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Weltklassepferd stirbt Hickstead-Tod erschüttert Reiterszene

Während des Weltcupspringens im italienischen Verona bricht Weltklassepferd Hickstead zusammen und stirbt. Der Hengst ist nicht das erste Spitzenpferd, das tot zusammenbricht.

08.11.2011 18:18
Gabriele Pochhammer
Ein Traumpaar: Hickstead und Eric Lamaze. Foto: dapd

Der Tod kam in wenigen Sekunden. Der 15-jährige Hengst Hickstead hatte im Weltcupspringen von Verona am Sonntag das letzte Hindernis des Parcours genommen, dann begann seine Hinterhand zu schwanken, er brach zusammen und blieb am Boden liegen. Sein Reiter, der kanadische Weltranglistenerste Eric Lamaze, konnte noch aus dem Sattel springen und die Zügel vom Hals streifen, ein letztes Zucken der Tierbeine und das beste Springpferd der letzten Jahre, eines der besten in der Geschichte des Springreitsports überhaupt, war tot.

Die herbeigeeilten Tierärzte sahen sofort, dass dem Pferd nicht mehr zu helfen war, eine blaue Plane wurde über Hicksteads Körper gebreitet. Auf Bitten der Reiter wurde die Prüfung abgebrochen, sie bildeten einen Kreis in der Arena, viele von ihnen hatten Tränen in den Augen. Die Zuschauer standen auf, und eine Minute lang war es so still in der Halle, dass man ein Pferdehaar hätte fallen hören können.

Eine Autopsie soll nun Klarheit über die Todesursache schaffen. Die Regeln schreiben eine Blutuntersuchung vor. Hickstead ist nicht das erste Spitzenpferd, das tot zusammenbricht. Im Jahre 2005 ereilte dasselbe Schicksal das Vielseitigkeitspferd Watersides Ashby von Bettina Hoy während einer Geländeprüfung im bayerischen Kreuth, und im November 2010 verlor Christian Ahlmann beim Weltcupturnier in Oslo auf diese Weise seine Nachwuchshoffnung Calvados.

Die erste Diagnose der Todesursache, vor der gründlichen Untersuchung, lautete im Fall Hickstead auf Abriss der Aorta. „Das kommt insgesamt zwar selten, aber doch bei Hochleistungspferden erstaunlich häufig vor“, sagt Pferdetierarzt Friedrich-Christoph von Saldern, früherer Mannschaftsveterinär der deutschen Vielseitigkeitsreiter. „Meistens am Ende einer Hochleistung und vor allem bei Pferden, die hoch im Blut stehen.“ Beides traf auf Hickstead zu.

Hickstead: Maß aller Dinge

Der in den Niederlanden gezogene Hengst vereinte in seinem Pedigree die besten europäischen Springpferdeahnen, er war blütig, das heißt, temperamentvoll, feinfühlig und kämpferisch. Diese Eigenschaften vor allem ermöglichten es dem mit nur 1,62 Meter Widerristhöhe eher kleinen Pferd, Außergewöhnliches zu vollbringen.

Mit ihm gewann Eric Lamaze fast alles, was der Springsport bereithält: 2008 wurde das Paar Olympiasieger in Hongkong, 2010 gewann Lamaze – mit einem gebrochenen Fuß – den Großen Preis von Aachen und wenige Monate später die Bronzemedaille bei den Weltreiterspielen in Kentucky. Weltweit rissen sich die Züchter um den Samen des Ausnahmehengstes, der 2008 in seinem Geburtsland zum „Pferd des Jahres“ gekürt wurde.

Der Tod Hicksteads wurde weltweit vom Fernsehkanal der Internationalen Reiterlichen Vereinigung (FEI) live übertragen. Minuten später trafen erste Beileidsbekundungen ein. FEI-Präsidentin Prinzessin Haya sagte: „Hickstead war wirklich ein einzigartiges Pferd, mein Herz ist bei Eric und jedem, der mit diesem wunderbaren Pferd verbunden war.“ Der frühere deutsche Europameister Marco Kutscher sagte: „Wir sind fassungslos. Dieses Pferd war in den letzten Jahren das Maß aller Dinge.“

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