Lade Inhalte...

Vierschanzentournee Locker nach Österreich

Mit Autorennen stimmen sich die Deutschen auf die zweite Tournee-Halbzeit ein.

Kamil Stoch und Richard Freitag
Konkurrenten um den Gesamtsieg: Kamil Stoch und Richard Freitag. Foto: rtr

Es muss viel passieren, damit die deutschen Skispringer sich am traditionell freien Tag zwischen den Springen in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck am Donnerstag (14 Uhr/ZDF und Eurosport) nicht entspannt geben. Gern nutzen sie da den Arbeitsauftrag zum Reklametreiben, um mit dem Automobilsponsor eine Gaudi zu veranstalten. Auf einem Parcours auf dem Glatteis der überfrorenen Bodenalm bei Seefeld, wo die Deutschen eine knappe Woche logieren, veranstalteten sie gestern Autorennen.

Im Gegensatz dazu herrschte bei den Vierschanzentournee-Teilhabern Tristesse: Die österreichische Mannschaft hat nach ihrem Flop zu Neujahr ihr Eisstockschießen für gestern abgesagt. Das Alpenland muss mitansehen, wie ausgerechnet zu seinen beiden Springen die Deutschen seine gewohnte Rolle einnehmen: die des schärfsten Herausforderers. Gleich vier Springer hat Bundestrainer Werner Schuster zur Halbzeit unter die Top Ten der Tournee gebracht.

Neben Karl Geiger, dem Zehnten, Markus Eisenbichler als Achtem und Andreas Wellinger als Siebtem stellt Schuster mit Richard Freitag den schärfsten Konkurrenten des Tourneeführenden Kamil Stoch aus Polen: Zwölf Punkte trennen die beiden nur. „Das ist ein erfreuliches Standing für uns“, sagt Schuster, „offensichtlich steht nur ein Sportler vor Richard, der allerdings mit allen Wassern gewaschen ist. Zwölf Punkte sind zwar schwer wettzumachen, aber ich gehe davon aus, dass ganz vorne noch nichts entschieden ist. Sie springen ziemlich auf Augenhöhe.“

Hinter dem Duo klafft inzwischen schon eine Lücke von 20 Punkten zu Stochs Landsmann Dawid Kubacki und 25 Punkten zum Japaner Junshiro Kobayashi. Weil der beste Norweger Anders Fannemel als Fünfter bereits 32 Punkte Rückstand auf Freitag aufweist, räumt Norwegens österreichischer Bundestrainer Alexander Stöckl ein: „Wir sind leider raus mit unseren Jungs.“

Daten für alle

Wie sehr der internationale Respekt vor den Deutschen wieder gewachsen ist, beweisen die technischen Bemühungen des Welt-Skiverbandes. Der hat von der Firma Swiss Timing ein System zur technischen Datenanalyse im Skispringen erstellen lassen, um Wettbewerbsgleichheit zwischen allen Nationen herzustellen auf einem Terrain, auf dem er einen deutschen Vorteil vermutete: Ein hinter der Bindung der Springer montierter Chip soll Daten erfassen zu Absprunggeschwindigkeit, aber auch dem Anstellwinkel der Ski im Flug und der Höhe des Springers. „Für uns Randnationen ist es extrem super, dass wir jetzt die gleichen Daten bekommen“, sagte Polens Cheftrainer Stefan Horngacher der „Tiroler Tageszeitung“.

Die Deutschen verfügen seit längerem durch Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig (IAT) und dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) in Berlin über solche Sensoren und Erfassungstools. „Ich habe keine Angst davor. Messen ist das eine, da muss man auch die richtigen Daten herauslesen“, sagt der deutsche Cheftrainer Schuster, „wenn es so ein großer Wissensvorsprung war, dann hätten wir ja alles gewinnen müssen. Die entscheidenden Dinge spielen sich in der Interpretation und in letzter Konsequenz im Wettkampfcoaching und auf der mentalen Ebene ab.“

Immer besser zahlt sich die kontinuierliche Aufbauarbeit des Deutschen Skiverbandes in einem Jahrzehnt mit dem Bundestrainer Schuster aus. Anders als früher beweisen die Skispringer nach Severin Freunds zweitem Kreuzbandriss im Sommer, dass der Ausfall des Frontmannes sie nicht mehr nachhaltig aus der Bahn zu werfen scheint wie früher. Schon bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr war Andreas Wellinger eingesprungen, pünktlich zum Weltcupstart hat Richard Freitag übernommen - von einigen bereits als ewiges Talent abgeschrieben. Bei der Tournee nun beweist er auch unter Druck seine stabile Form mit zwei zweiten Plätzen bisher. „Ich bin wirklich zufrieden“, sagt Freitag, „der Kamil ist einfach sehr stark, da ist dann nicht viel Luft für kleine Fehler.“

Bei Eisenbichler und Wellinger hingegen fehlt noch die Konstanz für einen kompletten Wettbewerb. „Meistens hat jeder von ihnen nur einen guten Durchgang“ sagt Schuster, „sie springen noch mit kleinen technischen Fehlern.“ Dahinter rücken Stephan Leyhe und Karl Geiger enger an das Team. Das trifft sich gut, denn schließlich muss Schuster am 21. Januar sein Team für die Olympischen Spiele benennen. „Sie entwickeln sich jährlich weiter“, sagt Schuster, „nur nicht mit Riesenschritten wie mancher andere.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen