Lade Inhalte...

Strafanzeige gegen Volker Zerbe Lemgo geht gegen Handball-Idol vor

Der TBV Lemgo reagiert auf "finanzielle Ungereimtheiten" und greift personell durch. Besonders im Fokus steht ausgerechnet Handball-Idol Volker Zerbe: Gegen den ehemaligen Geschäftsführer geht der TBV Lemgo juristisch vor.

14.09.2012 07:40
20 Jahre für den TBV Lemgo in der Bundesliga aktiv - Volker Zerbe (Archivbild von 2003) Foto: dpa/dpaweb

Neues Kapitel im Finanz-Krimi beim TBV Lemgo: Der Handball-Bundesligist TBV Lemgo stellt Strafanzeige gegen seinen ehemaligen Sport-Geschäftsführer Volker Zerbe und trennt sich von seinem Finanz-Geschäftsführer Fynn Holpert. Das gab der Beirat des zweimaligen deutschen Meisters nach einer außerordentlichen Sitzung am Donnerstag bekannt. Hintergrund sind finanzielle „Ungereimtheiten“, die die Ostwestfalen im Sommer an den Rand der Insolvenz geführt hatten.

Der Vertrag mit Ex-Nationalspieler Zerbe, Europameister von 2004, war Ende August wegen eines Burn-outs aufgelöst worden. Jetzt wirft der Klub dem 44-Jährigen vor, ihn finanziell geschädigt zu haben. „Im Rahmen intensiver Überprüfungen“, teilte Beirat Herbert Vogel mit, seien „Ungereimtheiten festgestellt“ worden.

"Wir haben versucht, es moderat zu lösen"

„Weitergehende Nachforschungen führten zu der Erkenntnis, dass der Verein in den zurückliegenden zwei Geschäftsjahren in sechsstelliger Höhe geschädigt wurde“, sagte Vogel weiter.

Es seien in diesem Zeitraum Sponsorenverträge abgeschlossen worden, „die nicht erfüllt wurden“. Man habe erfolglos versucht, sich außergerichtlich mit Zerbe zu einigen. Der 284-malige Nationalspieler war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. „Es ist bitter, dass so eine Ikone einer kleinen Gemeinde in solch ein tiefes Loch stürzt“, sagte der Beiratsvorsitzende Siegfried Haverkamp: „Wir haben versucht, es moderat zu lösen, aber leider ist es in eine andere Richtung gegangen.“

Im Sommer hatte eine Liquiditätslücke von über einer Million Euro den Klub nahe an den Kollaps gebracht. Durch eine Rettungsaktion in nur zwei Wochen verhinderte der Traditionsklub das Aus. Lokale Sponsoren sprangen ein, die Spieler verzichteten auf 15 Prozent ihrer Gehälter. „Der Verein stand kurzzeitig mit dem Rücken zur Wand“, sagte Haverkamp im Sommer, befinde sich inzwischen aber wieder „in ruhigen Gewässern“.

Scheck über 200 Millionen Euro

Gegen Holpert ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und des versuchten Betrugs. Es geht um einen Scheck über 200 Millionen Euro, den der TBV-Geschäftsführer zusammen mit angeblichen Investoren bei der Sparkasse Lemgo präsentiert haben soll. Der ehemalige Torhüter kündigte an, mit dem Beirat und der Staatsanwaltschaft zusammenzuarbeiten, um den Fall aufzuklären. Sein Amt als Geschäftsführer übernimmt vorerst der 33 Jahre alte Sportfachwirt Christian Sprdlik.

Die Mannschaft zeigte sich von den Entwicklungen geschockt. „Ich habe sieben Jahre mit Zerbe zusammengespielt. Er war mein Chef als Trainer und Geschäftsführer. Ich persönlich hätte mir die letzten acht Wochen gern erspart“, sagte Kapitän Florian Kehrmann. „Um das Ansehen des Verein zu erhalten, war der Schritt notwendig.“

Zerbe spielte von 1986 bis 2006 für den TBV Lemgo in der Handball-Bundesliga. Der Linkshänder wurde mit den Ostwestfalen 1997 und 2003 deutscher Meister. Nach seinem Karriereende wechselte er als Sportlicher Leiter und Geschäftsführer ins Management und sprang zweimal als Interimstrainer ein. (sid/dpa)

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen