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Privatinvestoren Starthilfe vom Engel

Einen Hauch von Startup-Stimmung spürt man im neuen Büro von Dailydeal noch immer. Seit Gründung vor anderthalb Jahren liegt bereits der dritte Umzug hinter der jungen Firma. Immer wieder wurde es in den alten Räumen zu eng. Rund 200 Mitarbeiter beschäftigen die Berliner mittlerweile. Ihre Geschäftsidee klingt simpel: Über das Internet werden Gutscheine von Unternehmenspartnern in verschiedenen deutschen Großstädten angeboten.

17.03.2011 13:22
Eloy Barrantes
Privatinvestoren helfen jungen Unternehmen, in dem sie sich direkt am Eigenkapital eines Startups beteiligen.

Bei Dailydeal findet man beispielsweise das Abendessen beim Frankfurter Szene-Italiener für 15 statt 30 Euro oder Kinokarten zum halben Preis. Wie auch beim US-Konkurrenten Groupon zahlen die Firmenpartner für den erfahrenen Werbeeffekt in der Regel eine Provision für jeden verkauften Gutschein. „Wir haben monatelang gezielt nach Branchen, Geschäftsmodellen und Marktlücken gesucht, um die für uns geeignete Business-Idee zu entwickeln“, berichtet Fabian Heilemann. Nach einem Studienaufenthalt in den USA kam dem 28-Jährigen und seinem jüngeren Bruder dann die zündende Idee.

Nur an Startkapital mangelte es. „Wir waren uns sicher, dass wir von der Bank keinen einzigen Cent bekommen würden“, sagt Heilemann. Die Rettung kam schließlich gewissermaßen herbeigeflogen: Drei Business-Angel stellten den jungen Gründern einen sechsstelligen Betrag als Startfinanzierung zur Verfügung.
Business-Angel sind keine institutionellen Investoren wie Banken oder Venture-Capital-Unternehmen, sondern vermögende Privatinvestoren, die sich direkt am Eigenkapital eines Startups beteiligen. „Ein guter Business Angel war in der Regel selbst einmal Unternehmer und kennt die Höhen und Tiefen der Selbstständigkeit“, erklärt Florian Schweitzer, Partner bei der Brains-to-Venture AG in St. Gallen. Über sein Unternehmen investieren zirka 50 solcher Investoren gemeinsam in junge Wachstumsfirmen. Deutschlandweit soll es sogar bis zu 1000 von ihnen geben, schätzt das Business-Angel-Netzwerk „Band“. Die vermögenden Unternehmer kennen die Risiken in frühen Firmenphasen. „Unter zehn Investments hat man oft zwei bis vier Totalausfälle, ein großes Mittelfeld, das den Einsatz wieder einspielt, und einen Superstar“, sagt Schweitzer. Auf Letzterem ruhen dann alle Hoffnungen. Das jeweilige Startup spielt oft mehr als das Zehnfache der Investitionssumme ein und deckt damit auch mögliche Ausfälle bei anderen Unternehmen. Finanzierungsentscheidungen hängen vor allem von einem schlüssigen Konzept ab. Der Businessplan sollte nicht nur die Geschäftsidee, sondern auch Markt, Strategie, Wettbewerb und Risiken genau beschreiben. „Man sieht nur ganz selten Businesspläne, die einen wirklich umhauen“, sagt Schweitzer. „Ganz häufig ist die Nische zu klein, es fehlen wirkliche Alleinstellungsmerkmale, oder es gibt einfach keinen Markt für die Idee.“ Die Jungunternehmer von Dailydeal waren mit ihrem Konzept seinerzeit jedenfalls erfolgreich. „Unsere Idee haben wir Angel-Investoren in Berlin und London vorgestellt“, berichtet Heilemann. Quasi über Nacht kam dann die Entscheidung. Mit Michael Brehm und Stefan Glänzer konnten die Brüder schon in der ersten Finanzierungsrunde zwei namhafte Business-Angel von sich überzeugen. Brehm beispielsweise ist einer der Gründer der Online-Community StudiVZ. „Beide haben uns viele Türen aufgestoßen“, sagt Heilemann. Auch das unterscheidet Angel-Investoren von anderen Kapitalgebern: Für Junior-Chefs sind die Ratschläge und Netzwerke der erfahrenen Unternehmer oft unbezahlbar.

Nicht immer läuft die Zusammenarbeit zwischen Gründern und Investoren reibungslos. Business-Angel verstehen sich nicht als stille Teilhaber: Sie sichern sich ein gewisses Mitspracherecht normalerweise auch vertraglich zu. Bei wichtigen Entscheidungen zur Unternehmensstrategie haben sie so das letzte Wort. Rein theoretisch könnten die Investoren sogar das Management eines Startups austauschen. „Wenn das passiert, ist aber in der Regel schon einiges schiefgelaufen“, sagt Schweitzer. Ist ein Unternehmer überfordert, werde ihm in der Praxis üblicherweise zunächst ein erfahrener Partner zur Seite gestellt. „Nach außen bleibt der Gründer so in seiner Rolle als Geschäftsführer, während sich der Partner intern um das operative Geschäft kümmert“, erklärt Schweitzer. Auch bei Dailydeal weiß man um das Mitspracherecht der Investoren. „Inwiefern sie dieses auch beanspruchen, kann man aber als Unternehmer selbst beeinflussen“, zeigt sich Heilemann überzeugt.

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