Lade Inhalte...

Torlinien-Technologie Technik entscheidet über Treffer

Tor oder nicht Tor? Generationen von Schiedsrichtern und Trainern hat diese Frage die Zornesröte ins Gesicht getrieben. Ab der kommenden Weltmeisterschaft in Brasilien soll damit Schluss sein. Dann soll Technik im Fußball entscheiden.

20.02.2013 17:51
Paul Linke
Szenen wie diese sollen mit der neuen Technologie der Vergangenheit angehören: Der deutsche Torhüter Manuel Neuer schaut einem Schuss des Engländers Frank Lampard während des Achtelfinals bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika, hinterher. Der Ball kam hinter der Torlinie auf, das Tor wurde jedoch nicht gegeben. Foto: dpa

Tor oder nicht Tor? Generationen von Schiedsrichtern und Trainern hat diese Frage die Zornesröte ins Gesicht getrieben. Ab der kommenden Weltmeisterschaft in Brasilien soll damit Schluss sein. Dann soll Technik im Fußball entscheiden.

Drin oder nicht drin, das ist hier die Frage, die das gemeine Fußballfußvolk spaltet, die Schiedsrichter, Spieler und Trainer mal blind, mal sehend macht, über die Traditionalisten und Modernisierer so herrlich streiten können, ohne auch nur annähernd zu einem Kompromiss zu kommen – doch schon bald soll damit Schluss sein.

Im kommenden Sommer, bei der Weltmeisterschaft in Brasilien, wird drin oder nicht drin, Tor oder nicht Tor, höchstens noch für wenige Sekunden eine Frage von Wert sein. Dann kommt ein Piepton oder eine Vibration. Der Schiedsrichter schaut auf seine Uhr und entscheidet mit technischer Unterstützung, wo er sich zuvor nur auf sein menschliches – zuweilen auch arg fehlerhaftes – Gespür verlassen musste.

Historischer Schritt

Es kommt also die Gewissheit, über die sich nicht mehr streiten lässt, so will das der Fußballweltverband (Fifa) zumindest. Denn am Dienstag haben die obersten Fußballfunktionäre unter dem Vorsitz ihres Schweizer Präsidenten Joseph Blatter das beschlossen, was sie bereits im Juli vergangenen Jahres angekündigt hatten: die Einführung der Torlinientechnologie. Ein historischer Schritt. So oder so.

Doch während das Wann schon feststeht, ist das Wie noch nicht geklärt. Torkamera (Hawk Eye) oder Chip im Ball (GoalRef), das sind die beiden alternativen Systeme, über die noch entschieden werden muss, angeblich bis April. Man kann davon ausgehen, dass die vier Anbieter, darunter zwei deutsche, die sich um den millionenschweren Auftrag beworben haben, mindestens an Urlaubssperren denken, um an den letzten Details zu schrauben. Und man kann davon ausgehen, so wie man die Fifa kennt, dass gute Kontakte bei der Auftragsvergabe von Vorteil sein können. Und jetzt?

Jetzt kann vielleicht doch noch ein letztes Mal darüber gestritten werden, ob der Fußball seine Seele verkauft hat (Traditionalisten) oder ob er sich endlich nicht mehr dem Fortschritt verweigert (Modernisierer). Weil Tatsachenentscheidungen nun mal das Wesen des Sports sind, werden die einen sagen.

Weil Zufall oder Willkür nicht über Tore und Titel bestimmen können, die anderen. Und was hätte Shakespeare geraten? „Auf Dinge, die nicht mehr zu ändern sind, muss auch kein Blick zurück mehr fallen! Was getan ist, ist getan und bleibt’s.“ Jedenfalls solange die Technik nicht irrt.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen