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Werder Bremen Bremer Schock nach Schulterschluss

Das 2:2 gegen die TSG Hoffenheim löst in Bremen Entsetzen aus. Nun eint sich Werder für die kommende Partie gegen Eintracht Frankfurt.

06.05.2013 17:20
Thomas Schaaf war sehr enttäuscht: „Ich hätte mir ein Happy End gewünscht.“ Foto: getty

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis nach dem Schlusspfiff das lähmende Entsetzen im Bremer Weserstadion weichen wollte. Minutenlang standen die Profis des SV Werder in ihren verschwitzten grünen Hemdchen wie paralysiert im Anstoßkreis herum, einige kauerten verzweifelt auf dem Boden, und Bremens Bester, der Belgier Kevin de Bruyne, drückte sogar Tränen aus den geröteten Augen.

Erst allmählich begannen einzelne Anhänger damit, wieder aufmunternd zu applaudieren, und dann schleppte Kapitän Clemens Fritz die Kollegen doch noch auf eine Ehrenrunde, die so aussah, wie sich das 2:2 gegen die TSG Hoffenheim anfühlte: wie nichts Halbes und nichts Ganzes. „Ich hätte mir ein Happy End gewünscht“, presste Thomas Schaaf später in seiner von Enttäuschung geprägten Analyse hervor. „Man kann eine Saison in einem Spiel nicht total umwälzen.“

Jubel wie bei einer Meisterfeier

Aber: Ein Sieg am Samstag wäre ein Statement gewesen. Für die Stadt, für den Standort, für den Verein. An einem Tag, der in die Annalen der seit 1899 geschriebenen Chronik eingeht. „Werder braucht Bremen – Bremen braucht Werder!“ – dieser auf dem Stadionheft gedruckte Appell war allerorten mit Leben gefüllt worden. Als der Mannschaftsbus über den Osterdeich anrollte, wurde gejubelt, als starte gleich eine Meisterfeier; als die Spieler sich aufwärmten, sangen die Zuschauer voller Inbrunst die alten Werder-Lieder („Wo die Weser einen großen Bogen macht“); als die Profis aufliefen, spannten die Anhänger eine Aufforderung („Nicht die Mittel entscheiden über den Erfolg – es ist die Einstellung!“) über die Ostkurve; und als der leibhaftige Otto Rehhagel mit den alten Meisterhelden von 1988 eine Verbeugung machte, schwoll der Beifall zum Orkan.

Später genügte ein gewonnener Zweikampf, ein lapidarer Einwurf oder ein schlichter Befreiungsschlag, um mit den ausgelegten Klatschpappen ohrenbetäubenden Lärm auf den Rängen auszulösen. Eine einmalige Solidaritätsbekundung, die es in dieser exaltierten Form nicht einmal im Abstiegskampf 1999 gab – beim Amtsantritt eines gewissen Thomas Schaaf. „Das war einzigartig, das war bemerkenswert – aber ich habe auch nichts anderes erwartet“, sagte das bereits 1972 dem Sportverein Werder beigetretene Urgestein.

Werder fehlt die Qualität

Schaaf versuchte später, seinen tief im Innersten verunsicherten Spielern viel Zuspruch im Schockzustand nach dem Schulterschluss zu erteilen. „Die Angst was zu verlieren, wenn du schon was hast, ist enorm groß“, gab Fritz zu. Die Führung durch den unberechtigten Foulelfmeter von Aaron Hunt (2.) und dem sieben Saisontreffer von de Bruyne (24.) am Ende nur über die Zeit retten zu wollen, erwies sich als fatale Fehleinschätzung, denn dazu fehlt dieser wankelmütigen Werder-Elf neben der Souveränität auch die Qualität.

Sebastian Prödl, der bei beiden Gegentoren genauso schlecht aussah wie Mittelfeldspieler Philipp Bargfrede, monierte: „Wir haben vielleicht zu früh gedacht, wie haben das Spiel schon gewonnen.“ So entstand aus der erhofften Befreiung eine bedrohliche Beklemmung.

„Unsere Fans waren Champions-League-reif“, konstatierte Nils Petersen, „wir waren nur 85 Minuten Bundesliga-tauglich.“ Die Leihgabe des FC Bayern hat Abstiegskampf mit Energie Cottbus mitgemacht und ging vorbildlich ans Werk; der Stürmer legte sagenhafte 12,8 Kilometer zurück und gewann Zweikämpfe an allen vier Eckfahnen, „aber am Ende kriegen wir wieder ein Ei rein.“ Der eingewechselte Sven Schipplock (85. und 90.+1) konnte die Freiräume kaum fassen, die ihm die entkräfteten Hausherren im Schlussakt gewährten.

Schaaf hofft weiter

Allenthalben ist an der Weser die Furcht zu spüren, dass nach elf sieglosen Spielen auch die Heimpartie gegen Eintracht Frankfurt nicht die Wende bringt. Schaaf versucht, stur den Blick auf den nächsten Samstag zu richten. „Ich bin mir sicher, dass wir diese Stimmung wieder erleben.“ Doch lässt sich die unter der Devise „ALLEz Grün“ vereinte Gemeinschaft noch einmal so in Wallung bringen wie beim vermeintlichen Endspiel gegen den Vorletzten?

Fritz bittet im ureigensten Interesse die Fangemeinde darum. „Wir brauchen noch einmal eine solche Unterstützung.“ Und dann, so vermittelt Petersen, „ziehen wir den Schlussstrich unter diese Scheiß-Situation.“ Der flehentliche Unterton ist darin längst nicht mehr zu überhören.

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