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Turmspringer Klein und Hausding "Der Lappen gehört einfach dazu"

Die Turmspringer Sascha Klein und Patrick Hausding sprechen im Interview mit der Frankfurter Rundschau über Wettkampfabläufe, Synchronität und ihre WM-Ziele.

15.07.2011 17:14
Patrick Hausding und Sascha Klein in ihrem Element. Foto: REUTERS

Herr Klein, was darf man mit Patrick Hausding vor dem Wettkampf auf keinen Fall machen?

Klein: Ich dürfte ihm nicht sagen, dass ich den Fuß gebrochen habe. Sonst ist alles akzeptabel.

Hausding: Wir stehen an solchen Tagen vier Stunden vor dem Wettkampf auf, wenn der Vorkampf um zehn Uhr ist also gegen sechs. Wir wollen früh schon richtig fit sein. Sonst fühlt man sich nicht gut, die Motivation schwindet, wenn man beim Einspringen merkt: Ich krieg meine Sprünge noch nicht so richtig hin. Wir gehen also früh spazieren, joggen oder dehnen uns.
Klein: Um den Körper zu durchbluten, den Geist wach zu machen.

Was sollte beim Taschepacken für den Wettkampf nie fehlen?

Klein: Unser Leder, also unser Lappen, unser Toghskin, das ist so ein Klebespray, das wir auf die Beine sprühen, damit sie nicht so rutschig sind. Damit hat man einen besseren Grip. Tape darf nicht fehlen. Ein Handtuch natürlich, die Badehose, vielleicht ein Glücksbringer.

Hausding: Musik, ein Buch. Ich habe oft Ken-Follet-Romane dabei. Manchmal höre ich nur Musik und verfolge den Wettkampf, manchmal will ich mich hinsetzten und lesen, abschalten. Ich habe mehr Lust weiterzulesen, wenn ich nur drei Seiten lese, weggehe und springe. Dann komme ich zurück und weiß: Ah, da war ich. Das ist spannend.

Herr Klein, welche Bedeutung hat das Leder für Sie?

Klein: Ich trockne mich damit ab. Ohne Lappen würde ich mich nicht wohlfühlen. Das ist wie ein Fahrradfahrer, der sein Fahrrad braucht. Das gehört einfach dazu. Man braucht was in der Hand. Der Lappen ist immer klein, komfortabel, schnell wieder trocken. Es gibt keinen Springer ohne Lappen.

Hausding: Wir wären wie Fußballer ohne Ball.

Sehen Sie einander beim Sprung?

Klein: Muss man.

Hausding: Ja, natürlich, ich habe so ein Grundgefühl, aber ich gucke aus den Augenwinkeln, ob die andere Person beim Anschwingen das Gleiche macht. Wenn ich zu schnell bin, probiere ich, mir im Absprung mehr Zeit zu lassen.

Klein: Und ich probiere, schneller zu werden.

Hausding: Wir machen mittlerweile 90 Prozent unserer Sprünge mit gleichem Absprung und gleichem Eintauchen. Was die Synchronität angeht, sind wir sehr stabil.

Sie fühlen den anderen?

Hausding: Wenn der Absprung stimmt, brauche ich mich nicht mehr auf Sascha zu konzentrieren. Den Rest mache ich nur für mich. Der Absprung ist das Wichtigste, in der Luft kann man nicht viel ändern.

Können Sie die Körpersprache des anderen auch sonst lesen?

Klein: Ich sehe Patrick an, ob er sich wohlfühlt.

Hausding: Bei Sascha sieht man sehr schnell an der Mimik, ob er müde ist, gestresst. Dafür kennen wir uns gut genug. Wir springen jetzt seit fünf Jahren zusammen.

Sportdirektor Lutz Buschkow sagt, Patrick Hausding springt wie eine Katze. Wie springt Sascha Klein?

Hausding: Wie eine Maschine. Er hat ein hohes Grundniveau und macht nur kleinste Fehler. Bei mir meinte Herr Buschkow mit Katze, dass ich sehr stark reagieren kann. Dass ich unten noch viel machen kann, auch beim Eintauchen, selbst wenn der Absprung nicht so gut war.

Schauen Sie die Sprünge der anderen Paare an?

Hausding: Wir sind Typen, die müssen mitkriegen, wie die Chancen stehen. Bei den Frauen halten sich manche die Ohren zu. Sie wollen beim Auftauchen nicht die Wertung hören, sie schauen nicht zur Anzeigetafel. Ich kann mich besser motivieren, wenn ich sehe, dass es knapp wird.

Freuen Sie sich auf die Begeisterung in China?

Klein: Ja, dort gibt es mehr Leute, die mich ansprechen. Es kam vor, dass Chinesen zu mir in die Hotellobby gekommen sind. Sie wollten Autogramme haben. Als wir ankamen, standen schon welche amFlughafen. Es ist schön, dass man so was auch mal erleben darf.

Unterhalten Sie sich mit den chinesischen Fans auf Englisch?

Klein: Nee, die sagen nicht viel, nur Autograph, Autograph.

Hausding: Oder sie grinsen nur und halten einen Autogrammblock hin. Matthew Mitcham etwa hat jetzt zweimal in China Gold gewonnen, den werden sie dort jetzt auch mehr kennen als zu Hause in Australien.

Bei Olympia in Peking haben Sie Silber vom Turm gewonnen.

Hausding: Aber die Chinesen messen uns immer daran, ob wir die Chinesen schlagen. Sie gucken nur, wenn sie sehen: Es gibt Bessere als unsere eigenen Leute, obwohl es unser Nationalsport ist.

Was ist Ihr Ziel bei dieser WM?

Hausding: Eine Medaille. Wir haben eine Olympiamedaille und EM-Medaillen. Die WM-Medaille fehlt noch zum kompletten Satz.

Interview: Karin Bühler

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