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Start in die Bundesliga-Saison Ekstatische Entrückung

Die Bundesliga ist eine Marke geworden, die vom Kleinkind bis zur Großmutter alle in Wallung bringt. Selten zuvor wurde eine Saison derart aufgeregt medial angeheizt wie die 51. Spielzeit der Fußball-Bundesliga.

09.08.2013 07:56
Jan Christian Müller
Das ist das Ding: Die Meisterschale der 1. Bundesliga. Foto: imago sportfotodienst

Die Bundesliga ist eine Marke geworden, die vom Kleinkind bis zur Großmutter alle in Wallung bringt. Selten zuvor wurde eine Saison derart aufgeregt medial angeheizt wie die 51. Spielzeit der Fußball-Bundesliga.

Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, ist vor dem Bundesligastart am heutigen Freitagabend zwischen Bayern München und Borussia Mönchengladbach (20.30 Uhr, ARD) von der Deutschen Fußball-Liga eingeladen worden, eine Rede zu halten. Bach hat das am Mittwoch recht geschäftsmäßig abgehandelt, er hat wegen der Veröffentlichung des brisanten Dopingreports derzeit auch ganz andere Sorgen, aber ein Satz könnte bei dem einen oder anderen der vollständig versammelten Präsidenten und Manager der Fußball-Bundesligisten im Berliner Hotel Intercontinental denn doch Nachhall in den Ohren gefunden haben: „Die Bundesliga“, sprach Bach, „ist jeden Samstag zu einem Weltereignis geworden.“

Der Anführer des deutschen Sports will alsbald auch Anführer des Weltsports werden, weshalb das große Denken in globalen Maßstäben sich für so einen Mann wie ihn durchaus ziemen mag. Der Bundesligaboom ist vor Beginn der 51. Saison tatsächlich gefühlt so groß wie nie zuvor, die Klubs wissen zuweilen gar nicht, wie sie dem Ansturm Herr werden sollen, aber davon, tatsächlich ein Weltereignis zu sein oder in absehbarer Zeit zu werden, ist die Liga bei nüchterner Betrachtung (die im derzeit nicht nur in Frankfurt um sich greifenden Hype mitunter schwer fällt) so weit entfernt wie die Lüneburger Heide vom Baikalsee in Sibirien.

Der kundige Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert, hat mit Bedauern darauf hingewiesen, dass deutsche Teams mit Ausnahme des FC Bayern wenig Anstalten machen, sich nach Vorbild vieler Premier League-Klubs zu mühen, im asiatischen Markt besser Fuß zu fassen. Während Manchester United drei Wochen lang in Asien unterwegs ist und der FC Liverpool vor 85 000 begeisterten Zuschauern in Melbourne vorspielt, begnügen sich deutsche Vereine kleinmütig mit Trainingslagern in Österreich, tief im Schwarzwald, auf windigen Nordseeinseln oder in der Schweiz.

Überhöhte Bedeutung

Das erscheint insoweit realistisch, als dass die hiesige Liga eine riesige nationale Marke geworden ist, die vom Kleinkind bis zur Urgroßmutter ganze Generationen in Wallung bringt. Vor allem dank des Champions League-Finals zwischen zwei deutschen Teams ausgerechnet in Wembley, dem Wohnzimmer des englischen Fußballs, wird aus der deutschen Eliteliga heraus zwar Glamour auf den Globus verbreitet, aber in Bangkok, Hongkong oder Yokohama muss bis auf den FC Bayern niemand aus Germanien daher kommen und glauben, mit seinen in der Heimat zusehends entrückter vergötterten Stars könne er dort ganze Stadien füllen. Dazu braucht es mehr als ein einziges deutsch-deutsches Champions League-Finale. Und auch, wenn die Verantwortlichen hierzulande stets gebetsmühlenartig darauf hinweisen, wie wunderbar preiswert man den hiesigen Stadionbesuch im Vergleich zu England vorgeblich gestalten kann – das Kulturgut wird im Mutterland des Fußballs dennoch tiefer, mit mehr Fachkunde und Inbrunst gelebt als hierzulande, wo eine wie nie zuvor medial angeheizte ekstatische Entrückung vom Spiel an sich dafür gesorgt hat, dass die Bedeutung der Bundesliga völlig überhöht wird und sich manche Protagonisten wichtiger fühlen, als sie tatsächlich sind.

Finale als Katalysator

Natürlich hat die formidable Partie zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund, den Nummern eins und zwei der Uefa-Klubrangliste, als Katalysator funktioniert, und dass erstmals mit Pep Guardiola ein Weltstar von einem deutschen Klub auf die Trainerbank gelockt werden konnte, zeugt von einem erheblich gesteigerten Stellenwert. Zumal die Bundesliga inzwischen von der DFL in einer ähnlichen Perfektion gemanagt wird, wie die Premier League es in England vorgemacht hat. Spanien und Italien kommen da mit ihrer veralteten Infrastruktur schon geraume Zeit nicht mehr mit, in Frankreich macht der Ligafußball vor allem durch milliardenschwere Investoren gespeiste, absurd horrende Ausgabenpolitik von Paris Saint Germain und dem AS Monaco über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen.

Die Saison in Deutschland dürfte ihren Reiz auch daraus ziehen, dass neben dem zu erwartenden Zweikampf an der Spitze große und im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends fast ständig europäisch vertretene Traditionsklubs wie der SV Werder Bremen und der letzte Dino Hamburger SV drohen, nachhaltig in den Abstiegskampf verwickelt zu werden, derweil Eintracht Frankfurt, dem VfB Stuttgart, Borussia Mönchengladbach und dem VfL Wolfsburg mit jeweils erfahrenen Chefcoaches zugetraut werden kann, den auf den Trainerpositionen möglicherweise nicht optimal besetzten Bayer Leverkusen und Schalke 04 gefährlich zu werden.

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