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Schwimm-WM Radikale Reformen für deutsche Schwimmer

Die sonst so verlässlichen deutschen Freiwasserschwimmer bleiben erstmals seit 16 Jahren ohne WM-Medaille. Die Beckenschwimmer leiden seit Jahren unter Erfolglosigkeit. Radikale Reformen sollen dem Trend entgegenwirken. Ein Kommentar.

Marco Koch
Titelverteidiger Marco Koch wurde trotz fehlender Norm für die WM nominiert. Foto: dpa

Das fängt ja gut an. Erstmals seit 16 Jahren sind die deutschen Freiwasserschwimmer zu Beginn der WM ohne Medaille geblieben. Das ist deshalb besonders traurig, weil von abgehärteten Männern und Frauen, die sich schon mal durch Algenteppiche quälen oder sich die Konkurrenz mit geschicktem Einsatz der Ellenbogen vom Hals halten müssen, eigentlich ein positiver Schub für die Beckenschwimmer erwartet worden war. Nie hätten diese den nötiger gehabt als bei dieser WM. Über dem gesamten Team liegt die schon einige Jahre andauernde Erfolglosigkeit wie ein bleierner Schleier auf Körper und Geist.

Besserung ist bei diesen globalen Titelkämpfen nicht zu erwarten. Selbst Bundestrainer Henning Lambertz, der mit radikalen Reformen und knallharten Qualifizierungsnormen den Frustpegel noch mal deutlich angehoben hat, findet es „mega ermüdend“, dass er ständig für sein Konzept werben muss und niemand von einem Aufbruch in bessere Zeiten spricht.

Deutsche Rekorde haben nicht gereicht, sich für Budapest zu empfehlen. Nur drei Athletinnen und ein Schwimmer haben vor wenigen Wochen die Norm geschafft, die sich an Rang acht der weltweit besten Zeiten orientiert. Aufgefüllt hat Lambertz sein Mini-Team mit ein paar Youngstern, die schon mal an der sehr dünnen Luft in der Weltspitze schnuppern sollen. Der eisenharte Chef hat sich aber auch angreifbar gemacht, weil er Marco Koch nominierte, der wie viele seiner Kollegen auch zu langsam durchs Wasser pflügte. Der Darmstädter genießt allerdings einen unbestreitbaren Bonus. Der Brustschwimmer ist Titelverteidiger über 200 Meter und war überhaupt der einzige, der bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften eine Medaille für den DSV gewann.

Das wird dieses Mal wohl nicht der Fall sein. Der Student der Wirtschaftspsychologie trainiert brav nach dem neuen Kraftkonzept von Lambertz, hat beim Stemmen dicker Hanteln aber blöderweise das Gefühl fürs Wasser verloren. Was drei Jahre vor dem großen Ziel noch als zu verkraftender Kollateralschaden angesehen wird. Abgerechnet werden soll, wenn 2020 in Tokio die olympische Flamme erloschen ist.

Die vielfach miese Stimmung, die derzeit bei Trainern und Athleten grassiert, lässt allerdings Zweifel daran aufkommen, ob alle Beteiligten die Geduld und den Willen zu radikalen Reformen mitbringen. Recht hat Lambertz mit seinem schon gebetsmühlenartig vorgetragenen Mantra, so wie bisher könne es nicht weitergehen. Es sei denn, Aktive und Publikum geben sich mit Zweitliga-Niveau zufrieden.

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