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Werder Bremen Naldo sorgt für dunkle Wolken

Der drohende Abgang von Abwehrstar Naldo stellt den SV Werder Bremen vor ganz grundsätzliche Fragen - und zeigt, welche Wirkung die WM 2014 in Brasilien bereits jetzt entfaltet.

06.01.2012 13:45
Typische Werder-Schnäppchen auf dem Sprung Richtung Heimat: Naldo will Werder Bremen verlassen. Foto: dpa

Auch an der türkischen Riviera wechselt das Wetter mitunter so rasch wie an der Nordseeküste. Eben noch windiges Schauerwetter, dann wieder strahlender Sonnenschein. Die ins Trainingslager des SV Werder nach Belek mitgereisten Fotografen waren auch am Freitag erfreut über die vielfältigen Motive während der ersten Trainingseinheit, als auf einem sehr gepflegten Rasenplatz eines sehr mondänen Hotelkomplexes insgesamt 27 von 28 Bremer Profis übten. Nur einer hatte die neu erbaute Luxusherberge mit Meerblick nicht verlassen: Ronaldo Aparecido Rodrigues, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Naldo.

Wortgefecht auf dem Trainingsplatz

Wegen einer Reizung des Außenbandes im linken Knie. So lautet die offizielle Version. In die inoffizielle fließen eine Reihe von Interpretationen ein, die sich aus dem Anfang der Woche geäußerten Wechselwunsch des 29-Jährigen, einer bestätigten Anfrage des brasilianischen Erstligisten Internacional Porto Alegre und einer heftigen Diskussion mit Trainer Thomas Schaaf und Sportchef Klaus Allofs speisen.

Bis heute ist unklar, worum es in dem viertelstündigen Wortgefecht auf dem Trainingsplatz am Mittwochabend wirklich ging: Der vertraglich bis 2013 gebundene Naldo hat nur nach dem Trainingsauftakt in Bremen gesprochen („Ich würde gerne wechseln: Brasilien ist mein Land, außerdem würden meine Chancen in der Nationalmannschaft steigen“). Fakt ist: Seit dem Dialog, der laut Augenzeugen eher wie ein Disput aussah, trainiert der Abwehrmann nicht mehr mit der Mannschaft.

Dass Naldo eine Verletzung vortäuscht, um den Druck auf seinen Arbeitgeber zu erhöhen, würde eigentlich nicht zu seinem integren Charakter passen. Gleichwohl ist auch der SV Werder längst kein Heile-Welt-Verein mehr.

Erste Gebot für Naldo war lächerlich

Allofs schließt einen Verkauf ohnehin nicht kategorisch aus, allerdings war das erste Gebot aus Südamerika derart lächerlich, dass der Vermittler nur aus Höflichkeit nicht hochkant aus dem Büro flog. Doch das dürfte nur der Auftakt des bevorstehenden Pokers gewesen sein. Hinter der Personalie verbirgt sich für die Norddeutschen indes eine Grundsatzentscheidung.

Würde „einer der beste Innenverteidiger der Bundesliga“ (Torwart Tim Wiese) nur einem halben Jahr nach dem Weggang von Per Mertesacker verkauft, wäre das Ziel konterkariert, die Rückkehr ins internationale Geschäft zu bewerkstelligen.

Der fast anderthalb Jahre wegen eines Knochenödems im rechten Knie verletzte Abwehrmann hatte sich nach seiner Rückkehr auf Anhieb wieder unverzichtbar gemacht. Einerseits. Andererseits: Obwohl Naldo vom ersten Schnee in Deutschland fasziniert war, wird er so oder so irgendwann wieder in ein Brasilien zurückkehren, das ein anderes geworden ist, als ihn 2005 die Hanseaten für einen Spottpreis von Juventude verpflichteten, einem mittlerweile in die Serie D abgestürzten Verein aus der Stadt Caxias do Sul.

Der 1,98-Meter-Hüne galt als typisches Werder-Schnäppchen. Lange verteidigte der Klassemann für ein so geringes Salär, das heute nicht mehr im Amt tätige Funktionäre sich dafür beinahe schämten.

Mittlerweile verdient der vierfache Nationalspieler ähnlich fürstlich wie die Kollegen, aber offenbar können brasilianische Klubs locker mitbieten. „Momentan ist in Brasilien viel Geld im Umlauf“, weiß Allofs.

Auch Wesley könnte wechseln

Im Sog der WM 2014 ist diese Liga zu einem Eldorado für die Einheimischen geworden – nicht umsonst hat auch Supertalent Neymar lieber beim FC Santos verlängert als bei Real Madrid zu unterschreiben.

Immer mehr Bundesligisten nehmen deshalb Abschied von ihren Aktivitäten auf diesem überhitzten Markt, an dem sich auch die Bremer verbrannt haben. 2007 mit Total-Flop Carlos Alberto, zuletzt mit Landsmann Wesley.

Beide Spieler kosteten an Ablöse jeweils fast acht Millionen Euro, üppige Gehälter inklusive.

Der eigenwillige Carlos Alberto ist an der Weser längst Geschichte; die Episode des unwilligen Wesley könnte diesen Winter bei einem adäquaten Angebot nebenbei auch noch abgehandelt werden. Und würde gewiss geräuschloser enden als die Ära Naldo.

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