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Zum Tod von Ben Wett Der Mann, der uns lehrte, Spaß zu haben

Ben Wett, der den Deutschen US-Sport nahebrachte, ist tot. Ein Nachruf.

14.05.2012 22:23
Wolfgang Hettfleisch
Ben Wett hatte seinen letzten Auftritt 2011 beim Kampf zwischen Wladimir Klitschko und David Haye. Foto: hammer

Die 78er sind eine Generation der Zu-spät-Gekommenen. Die 68er hatten Geschichte geschrieben, die Gesellschaft umgekrempelt, es blieb nichts zu tun. Nachahmer waren wir, Kinder, die am Gymnasium APO spielten. Doch die Zeit der einfachen, der natürlichen Parteinahme endete mit dem Vietnamkrieg, die Blutspur der RAF besorgte den Rest.

Ben Wett gab Antworten

Was blieb den 78ern? Wer waren sie? Es mag bescheuert klingen, aber einer, der einem Heranwachsenden damals half, darauf Antworten zu finden, war Ben Wett. Ja, ein Sportreporter. Aber keiner wie die vielen anderen. Der Mann, der seinen Namen Bernd Nass amerikanisiert hatte und – ein Volontariat bei einer Army-Zeitung in der Tasche – als 18-jähriger in die USA ausgewandert war, tat das Ungeheuerliche: Er brachte uns durch den Sport ein Land näher, das die 68er bevorzugt im Zerrspiegel betrachtet hatten – als finsteren Hort des Imperialismus. Als Reich des Bösen.

Spaß erlaubt

Mit sonorer Stimme und in lustigem Auswanderer-Deutsch pustete Ben Wett unsere Hirne frei. Bei ihm war erlaubt, nein, erwünscht, wovon die übriggebliebenen 68er-Epigonen in der Oberstufe in ihrer verbohrten Orthodoxie am wenigsten verstanden: Spaß. Ob beim Interview mit Muhammad Ali, der ihm ein Freund wurde, beim Motorsport zu Lande und notfalls zu Wasser oder beim Basketball. In einem Zweiminüter von Wett konntest du mehr lernen über dieses Land als in mancher länglichen Amerikanistik-Vorlesung. Etwa dies: Der Strand muss nicht unterm Pflaster liegen, es gibt ihn auch in Venice. Und dort nahmen die mörderischen Imperialisten heimtückisch die Gestalt hübscher Mädchen an, die versuchten, die Befreiungsbewegungen der Welt auf Rollschuhen und im Bikini niederzuwalzen.

Ben Wett war interessiert

Ben Wett hat auf seine Art mehr für das transatlantische Verhältnis getan als so mancher Politiker. Nicht, weil er einen Draht zu Größen des US-Sports hatte und, wie sein Haussender ARD hervorhebt, Türen öffnen konnte, die anderen verschlossen blieben. Sondern weil ihn so sehr interessierte, wer diese Stars waren, dass man in einigen Momenten tatsächlich den Eindruck gewinnen musste, sie vertrauten sich ihm an.

Ben Wett hat den Blick einer Generation auf die USA geprägt. Die Sportschau teilte am Sonntag mit, dass ihr langjähriger Mitarbeiter gestorben ist.

Danke für alles, Ben. Ein 78er.

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