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TV Experte Amerika mag Ballack

Michael Ballack erlebt die EM in den USA - als TV-Experte. Im Sportsender ESPN überzeugt Ballack mit präzisen und charmanten Aussagen. Die Amerikaner mögen das: Ballack schlägt ein daheim verloren geglaubtes Gefühl entgegen: Sympathie.

15.06.2012 19:18
Amerikas Ausgabe von Ballack gibts mit Humor und Lalas. Foto: ESPN Images

Michael Ballack sitzt, vom Zuschauer betrachtet, links. Er sieht verdammt gut aus, finden die Leute. Im Internet vergleichen sie ihn mit Matt Damon. Damon ist Schauspieler, Oscar-Preisträger, er verkörpert „Jason Bourne“. Ballack hat auch schauspielerisches Talent, das hat er ab und zu nachgewiesen ? auf dem Fußballplatz.

Im Studio des global operierenden US-Sportsenders ESPN in Bristol, Connecticut, macht er eine sehr gute Figur. Seine Zustimmungsraten sind fast so eindeutig wie Wahlergebnisse in der DDR. ESPN hat Ballack als Experten für die EM eingekauft. Er wohnt in Bristol, zwei Autostunden nördlich von New York, im Hotel, die Silhouette der Kleinstadt mit 60.000 Einwohnern ist im Hintergrund durch das Studiofenster zu sehen.

Ballack gibt Kontra

Ballack sitzt neben Alexi Lalas, früher US-Nationalspieler, Markenzeichen einst: langer, rötlicher Kinnbart. Lalas ist es gewohnt, Amerikanern Fußball zu erklären: ein Alles- und Besserwisser. Ballack labert nicht rum wie viele andere Experten, er spricht in kurzen Sätzen, sehr präzise, er will nicht belehren, aber er korrigiert Lalas, gibt Kontra. Das kommt an.

Deutschland gegen die Niederlande. Ballack, dessen Englisch mehr als annehmbar ist, sagt: „Die Niederländer haben Angst vor den Deutschen.“ Er trägt ein graues Jackett und ein schwarzes Hemd, er prophezeit: „Deutschland wird besser spielen als gegen Portugal.“

"Amazing assists" von Schweinsteiger

Dann nennt er Mesut Özil eine „wahre Nummer zehn, die wir seit Jahren nicht hatten, er ist ein Spieler, der alles hat“. Zur Halbzeit lobt er Bastian Schweinsteiger für dessen „amazing assists“, die erstaunlichen Vorlagen zu den Toren von Mario Gomez. Hinterher stellt er fest: „Deutschland war viel besser. Das Mittelfeld mit Schweinsteiger, Özil, Khedira war fantastisch.“

Ballack ist dabei, sich einen Namen zu machen als „talking head“. Normalerweise verpflichten US-Sender, die Fußball übertragen, Engländer als Kommentatoren, Experten oder Moderatoren, doch die sind bei Fans und in Fachkreisen nicht sonderlich beliebt, da sie England samt Premier League für das Zentralgestirn des Fußball-Universums und sich selbst für die Erfinder des Sports halten.

Bei Ballack ist das anders. Er weiß viel – über alle Teams. In einer Umfrage des Fachblatts Soccer America geben ihm 28 Prozent der Befragten eine Eins, 30 Prozent eine Zwei, 21 Prozent eine Drei. Ballack ist charmant, redet nicht um den heißen Brei, macht sich nicht künstlich wichtig.

Amerika mag Ballack

Und er ist schlagfertig. Nach dem drögen 1:1 der Engländer gegen Frankreich sagt er über die Auswahl seiner einstigen Wahlheimat: „Ist dies die Art, wie man in Zukunft Fußball spielt? Wenn du drei Busse vor deinem Tor parkst, ist das kein Fußball.“ Lalas, der Schlaumeier, lobt die defensive Einstellung der Engländer: „Man muss tun, was man tun muss, um zu gewinnen.“ Ballack darauf: „Sie haben nicht gewonnen.“

So etwas sehen im Schnitt 1,3 Millionen Zuschauer. Zu miesen Sendezeiten ist das viel. Gut kommt an, dass Ballack auch Humor mitbringt. Vorigen Samstag war er mit Lalas in einer Bar, sie sahen sich dort das WM-Qualifikationsspiel USA gegen Antigua/Barbuda an (3:1).

Als die Hymnen gespielt wurden, sei Ballack groß rausgekommen, berichtete Lalas später im ESPN-Studio: Ballack habe erst die deutsche Hymne gesungen, dann die der DDR, danach noch die russische. Lalas: „Du liebst die russische Hymne.“ Ballack lässig: „Eine meiner liebsten.“ Nur ein kleiner Schlagabtausch, 14 Sekunden. Jetzt zu sehen auf YouTube unter dem Titel: „Michael Ballack is a Commie“. Ballack ein Kommunist? Amerikaner mögen keine Kommunisten. Ballack mögen sie. (sid)

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