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TSG Hoffenheim Stevens teilt aus

Warum Huub Stevens, Trainer der TSG Hoffenheim, einen Journalisten bei der Pressekonferenz nach dem Unentschieden gegen Gladbach angeht.

30.11.2015 08:17
Jan Christian Müller
Huub Stevens: Pöbeln nicht nur am Spielfeldrand. Foto: dpa

Joachim Klaehn ist Sportchef der in Heidelberg beheimateten „Rhein-Neckar-Zeitung“. Das Blatt ist die wichtigste Zeitung für den Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim. In der Region wird sie gelesen wie keine andere. Die „RNZ“ hat sich in der Vergangenheit so manches Scharmützel mit dem Klub geliefert, die Sportredaktion teilte aus und musste einstecken, auch in direkten Zweikämpfen mit dem mächtigen Mäzen Dietmar Hopp.

Schon da bekam der Klub zu spüren: Klaehn und Kollegen sind zwar ausgesprochen selten beim Training zu Gast, was sie angreifbar macht, aber der Chef ist keiner, der sich abduckt, wenn Ungemach droht. Vor knapp drei Jahren, als es mal wieder Ärger wegen der Berichterstattung gegeben hatte, stellte Klaehn in einem Kommentar unmissverständlich unter der Überschrift „Die Zeitung ist kein Stadionheft“ klar: „Bei der TSG Hoffenheim ist man der Meinung, mitbestimmen zu können, wie Journalisten Themen zu behandeln haben.Drucksachen sind unser Geschäft, Druckausübung anderer wird an unserer unabhängigen Haltung nichts ändern.“

"Du bist es eigentlich nicht wert"

Republikweit war der 57-jährige dennoch bislang eher unbekannt. Seit diesem Wochenende ist das anders. Ein Ausbruch des Hoffenheimer Interimstrainers Huub Stevens hat Klaehn zu überregionaler Bekanntheit verholfen. Der Reporter hatte Stevens in der Pressekonferenz nach dem 3:3 gegen Borussia Mönchengladbach gefragt, ob die offensivere Spielweise nicht besser zu dem Team passe. Stevens hatte unter anderem geantwortet: „Sie sind diese Woche nicht beim Training gewesen, oder? Da haben Sie die Zeit nicht für, glaube ich. Wenn wir als Trainer so umgehen würden mit das Geschehen, dann würden wir kein Trainer sein.“ Im Folgenden beschied Stevens dem Journalisten, er glaube, dass diesem „etwas an die Dinger fehlt“. Damit waren dessen Ohren gemeint.

"Ab und zu muss man draufhauen"

Natürlich kam das nicht einfach so aus Stevens heraus. Es gibt eine Vorgeschichte. Klaehn hatte in seinem Bericht nach der Pressekonferenz am Donnerstag vor dem Spiel geschrieben, Stevens würde „reden und doch (fast) nichts sagen, schon gar nicht gegenüber den Medienvertretern“. Im Weiteren zitierte dann Klaehn den Trainer so: „Meine Sicht muss ich nicht in die Öffentlichkeit bringen“ und schloss daraus: „Eine solche Aussage steht in krassem Widerspruch zu der Einladung des Vereins, die am Dienstagvormittag in die Redaktionen von Presse, Funk und Fernsehen ging: „Cheftrainer Huub Stevens wird Ihre Fragen gerne beantworten.“ Das war spitz formuliert, wie auch Klaehns Hinweis mit Blick auf das Saisonende im selben Artikel: „Falls Stevens überhaupt zu diesem Zeitpunkt noch die Geschicke der Mannschaft leiten sollte.“ Darüber hatte sich der Trainer besonders geärgert.

Am Samstag konterte Stevens in Richtung des „RNZ“-Sportchefs abschließend: „Ab und zu muss man draufhauen. Bei Bestimmten.“ Dieser Bestimmte war Klaehn, dem Stevens noch während der laufenden Pressekonferenz zurief: Du bist es eigentlich nicht wert, Jung!“ Die Entgleisung des Hoffenheimer Chefcoaches, seit dem gestrigen Sonntag 62 Jahre alt und laut Selbstauskunft im „FAZ“-Interview der „Rudi Carrell der Trainer“, hat alle Inhaltsstoffe, um zum Youtube-Hit werden.

Klaehn erwartet laut sid nun eine Entschuldigung von Stevens, der ihn „persönlich beleidigt“ habe. Die Erwartung dürfte enttäuscht werden.

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