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Tischtennis Minenfeld ist abgebaut: Ovtcharov will Comeback mit EM-Titel

Der Tischtennis-Star Dimitrij Ovtcharov fiel in diesem Jahr von einem Extrem ins andere. Erst die Nummer eins der Welt, danach lange Zeit verletzt. Jetzt ist er wieder fit - und will in dieser Woche trotz der komplizierten Vorgeschichte den EM-Titel holen.

17.09.2018 13:28
Von Sebastian Stiekel, dpa
Dimitrij Ovtcharov
Dimitrij Ovtcharov möchte trotz Verletzungspause Europameister werden. Foto: Ye Pingfan

Das „Pabellon Pedro Ferrandiz“ von Alicante liegt nur ein paar Gehminuten von Hafen und Strand der Costa Blanca entfernt. Eigentlich ist es viel zu schade, von morgens bis abends in der großen Mehrzweckarena Tischtennis zu spielen.

Der deutsche Star Dimitrij Ovtcharov ist jedoch schon immer dafür bekannt, sich von nichts ablenken zu lassen. Der 30 Jahre alte World-Cup-Sieger hatte in diesem Jahr so lange wie noch nie mit einer komplizierten Verletzung zu kämpfen - und will in dieser Woche in Spanien trotzdem zum dritten Mal Europameister werden.

„Einerseits glaube ich: Es ist möglich, den Titel zu holen. Andererseits mache ich mir vor dieser EM keinen besonderen Stress“, sagte Ovtcharov der Deutschen Presse-Agentur vor dem an diesem Dienstag beginnenden Turnier. „Ich bin physisch wieder gut drauf. Mein Problem ist nur noch: Bälle, die ich zu Zeiten der Verletzung nicht spielen konnte, sind jetzt vom Körper her wieder möglich. Aber im Kopf sitzt immer noch eine kleine Blockade. Das ist so, als ob vor jemandem ein Minenfeld liegt. Man geht immer außen herum, irgendwann wird es abgebaut, man könnte jetzt einfach wieder durch die Mitte gehen, denkt aber trotzdem weiter: Da lag doch mal ein Minenfeld.“

Gleich zweimal legte der Weltranglisten-Fünfte in diesem Jahr für mehrere Wochen den Schläger aus der Hand. Die Ärzte stellten bei ihm schon im März eine schmerzhafte Entzündung des Oberschenkelhalses fest. Ein Problem dieser Verletzung ist, dass niemand seriös sagen kann, ob es nun zwölf Wochen dauert oder nur zwei, bis sie verheilt.

Ovtcharovs größeres Problem war jedoch der Zeitpunkt: Der beste deutsche Spieler neben Timo Boll verletzte sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Noch in der zweiten Jahreshälfte 2017 gewann er den World Cup, die China Open, die German Open und stieg noch vor allen Chinesen zur Nummer eins der Weltrangliste auf. Danach streikte sein Körper. Im einen Monat unschlagbar, im nächsten kaum noch spielfähig: Ovtcharov fiel in diesem Jahr vom einen Extrem ins andere.

„Diese Pause war wirklich ärgerlich“, sagte der Profi von Fakel Orenburg in Russland. „Ich kam aus einer Phase, in der ich alles gewonnen habe. Selbst wenn der Körper nicht da war, hat der Kopf gesagt: Du gewinnst trotzdem. Gefühlt schien für mich alles möglich zu sein. Sogar die Chinesen hatten großen Respekt vor mir. Und dann wird dir auf einmal alles weggerissen.“

Sein erster Trost ist: „Mit Blick auf die Olympischen Spiele wäre es noch schlimmer gewesen, wenn diese Pause 2019 oder 2020 gekommen wäre. Ich habe jetzt genug Zeit, um mich wieder aufzubauen.“ Und der zweite Trost: Der überaus ungeduldige Ovtcharov musste lernen, geduldig zu sein. Zur Mannschafts-WM in Schweden hatte er sich Ende April noch vorzeitig wieder zurückgemeldet. „Das war ein Fehler, ohne Frage. Das hat mich noch einmal enorm zurückgeworfen.“

Seit Juli spielt Ovtcharov wieder auf der Tour. Er kassierte einige ungewohnt frühe Niederlagen, aber das war nach seiner Vorgeschichte nicht anders zu erwarten. „Der kommt wieder“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf. „Dima ist topfit, er spielt sehr gut im Training. Er braucht jetzt vor allem Wettkämpfe und Selbstvertrauen. Und das wird er sich bei dieser EM auch holen, da bin ich mir sicher.“

Normalerweise ist es bei einer Tischtennis-EM so: Entweder gewinnt Ovtcharov oder Timo Boll. Bei neun der vergangenen zwölf Turniere war das so. Diesmal allerdings war „Dima“ im Vorfeld lange verletzt und auch Boll musste mehrere Wochen wegen einer Halswirbelverletzung pausieren. „Diese EM ist offen wie nie“, sagte Ovtcharov. „Aber je größer die Herausforderung, desto mehr macht es mir auch Spaß.“

(Von Sebastian Stiekel, dpa)

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