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Vielseitigkeit Sam macht’s wohl nicht noch einmal

Das Goldpferd des neuen Vielseitigkeitsweltmeisters Michael Jung steht zum Verkauf - obwohl der sportliche Erfolg Bände spricht. Sam würde Millionen kosten.

04.10.2010 18:32
Schönen Gruß vom Weltmeister: Michael Jung. Foto: Larry Smith/dpa

Unbeschwerte Freude wollte bei den deutschen Buschreitern nach der WM-Goldmedaille von Michael Jung in Lexington nicht aufkommen. Das Erfolgspaar steht nämlich am Scheideweg, denn das Goldpferd Sam soll verkauft werden. „Ich weiß nicht, wie es mit Sam weitergeht. Nach der WM gibt’s Gespräche“, sagte Jung. Er selbst hält 40 Prozent an dem Wallach und hat eine Klausel im Vertrag, dass er bei einem Verkauf sein Veto einlegen kann. Die Klausel läuft zum Jahresende aus.

Die Besitzerin will verkaufen, ihr scheint der sportliche Erfolg nicht besonders am Herzen zu liegen. Sie war in Kentucky nicht dabei und „schaute zu Hause am Fernseher zu“, wie Jung berichtete. Vater Joachim Jung bleibt optimistisch. „Wir werden mit Sponsoren reden, sodass Sam vielleicht bei uns bleiben kann“, sagte er. Allerdings müsse ein Millionen-Betrag aufgetrieben werden, denn der Wallach hat längst den Wert eines teuren Springpferdes erreicht. Der Verband will als Geldgeber nicht einspringen, obwohl er vom Gold enorm profitiert. „Das sind Summen, da können wir nicht mitsprechen“, sagte Bundestrainer Hans Melzer.

Vertrauen als Erfolgsrezept

Jung junior würde gerne mit Sam bei den Olympischen Spielen 2012 angreifen. „Ich habe ihn bekommen, als er fünfjährig war, und ihn von Beginn an ausgebildet“, erzählte der neue Weltmeister: „Ich habe mit ihm die ersten Sprünge im Gelände gemacht und die ersten kleinen Prüfungen geritten. Er hat Vertrauen zu mir. Das ist das Erfolgsrezept.“

In den Genuss der Siegerehrung kam Sam nicht. Der Weltmeister musste auf einem Leihpferd ins Stadion reiten, weil der zehn Jahre alte Wallach im Stadion attackiert. „Eigentlich ist er eine Schlafmütze, doch sobald er in die Startbox muss oder zur Siegerehrung soll, geht er voll los“, sagte Vater Joachim Jung, der mit seinem Sohn eine Reitanlage im schwäbischen Horb führt.

Die Bodenständigkeit zeichnet den neuen Champion aus. „Die Familie ist mir wichtig. Sie gibt mir bei den vielen Turnieren Halt“, sagte der 28-Jährige. Mutter Brigitte und Vater Joachim begleiten ihn zu allen Turnieren. Die Ausbildung zum Berufsreiter absolvierte er auf dem elterlichen Hof und nicht wie vom Verband gewünscht in Warendorf. „Er hat zu dem Zeitpunkt schon bei uns so viele Pferde angelernt, dass wir nicht auf ihn verzichten wollten“, berichtete Jung senior.

Das tägliche Reiten von Kindesbeinen an hat aus Jung einen Ausnahmeathleten gemacht, der Dinge im Sattel wagt, die andere Kaderreiter nie machen würden. „Die Art und Weise, wie er hier gewonnen hat, ist phänomenal. Mit dem Dressurergebnis von 33 Punkten ging er fehlerfrei durch Gelände und Parcours. Ich weiß gar nicht, ob es das bei einer WM schon mal gab“, sagte Bundestrainer Hans Melzer. „Es gab bei dieser WM Michael Jung und dann lange Zeit nichts. Es wird schwer sein, ihn bis Olympia zu schlagen“, sagte der zweitplatzierte Brite William Fox-Pitt.

Außer Jung, der der deutschen Vielseitigkeit das erste Einzel-Gold bei einer WM bescherte, gab es nichts zu feiern. Ingrid Klimke stürzte nach zwei Abwürfen im Parcours auf Rang 13 ab. Die Mannschaft kam beim Sieg von Großbritannien auf Platz fünf. ( sid)

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