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Tennis Der erste Kirchgang

Nach ihrem Sieg bei den French Open der Juniorinnen schlägt Annika Beck im Heiligtum an der Church Road auf.

26.06.2012 18:38
Jörg Allmeroth
Ball und Karriere im Blick: Seit ihrem Einser-Abitur widmet sich Annika Beck voll und ganz dem Tennis. Foto: dapd

Vor knapp zwei Wochen spiegelte sich ihr Gesicht noch in der Silberschale, die sie als glückselige Juniorinnensiegerin der French Open dem Fotografenpulk entgegen reckte. Doch als gestern die Offenen Englischen Meisterschaften 2012 in Wimbledons Tennistheater eröffneten, war auch Annika Beck (18) dabei – in der großen Grand-Slam-Welt der Erwachsenen. Mittendrin zwischen Stars und Sternchen der Tour, neben Branchengrößen wie Maria Scharapowa, Viktoria Azarenka oder Serena Williams. Und an der Seite starker Deutscher wie Angelique Kerber, Sabine Lisicki oder Julia Görges.

„Das ist natürlich ein überwältigendes Erlebnis“, sagte die 18-jährige Bonnerin, die gleich beim ersten Versuch, sich für das bedeutendste Turnier der Saison zu qualifizieren, einen Volltreffer landete. Nach Siegen gegen die Bulgarin Elitsa Kostova und die Österreicherin Yvonne Meusburger buchte die drahtige Fighterin ihr Ticket ins Grand-Slam-Abenteuer von Wimbledon endgültig durch den souveränen 6:3, 6:4-Erfolg über die Slowenin Petra Rampre. „Sie ist eines der größten Talente im deutschen Damentennis“, sagt Fedcup-Chefin Barbara Rittner über die Teenagerin, die auch dem Nachwuchsteam eines DTB-Sponsors angehört. An diesem Dienstag gibt Beck nun gegen die Weißrussin Olga Govortsova ihr Grand-Slam-Debüt.

Fleißig und ehrgeizig

Seit sie mit nur 17 Jahren ein Einser-Abitur am Bonner Liebfrauen-Gymnasium ablegte, bringt Beck ihre Karriere auf den Courts so richtig in Schwung. „Es ist schon eine Erleichterung, sich voll und ganz aufs Tennis zu konzentrieren“, sagt die Newcomerin, die auf schnellen Beinen und mit „stets tadelloser Einstellung“ unterwegs ist, wie Trainer Robert Orlik sagt. „Sie ist enorm fleißig, ehrgeizig und sehr diszipliniert“, befindet Rittner. „Sie ist eine sehr zielstrebige Arbeiterin. Ich glaube, sie hat in ihrem ganzen Leben noch keinen Schläger geschmissen.“ Morgens um sechs Uhr beginnt regelmäßig der Arbeitstag der nächsten deutschen Spielerin, die im Wanderzirkus für Furore sorgen könnte – mit einer ausgedehnten Jogging-Runde am Bonner Stadtrand. Spielt sie gerade kein Turnier, folgen weitere sechs bis sieben Stunden Training. „Eine Menge Arbeit“, wie Beck sagt, „aber das macht mir nichts aus. Ich wollte es ja so.“

Mit 14 entschied sich die Bonnerin, sich auf Tennis zu konzentrieren. Vorher hatte sie parallel noch Hockey gespielt, Leichtathletik betrieben, Ballettkurse besucht und Geigenunterricht genommen. Die Duellsituation auf dem Tennisplatz reizte sie am meisten, „der Kampf eins zu eins“, die Herausforderung, „ganz allein eine Lösung für Probleme auf dem Platz finden zu müssen“. Vater und Mutter wurden während der Aufbauzeit im Juniorinnentennis voll eingespannt, etwa für Chauffeurdienste beim Pendeln zwischen dem Wohnort und den Tennis-Stützpunkten in Leverkusen und Kerpen. Oder bei der Schlägerbespannung, die Papa Jürgen im Keller übernahm. Der Impuls, sich in die Tennis-Laufbahn zu stürzen und zu verbeißen, kam von ihr selbst. „Sie weiß genau, was sie will“, sagt Coach Orlik.

Gegen die Großen und Starken im Jugendtennis, die oft einen Kopf größer waren als sie selbst, setzte Beck auf Wendigkeit und Ausdauer. Das soll so bleiben im Profi-Geschäft. Aber sie will aggressiver und dynamischer spielen. „Ich muss selbst die Punkte machen“, sagt sie. Rittner glaubt indes, dass Wimbledon dem typischen Konterspiel der Teenagerin entgegenkommt: „Sie nimmt das Tempo ihrer Gegnerinnen geschickt mit, setzt die Bälle sehr überlegt ins Feld.“ Für den ersten Auftritt an der Church Road wünscht die Fedcup-Teamchefin der Nachwuchskraft vor allem eines: „Sie soll es richtig genießen.“

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