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Tour de France Voeckler gewinnt Königsetappe

Der Franzose Thomas Voeckler vom Team Europcar gewinnt die 16. Etappe der Tour de France. Er setzt sich nach 197 Kilometern in Bagnère-de-Luchon vor dem Dänen Chris Anker Sörensen vom Team Saxo Bank durch. Der Brite Bradley Wiggins behält das Gelbe Trikot und nimmt damit die größte Hürde auf dem Weg zu einem historischen Triumph.

18.07.2012 18:00
Der Etappensieger: Franzose Thomas Voeckler vom Team Europcar. Foto: Augenklick/Roth

Bei der schweren Rückkehr zur Normalität nach dem Dopingskandal um Fränk Schleck hat die „Grande Nation“ den nächsten Coup von Volksheld Thomas Voeckler bejubelt, doch der ganz große Gewinner auf der harten Klettertour durch die Pyrenäen hieß Bradley Wiggins. Denn als sich der Bahn-Olympiasieger in Bagneres-de-Luchon zum zehnten Mal in Folge das Gelbe Trikot überstreifte, waren für ihn die größten Hürden auf dem Weg zum ersten britischen Gesamtsieg in der Geschichte der Tour de France gemeistert. Nur noch eine Bergetappe am Donnerstag trennen Wiggins wohl vom großen Triumph, doch nach der erneut starken Vorstellung des Sky-Kapitäns glaubt kaum einer mehr an eine Überraschung bei der 99. Frankreich-Rundfahrt.

"Ich bin froh, dass wir diesen schweren Test bestanden haben. Man kann es sich nicht leisten, im Rennen locker zu lassen", sagte Wiggins nach dem Ritt unter drückender Hitze über vier schwierige Bergpässe, darunter dem berüchtigten Col du Tourmalet. Doch allmählich darf beim Team Sky der Champagner für Paris kalt gestellt werden, zumal in Christopher Froome auch der 2:05 Minuten zurückliegende Gesamtzweite aus dem britischen Rennstall stammt.
Am ehesten muss Wiggins noch die Attacken des drittplatzierten Italieners Vincenzo Nibali fürchten. Der Liquigas-Kapitän hatte es auch am letzten Anstieg des Tages versucht, doch Wiggins parierte im Schlepptau von Froome den Angriff souverän. Das Trio erreichte das Ziel 7:09 Minuten hinter Voeckler.

Vorjahressieger ist geschlagen

Keine Gefahr dürfte dagegen mehr vom Vorjahressieger Cadel Evans ausgehen. Es erinnerte fast schon ein wenig an den Untergang des Luxusdampfers Titanic, als der geschlagene Australier mehr als fünf Minuten hinter Wiggins das Ziel erreichte und sich bei seinem Teamkollegen George Hincapie per Handschlag für die treuen Helferdienste bedankte. Auf 8:06 Minuten ist der Rückstand des BMC-Kapitäns inzwischen angewachsen. “Cadel hat unter der Hitze gelitten und Magenprobleme gehabt„, sagte Evans' Teamkollege Tejay van Garderen, der als Gesamtsechster nun sogar elf Sekunden vor seinem Chef liegt.

Den Tagessieg und das Gepunktete Trikot sicherte sich indes Voeckler, der nach 197 Kilometern im Alleingang vor dem Dänen Chris Anker Sörensen und dem Spanier Gorka Izagirre gewann. “Jetzt fällt der ganze Druck von mir ab. Das waren vier schwere Anstiege. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich mir solche Etappen im Fernsehen angeschaut habe. Nun habe ich so eine Etappe gewonnen„, sagte Voeckler, für den es der insgesamt vierte Tour-Etappensieg seiner Karriere war.

Dopingfall überschattet Etappe

Das sportliche Geschehen war allerdings vom positiven Dopingtest des Luxemburgers Fränk Schleck überlagert worden. Wie am Dienstagabend bekannt geworden war, ist der RadioShack-Profi am 14. Juli positiv auf das Diuretikum Xipamid getestet worden. Dem 32-Jährigen droht eine Sperre von bis zu einem Jahr und der Tour ein weiterer Dopingfall eines prominenten Fahrers. Zur 16. Etappe war Schleck gar nicht mehr angetreten, stattdessen hatte er sich auf die Heimreise begeben.
Schleck beteuerte indes seine Unschuld: “Ich kann mir das Testergebnis nicht erklären und beantrage deshalb die Öffnung der B-Probe. Sollte die Analyse das erste Ergebnis bestätigen, werde ich Anzeige gegen unbekannt wegen Vergiftung erstatten.„
Unterstützung erhielt er von seinem jüngeren Bruder Andy, dem Toursieger von 2010, der derzeit wegen eines Steißbeinbruchs zur Untätigkeit verdammt ist. “Bei meinem Leben und bei meiner Familie, bin ich sicher, dass er nichts genommen hat„, sagte Andy Schleck der französischen Zeitung “Le Parisien„. Auch Voigt sagt, dass er Fränk Schleck vertraue: “Er ist mein Freund, und ein Freund ist man auch in schlechten Zeiten. Ich glaube an ihn.

Tourchef Christian Prudhomme bezeichnete die Entscheidung des Teams, Schleck aus dem Rennen zu nehmen, als “weise und die einzig mögliche„, wollte den Fall aber nicht näher kommentieren: “Wir haben erfahren, dass die Kontrolle von Schleck einen abnormalen Wert aufwies. Das öffnet die Tür für viele Möglichkeiten, von einer Verwarnung bis zu einer Sperre.„

So rollt die Tour auch am Donnerstag weiter. Dabei wartet erneut Schwerstarbeit in den Pyrenäen auf das Peloton. Auf der 17. Etappe über 143,5 Kilometer von Bagneres-de-Luchon nach Peyragudes müssen die Fahrer insgesamt fünf Bergwertungen bewältigen, darunter auch der mit der höchsten Kategorie versehene Port de Bales. Das Finale des Tages bildet der 15,4 Kilometer lange und durchschnittlich 5,1 Prozent steile Schlussanstieg nach Peyragudes.(dapd/dpa)

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