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TSG Hoffenheim Babbel bringt Hopp auf Kurs

In Hoffenheim darf wieder groß gedacht und eingekauft werden. Die vor kurzem noch ausgegebene Philosophie, möglichst mit Eigengewächsen erfolgreich zu sein, gilt nur noch bedingt.

13.08.2012 14:12
Jan Christian Müller
Markus Babbel: SMS an den Mäzen. Foto: Getty Images

Im Frühjahr hat das Hoffenheimer Klubmagazin den Mäzen Dietmar Hopp geschickt gelockt. Die Aufgabe lautete:  „Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Im Jahr 2016 spielt Hoffenheim…“, Hopp antwortete: „...guten und attraktiven Bundesligafußball, am liebsten mit sechs Eigengewächsen im Kader“.

Raus aus der Komfortzone

Die kühnen Wünsche des 72-Jährigen sind erst einmal zurückgestellt worden. Markus Babbel hat nach seiner Verpflichtung im Februar nicht lange gebraucht, um dem zwischenzeitlich etwas knauserigen Geldgeber einen neuen Weg zu weisen und die Oldtimer Chris (33), Matthieu Delpierre (31) und Tim Wiese (30) zu holen. Der Bayer Babbel erinnert sich: „Als ich anfangs gehört habe, hier sollen wir mit dem Mittelfeld zufrieden sein, da habe ich reagiert.  Ich wollte das auch so kundtun, damit man hier mal wieder aufwacht und aus der Komfortzone herauskommt Mir war hier alles zu brav. Mir fehlte die Ernsthaftigkeit zum Beruf“,  beschreibt der 39-Jährige seine ersten Eindrücke, „woher sollten die vielen jungen Spieler das auch gelernt haben, wenn es auf dem Platz niemand vorlebt? Du brauchst auch innerhalb der Mannschaft Typen! Es hat hier unglaublich an der Mentalität gehapert.“

Ablösefreie Routiniers

Also hat Babbel das Gespräch mit Hopp gesucht. „Mir wurde gesagt: Wir wollen junge Spieler herausbringen.“ Babbel antwortete, das sei zwar eine gute Sache, aber junge Spieler bräuchten auch erfahrene Spieler an ihrer Seite. „Das kam scheinbar ganz überzeugend rüber. Also habe ich geschaut, wen wir holen können, wenn möglich ablösefrei.“. Zum Beispiel den ehemalige Stuttgarter Mitspieler Delpierre: „Da weiß ich, dass ich einen Vollprofi am Start habe. Das ist einer, der mit anschiebt, von dem sich die anderen etwas abschauen können.“ So einer sei auch der Brasilianer Chris: „Wenn er fit ist, haben wir einen Topspieler. Er hat diesen unbändigen Willen.“

Aus Fürth holte Babbel Verteidiger Stefan Schröck (25), denn: „Auf der rechten Seite hatten wir mit Andy Beck nur einen Spieler. Mir war klar: Wir brauchen da einen Konkurrenzkampf. Andy muss aus dem Quark kommen. Ich weiß, wie gut er früher war, er hat sich etwas zurück entwickelt und soll wieder an sein altes Niveau kommen. Stefan Schröck ist mit seiner Grundaggressivität ein Typ, der uns gefehlt hat.“ Ins Hoffenheimer  Tor lockte Babbel Wiese so: „Ich habe ihm gesagt, dass ich mit Mittelmaß nicht zufrieden bin.“ Das war Wiese in Bremen auch nicht mehr. Schließlich gab Babbel für die beiden Stürmer Eren Derdiyok (24) und den in Stuttgart geborenen Joselu (22) aus Real Madrids zweiter Mannschaft zusammen einen zweistelligen Millionenbetrag aus, argumentiert aber: „Durch die Verkäufe von Sigurdsson, Ibisevic und Obasi  haben auch eine ganze Menge eingenommen.“ Er könne jedenfalls „ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen“.

SMS an Hopp

Das Verhältnis zu Hopp beschreibt Babbel so: „Ich versuche, ihn so wenig wie möglich zu stören, aber zu informieren, wenn es wichtig ist. Er kennt unheimlich viele Spieler, da war ich wirklich überrascht. Man kann sich mit ihm sehr gut über Fußball unterhalten.“ Manchmal reicht auch eine SMS, zum Beispiel darüber, dass Wiese der neue Kapitän ist. Ganz schön schlau von Babbel: So was soll Hopp denn doch lieber nicht erst aus der Zeitung erfahren. Auch die forsche Außendarstellung hat Babbel zuvor intern bekannt gemacht: „Wir wollen einen europäischen Wettbewerb erreichen.“ Er brauche“, ergänzt der Ex-Nationalspieler,  „auch für mich selber Ziele, um höchst motiviert zur Arbeit zu kommen.“ Die personellen Voraussetzungen dafür glaubt er nun geschaffen zu haben: „Wir sind vergangene Saison durch Auswechslungen eher schlechter geworden. Das darf sich nicht wiederholen. Wir mussten eine gute Bank schaffen, von der was kommt.“

Guten Draht zu Wittmann

Dass der Ludwigshafener Spielerberater Roger Wittmann in Hoffenheim viele Drähte zieht und dort mittlerweile ein halbes Dutzend Spieler unter Vertrag hat, stört Babbel nicht: „Ich weiß, dass Roger Wittmann und Dietmar Hopp sehr gut befreundet sind. Ich kenne Roger auch schon lange. Roger ist ein sehr angenehmer Mensch, weil er kerzengerade heraus ist. Solche Typen mag ich. Aber ich arbeite mit vielen Beratern zusammen, und wenn die mir gute Spieler anbieten, dann beschäftige ich mich natürlich auch damit. “

Seinen Doppeljob will der im März zum Trainer-Manager beförderte Markus Babbel so lange weiter erfüllen, wie man ihn lässt: „Bis jetzt hat niemand zu mir gesagt: „Danke, das war es jetzt.“ Ich mache es gerne. Ich habe die Zeit dazu, weil meine Familie in München lebt. Es spielt für mich keine Rolle, ob ich um vier oder abends um acht nach Hause komme.“ So was hört Dietmar Hopp gern.

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