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Schwimmen Eine Extrawurst für Marco Koch

Der Weltmeister verpasst in Berlin zwar die WM-Norm, er darf aber doch mit nach Budapest.

Schwimmen: Deutsche Meisterschaft
Weiche Haut, kein Schwabbel: Marco Koch. Foto: dpa

Wenn Marco Koch auf das Startpodest steigt, dann schauen alle genau hin, die etwas mit Schwimmsport in Deutschland zu tun haben. Wie bei einem Super-Model wird der Körper genau gescannt. Ist der Weltmeister zu dick, zu wenig athletisch, hat er ab- oder wieder zugenommen? Seit der Boulevard den Darmstädter zum Sinnbild für den Untergang der deutschen Schwimmer bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro gemacht hat, ist die Figur des noch amtierenden Weltmeisters mehr denn je das Thema. „Der deutsche Schwimmsport hat ein dickes Problem“, hatte die „Bild“ sarkastisch getitelt und ein ziemlich unvorteilhaftes Bild des enttäuschenden Olympiasiebten veröffentlicht.

Kein Gefühl für Wasser

In Berlin haben beim ersten Start des deutschen Vorschwimmers alle wieder genau hingeschaut. Und wie das bei „Geschmacksfragen“ so ist, reichte die Palette der Begutachtung durch die Journalisten von „sieht doch ganz gut aus“ über „hast du die Hüftwölbung gesehen“ bis hin zur sicher übertriebenen Feststellung „der ist übergewichtig“. Fest steht, Marco Koch sieht selbst nach vermehrtem Maximalkrafttraining nicht so aus wie der Ex-Kollege Paul Biedermann, der die Muskeln gerne spielen ließ. Fakt ist, dass Marco Koch mit seinem Körper selbst nicht zufrieden war. Nach Olympia speckte er nach eigener Aussage sagenhafte 13 Kilo ab und stellte auf der Kurzbahn einen neuen Weltrekord auf.


Wie ein Bodybuilder fühle er sich, hatte Koch bei der Eröffnungspressekonferenz gesagt und gleich hinzugefügt, dass ihm durch das gesteigerte Eisen stemmen das Gefühl für das Wasser etwas abhanden gekommen sei. Eine für einen Schwimmer ziemlich blöde Konstellation, die der Titelverteidiger über seine Nebenstrecke 100 Meter Brust gleich mit einem frustrierenden dritten Platz untermauerte. Selbst nicht genau wissend – „ich tappe ein bisschen im Dunkeln“ –, rückte der Student der Wirtschaftspsychologie die Fragezeichen über der WM-Norm im Endlauf über 200 Meter Brust dann beiseite. Das Dunkel hielt auch im Finale über seine Paradestrecke an. Koch verteidigte zwar seinen Meistertitel blieb aber in 2:08,69 fast fünf Zehntelsekunden über der geforderten Norm.

Chef-Bundestrainer Henning Lambertz hatte dem einzigen Gewinner der beiden letzten WM-Medaillen für den Deutschen Schwimmverband (Weltmeister 2015 und Vize-Weltmeister 2013) wegen „seiner besonderen Position im Team“ bereits vorher einen Persilschein ausgestellt. Lambertz vergisst im Falle des Darmstädters seine ansonsten gnadenlosen Nominierungsrichtlinien und nimmt ihn mit nach Budapest. Der Noch-Weltmeister will die Ausnahmeregel auch annehmen. „Die Zeit ist so schlecht nicht, die ist ganz okay“, will Koch auch an dem neuen Trainingskonzept festhalten. „Ich bin nicht so oft schneller geschwommen.“ Man müsse mal riskieren, auf die Schnauze zu fallen. Wenn er nicht mitgefahren wäre, wäre die Welt auch nicht untergegangen: „Dann bin ich halt morgen wieder im Training.“

Auf der Suche nach Balance

Der Chef-Coach und Kochs Heimtrainer Alexander Kreisel mahnen Geduld an, bis der Schwimmer wieder die richtige Balance gefunden hat. Die besseren Kraftwerte und das auf mehr Renntempo statt viele Kilometer getrimmte Training auch im Wasser in schnellen Vortrieb zu verwandeln, könne bis nächsten Sommer dauern. Kein Problem für Kreisel, der aus der Erfahrung von Rio gelernt hat, als Koch die Rolle des Mitfavoriten sehr offensiv angenommen hatte. „Im Endeffekt zählt nur Olympia.“ Der Darmstädter Coach war es auch der für Kochs spezielle Figur in ewig geltende geflügelte Worte gegossen hat: „Weiche Haut, Pinguinform, kein Schwabbel.“

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