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Hot Yoga Schwitzende Adler

Bikram- oder Hot-Yoga wird bei 40 Grad praktiziert – und liegt im Trend bei Menschen, die Herausforderungen lieben.

28.03.2011 15:27
Kirsten Niemann
Hot Yoga ist sehr anstrengend, soll aber gesund sein.

Die Heizlüfter röhren, im Raum ist es heiß und feucht. Etwa zwei Dutzend Menschen stehen vor einem riesigen Spiegel. Die Arme vor der Brust verschränkt, ein Bein angewinkelt, das andere wie eine Brezel um das erste verschränkt, der Kopf knallrot. Bloß nicht umkippen. Einatmen, ausatmen. „Garurasana“ oder „Adler“ heißt diese Stellung. Sie ist eine von 24 Positionen und zwei Atemübungen, die in den nächs-ten anderthalb Stunden geübt werden sollen.

„Der Adler trainiert den Gleichgewichtssinn, stimuliert das zentrale Nervensystem und beugt Krampfadern vor“, erklärt der lizenzierte Trainer. Im Gegensatz zum „stehenden Bogen“ war der Adler noch Kinderkram: Das linke Bein wurzelt fest im Boden, der linke Arm reicht nach vorne, während die rechte Hand das rechte Bein senkrecht in die Luft hält. Marathon in der Sauna, Schwitzkur mit Poweryoga – es sind drastische Vergleiche, die den Teilnehmern in den Sinn kommen.

Bikram- oder Schwitzyoga, in den USA längst ein Trend, wird auch in Deutschland beliebter. Trainiert wird bei knapp 40 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von etwa 90 Prozent. Erfinder dieser Tortur ist der in Kalifornien ansässige Inder Bikram Choudhury. Mehr als 1?000 Studios unterhält der Yogameister inzwischen unter seiner Lizenz, denn seinen Stil hat er sich längst als Marke schützen lassen. Er ist inzwischen ein sehr reicher Mann. Speziell für den an Zivilisationskrankheiten leidenden Menschen habe Bikram diesen Stil entwickelt, heißt es: Sein Yoga will das Herz-Kreislauf-System ankurbeln, die Beweglichkeit fördern und Rücken- und Halsmuskulatur stärken. Es soll einen zu hohen Blutdruck senken sowie bei Diabetes und Rückenproblemen helfen. Alle 26 Übungen bauen so aufeinander auf, dass sie jeden Muskel und jedes Organ trainieren. Aufgrund der warmen Temperatur seien die Muskeln, Bänder und Sehnen schön beweglich und weniger gefährdet, sagen die Anhänger. Während andere Yogis mit ihrem Stil vor allem spirituelle Werte verfolgen, geht es Bikram um Fitness: Schließlich heißt es, Schwitzyoga straffe Haut und Körper und schmelze überflüssige Pfunde wie Butter in der Sonne fort. Bikram-Yoga ist ein Trendsport für Menschen, die die Herausforderung lieben. So erstaunt es wenig, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer Männer sind, denen das gewöhnlich temperierte Yoga zu sanft vorkommt.

Sport-ärzte warnen vor dem Flüssigkeits- und Salzverlust, wenn nicht genug getrunken wird. Bänder und Sehnen können in der heißen Temperatur schnell überdehnt werden, ohne dass man das gleich bemerkt. Wer sportlich ist, fit und zudem gewohnt, in seinen Körper hineinzuhören, kann dennoch viel Freude an diesem Sport haben.

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