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Werder Bremen Elia sorgt für Paradigmenwechsel bei Werder

Mit dem Elia-Transfer verwirft Werder-Trainer Thomas Schaaf sein Taktik-Heiligtum. Nach 13 Jahren wird das 4-4-2-System mit Mittelfeldraute keine Zukunft mehr in Bremen haben. Stattdessen setzt Werder auf eine unberechenbare Flügelzange.

10.07.2012 18:17
Neu-Bremer auf Norderney: Eljero Elia. Foto: nordphoto

Jedes Jahr ist Thomas Schaaf mindestens einmal reif für die Insel. Denn bereits im elften Jahr führt das erste Trainingslager die Profis von Werder Bremen nach Norderney, die zweitgrößte der Ostfriesischen Inseln. Beim Strandlauf Richtung Weiße Düne müssten altgediente Profis wie Kapitän Clemens Fritz eigentlich jeden Quadratzentimeter kennen, trotzdem ist er diesmal gleich beim ersten Ausflug ein knietiefer Priel aufgetaucht.

Der Cheftrainer hat dann angewiesen, Schuhe und Socken auszuziehen und durch das Meerwasser zu waten, was eine gute Symbolik abgab: So schnell wie sich die Protagonisten der Fußkleidung entledigten, wird mit der Verpflichtung des am Montag an der Nordsee eingetroffenen Eljero Elia auch gleich noch das taktische Heiligtum in der mittlerweile 13 Jahre bestehenden Schaaf-Ära über Bord geworfen: das 4-4-2-System mit Mittelfeldraute.

Die Raute ist out

Der niederländische Flügelflitzer, der bei Juventus Turin kein Bein auf den Rasen brachte, erhält einen Vierjahresvertrag – rund fünf Millionen Euro kostet der ehemalige Hamburger, was viel Geld für die klammen Hanseaten darstellt, die angeblich einen Teil der Ablöse für den 25-Jährigen mit noch ausstehenden Teilzahlungen des Diego-Transfers 2009 nach Turin verrechnen können.

Der Elia-Deal läutet einen Paradigmenwechsel ein. Schon in Schaafs Anfängen als Amateurtrainer auf Platz 11 wirkte die offensivfreudige Rauten-Anordnung des Mittelfelds wie in Stein gemeißelt; sie bildete später die Grundlage, dass Regisseure wie Micoud, Diego oder Özil brillieren konnten, um ein zentral gelagertes, offensiv geprägtes Vorwärtsspiel aufzuziehen.

Nun denkt der 51-Jährige offenbar um. Schon auf der Norderney-Fähre hatte Schaaf locker über die neue Ausrichtung geplaudert, die ihm ein einziges Mal – in der Halbserie 2009/2010 – gute Dienste leistete, als die Trickser Marin, Özil und Hunt auf einer Linie agieren durften und Werder prompt monatelang ungeschlagen blieb.

Danach starb die Variante so schnell wie sie geboren war. Heute heißt es: „Wir sind allen Möglichkeiten gegenüber offen. Wenn man Spieler hat, die gerne über die Außen komme, dann wäre das eine Möglichkeit.“ Und Mehmet Ekici, der mit dem zentralen Platz hinter der Spitze liebäugelt, glaubt: „Beim 4-2-3-1 hättest du in der Offensive mehr Anspielmöglichkeiten.“

Klar ist, wer die Typen am Rand sein sollen: Marko Arnautovic und Elia bildeten schließlich von 2007 bis 2009 eine in jeder Hinsicht unberechenbare Flügelzange bei Twente Enschede. „Wir haben damals wirklich gut zusammengespielt“, erinnert sich Arnautovic. „Ich und Eljero haben neulich noch telefoniert“, verriet der 23-jährige Österreicher, der im dritten Bremer Jahr auch noch in der Bringschuld steht. Arnautovic wie Elia preist Vorstandschef Klaus Allofs als „Profis mit großem Potenzial“, wohl wissend, dass bei diesen kapriziösen Kickern auch eine problematische Facette besteht, die verhindern könnte, über die Außenbahnen auf die Überholspur zu gelangen.

Petersen einziger Stürmer

Doch ein Klub, der wieder zur grauen Maus zu mutieren droht und noch keinen Trikotsponsor präsentiert hat, muss sich wandeln: Die zuletzt vermehrt flügel- und ideenarmen Auftritte führten schließlich zu zwei unbefriedigenden Bundesliga-Spielzeiten (Platz 9 und 13).

Zugleich entbindet die neue Ausrichtung die Bremer, nach Nils Petersen (ausgeliehen vom FC Bayern) zwingend weitere Angreifer zu verpflichten. Und niemand soll sich auch sorgen, dass ein gewisser Thomas Schaaf mal zur Möglichkeit eines Ein-Stürmer-Systems verlauten ließ: „Bis der wieder in der Spitze ist, ist es dunkel und das Flutlicht aus!“ Das Zitat ist nämlich schon halb so alt wie eine Bremer Saisonvorbereitung auf Norderney.

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