liegt mir am Herzen.“ Aber lohnt es sich wirklich, jetzt noch in Bockenheim etwas anzugehen? Schließlich zieht die Universität weg, überall heißt es, der Stadtteil verliere an Wert. Da wird sogar der sonst so besonnene Ardi Goldman etwas lauter. „Das ist die Frankfurter Mentalität, die ich nicht mag“, sagt er. „Die Uni zieht weg, das lohnt nicht, das machen wir nicht.“ In derartigen Kategorien will Goldman nicht denken. Die Hochschule siedele sich wenige hundert Meter weiter im Westend neu an, natürlich seien also auch Studenten das Zielpublikum für Investitionen in Bockenheim. Und ansonsten müsse man sich halt ansehen, wofür es einen Markt gebe. Bestimmt nicht nur für die Ramschläden, die sich in den vergangenen Jahren an der Leipziger Straße breitgemacht haben.

Ardi Goldman liebt Frankfurt. Der „Realist der Straße“, wie er sich selbst nennt, hat in Berlin gelebt und in New York, aber immer wieder hat es ihn zurück an den Main gezogen, „weil diese Stadt eine ganz besondere ist“. Manchmal aber verzweifelt er auch an den Frankfurtern. „Sie wollen in einer Großstadt leben, aber alles mit wenigen Schritten erreichen, sie wollen in einer Metropole daheim sein, aber stören sich an jeder Form von Lärm – das geht alles nicht.“

Bisweilen merkt auch Goldman, dass er keine 30 mehr ist. „Damals konnte ich morgens und abends arbeiten, sieben Tage in der Woche.“ Mittlerweile nehme auch er sich zurück. In ein paar Jahren könne er sich sogar vorstellen, sich ganz zur Ruhe zu setzen. Man mag es kaum glauben. Immerhin sagt Goldman, dass er in Frankfurt alt werden möchte. Nur nicht auf dem Lerchesberg. „Das ist mir zu langweilig.“

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