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Biathlon Olle Dahlin neuer Präsident des Weltverbandes

Wenn Biathlon-Star Laura Dahlmeier und Kollegen laufen und schießen, sitzen Millionen Deutsche vor dem Fernseher. Doch die populäre Wintersport-Art steckt wegen eines Doping- und Korruptionsskandals in der Krise. Ein Schwede soll die Wende einleiten.

07.09.2018 15:58
IBU-Präsident
Neuer IBU-Präsident: Olle Dahlin. Foto: IBU/Christian Manzoni

Olle Dahlin soll als neuer Präsident den Biathlon-Weltverband IBU aus seiner schwersten Krise führen.

Der 63-jährige Schwede wurde auf dem IBU-Kongress im kroatischen Porec als Nachfolger des unter Korruptionsverdachts stehenden Norwegers Anders Besseberg gewählt. Dahlin setzte sich bei der Wahl mit 39 Stimmen gegen die lettische Verbandspräsidentin Baiba Broka durch, die auf zwölf Stimmen kam. Andere Bewerber gab es nicht.

Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbandes, unterlag derweil bei der Wahl für das Amt des Vizepräsidenten mit 20 Stimmen dem Tschechen Jiri Hamza, der 30 Nennungen erhielt. Steinle wollte mit seiner Kandidatur ein Zeichen setzen. Deutschland sehe sich als führende Biathlon-Nation in der Verantwortung, „aktiv an der Aufklärung und an den notwendigen Weichenstellungen für die Zukunft mitzuarbeiten“, hatte er vorher gesagt. Sportpolitisch haben die Deutschen damit vorerst keinen Einfluss auf die Entwicklungen in der IBU.

Dahlin hat unterdessen in seiner vierjährigen Amtszeit nun die schwere Aufgabe, den Biathlon-Weltverband wieder glaubwürdig zu machen. Denn neben dem russischen Skandal um mutmaßliches Staatsdoping sorgt auch ein schwerer Korruptionsskandal für Negativschlagzeilen. Unter Besseberg, der nach 25 Jahren im Amt nicht mehr antrat, sollen möglicherweise neben Bestechungsgeldern für die WM-Vergabe ans russische Tjumen 2016 auch russische Dopingsünder gedeckt und 65 Doping-Proben vertuscht worden sein. Seit Ende 2017 ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Österreichs gegen zwölf Personen - gegen zwei, darunter Besseberg, wegen Korruptionsvorwürfen. Das hatte der Verband öffentlich gemacht. Besseberg bestreitet alle Vorwürfe.

Kurz vor dem IBU-Kongress wurden neben den Olympiasiegern Jewgeni Ustjugow und Svetlana Slepzowa noch zwei weitere Russen wegen des Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln beschuldigt. Auch deshalb wurde dem russischen Verband RBU die Rückkehr als vollwertiges IBU-Mitglied verweigert. Damit bleibt die im Dezember 2017 vollzogene Rückstufung auf eine provisorische Mitgliedschaft bestehen und Russland hat weiterhin kein Stimm-, Wahl- und Vorschlagsrecht.

Sowohl Dahlin als auch Broka hatten in ihren Wahlprogrammen Transparenz und einen harten Anti-Dopingkampf angekündigt. Der Weltverband selbst ist seit geraumer Zeit um mehr Transparenz bemüht. Zumal das Internationale Olympische Komitee (IOC) sämtliche Zahlungen an die IBU im Juni gestoppt hatte. Erst wenn zahlreiche Bedingungen erfüllt werden, kehrt der Biathlon-Verband an die IOC-Geldtöpfe zurück.

Broka, die die letzten vier Jahre im IBU-Rechtsausschuss saß, hatte in ihrem Wahlprogramm eine Null-Toleranzpolitik gegen Doping und eine Reform des Verbandes angekündigt. Sie sah sich mit negativen Schlagzeilen wegen ihrer politischen Zugehörigkeit zur rechtspopulistischen Partei Nationale Allianz ausgesetzt. (Von Sandra Degenhardt, dpa)

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