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Privatschule Nicht nur für Reiche

Bildungsnähe der Eltern ist entscheidend für die Wahl einer Privatschule

26.10.2011 14:57

Privatschulen sind weiter im Kommen. Immer wieder ist von Neueröffnungen und Erweiterungen die Rede. Die FR sprach mit Florian Becker vom Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) über die bisherige Entwicklung, die aktuelle Situation und die Zukunftsperspektiven.

Viele Mütter und Väter glauben, Privatschulen seien nur etwas für Reiche. Haben sie recht?
Das Schulgeld wird erhoben, weil die staatlichen Zuschüsse zu niedrig sind und alleine nicht reichen, den Betrieb zu finanzieren. Studien zeigen, dass die Bildungsnähe der Eltern entscheidend für die Wahl einer Privatschule ist, nicht das Einkommen. Dabei räume ich ein, dass bildungsnahe Bürger häufig auch finanziell besser gestellt sind.

Mit welchen Summen müssen Eltern überhaupt rechnen?
Bei den Privatschulen, die wir vertreten, liegt das Schulgeld im Schnitt bei 120 Euro im Monat. In konfessionellen Privatschulen sind im Schnitt sogar nur 60 Euro zu zahlen. Etliche Einrichtungen staffeln ihr Schulgeld nach dem Einkommen der Eltern. Wer weniger verdient, muss auch weniger zahlen.

Wo sehen Sie die Vorteile der Privatschule?
Privatschulen sind flexibler. Außerdem haben sie die Personal- und die Etathoheit. Sie tragen dafür Sorge, dass insbesondere Mitarbeiter eingestellt werden, die das Konzept mittragen. Sie entscheiden selbst darüber, ob Geld für den Fahrradständer im Hof oder den Physikraum ausgegeben wird.

Wie sehen Sie die Zukunft der Privatschulen?
Positiv. Die Schüler- und die Schulzahlen entwickeln sich hin zum europäischen Durchschnitt, von dem wir derzeit noch entfernt sind. Kritisch ist dabei zu sehen, dass der demografische Wandel in einigen Regionen zu einem Kampf um die Schüler führen wird. Dadurch wird es mehr Konflikte geben. Auch droht die Gefahr eines Protektionismus für staatliche Angebote.

Seit wann gibt es in Deutschland Privatschulen?
Seit über 100 Jahren. Damals gab es aber nur Angebote für einen kleinen Personenkreis. Entscheidend für die Entwicklung war die Gründung der Bundesrepublik Deutschland. Die Privatschulen wurden 1949 im Grundgesetz verankert. Der Staat machte deutlich, dass die Bildung nicht allein seine Sache ist. Er entschied sich, die Entstehung privater Schulen zuzulassen und diese finanziell zu fördern.

Seitdem ist der Privatschulsektor im permanenten Aufwärtstrend?
Bis Ende der 80er Jahre sind kontinuierlich neue Privatschulen entstanden. Mit der Wiedervereinigung kam es in der Entwicklung zu einem großen Sprung. In den neuen Bundesländern bestand Nachholbedarf, da die DDR nur staatliche Schulen gekannt hatte. Vor zehn Jahren setze landesweit der nächste Schub ein. Deutschland hatte bei der Pisa-Studie schlecht abgeschnitten. Viele Eltern wandten sich den Privatschulen zu.

Wie viele Privatschulen existieren aktuell?
Im allgemeinbildenden Bereich rund 3200, davon knapp 200 in Hessen. Hinzu kommen berufsbildende Schulen und Einrichtungen in der Erwachsenenbildung.

Trügt der Eindruck, dass sich besonders viele Privatschulen in den Städten finden?
Für die neuen Bundesländer nicht. Neueröffnungen erfolgten nach der Wiedervereinigung bevorzugt in Ballungszentren. In den alten Bundesländern haben sich dagegen viele Privatschulen in mittelgroßen und sogar in kleineren Städten niedergelassen.

Das Gespräch führte Kerstin Prosch

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