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WM-Qualifikationsspiel Kroatien vs. Serbien Der Herr der Karten

Cüneyt Cakir leitet das brisante Spiel Kroatien gegen Serbien. Der türkische Schiedsrichter ist wegen seiner Roten Karte gegen Nani im CL-Spiel Manchester United gegen Real Madrid noch immer in der Kritik.

21.03.2013 17:24
Tobias Schächter
Da gehts raus. Cüneyt Cakir (M.) stellt Nani vom Platz. Foto: afp

Cüneyt Cakir hat harte Tage hinter sich. Ein Pfiff des türkischen Schiedsrichters bei der Champions-League-Partie Manchester United gegen Real Madrid am 5. März führte zu harschen Reaktionen. In England und vor allem in Manchester ist der 36 Jahre alte Referee seit seiner Entscheidung in der 56. Minute, dem United-Spieler Nani beim Stand von 1:0 für die Gastgeber die Rote Karte zu zeigen, eine Persona non grata.

Uefa bescheinigt Cakir eine starke Leistung

Auch Kommentatoren in vielen anderen Ländern bewerteten Cakirs Entscheidung als zu hart. Nani hatte versucht, den Ball in der Luft zu stoppen und traf dabei mit gestrecktem Bein seinen Gegenspieler Alvaro Arbeloa am Oberkörper. Cakir zückte Rot, Manchester verlor in Unterzahl die Partie mit 1:2 – Real zog ins Viertelfinale ein. Die englische Presse hatte den Schuldigen ausgemacht: Cakir. Die Daily Mail schrieb von „einem gestohlenen Sieg“. Manchesters Trainer Alex Ferguson war so zornig, dass er nicht zur Pressekonferenz erschienen war, Tage später sprach er von „einer Entscheidung, die uns den Sieg gekostet hat“. Cakir, soll Morddrohungen erhalten haben. Geäußert hat er sich zu all dem nicht.

Die Aufregung ist erst zwei Wochen her. Die Uefa aber bescheinigte Cakir in Manchester eine starke Leistung. Wie überzeugt die internationalen Fußballverbände von Cakir sind, beweist dessen Nominierung für das am Freitag stattfindende WM-Qualifikationsspiel zwischen Kroatien und Serbien in Zagreb. Es ist das erste Aufeinandertreffen der beiden Staaten auf dem Fußballplatz seit dem blutigen Auseinanderbrechen Jugoslawiens. Serbische Fans sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen. Die mit vielen Emotionen und nationalistischen Wallungen aufgeladene Partie stellt für Cakir eine große Herausforderung dar.

Der Türke ist ein Mann mit großem Selbstvertrauen, der nicht zum ersten Mal wegen einer kontrovers diskutierten Entscheidung im Rampenlicht stand. Schon mit 25 Jahren leitete er sein erstes Spiel in der türkischen Süperlig. Dass der studierte Betriebswirt, der heute als Versicherungsmakler tätig ist, so früh in der ersten türkischen Liga reüssieren konnte, schrieb mancher Kommentator seinen Beziehungen zu. Sein Vater Serdar war ein renommierter Schiedsrichter und später Vizevorsitzender im Schiedsrichterausschuss des türkischen Fußballverbandes. Doch Cüneyt Cakir machte sich früh einem Namen durch resolutes Auftreten auf dem Platz, seit 2006 schon ist er Fifa-Schiedsrichter. Bei einem Pokal-Derby zwischen den Istanbuler Klubs Galatasaray und Fenerbahce im Februar 2008 stellte er die zwei Fener-Spieler Lugano und Gökhan Gönül vom Platz, die Fener-Fans fühlten sich benachteiligt.

„Arroganz“ oder „klare Linie“?

Seit diesem Spiel gilt er als ein Mann, bei dem die Roten Karten locker sitzen. Tatsächlich ist Cakirs Kartenrekord in der Süperlig beachtlich: In 160 Einsätzen zog er 696-mal die Gelbe Karte und verwies 32 Spieler mit der Gelb-Roten sowie 34 Profis mit der Roten Karte vom Platz. Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn war der Einsatz im EM-Halbfinale 2012 in Donezk zwischen Spanien und Portugal (4:2 n. E.). Cakir zog in dieser Partie neunmal gelb.

In der Türkei gilt der Fan der True-Metall-Band Manowar manchem als „arrogant“ im Auftreten, andere bewundern Cakirs „klare Linie im Spiel“. Auf der beliebten türkischen Internetplattform „eksi sözlük“, die Meinungen über alles Mögliche sammelt, gibt es 194 Seiten zu Cakir mit der ganzen Bandbreite der Bewertungen. Auch in der Kontroverse um Nanis Platzverweis zeigt sich die türkische Öffentlichkeit gespalten.

Am vergangenen Wochenende leitete er übrigens die Partie Besiktas gegen Kasimpasa in der Süperlig. Keine besonderen Vorkommnisse: Cakir zog lediglich fünfmal gelb. Der durch viele erhitze Derbys der großen Klubs aus Istanbul erfahrene Cakir, steht nun in Zagreb auf schwierigem Terrain wieder einmal genau unter Beobachtung.

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