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Schwimm-Meisterschaft Freund und Vorbild

Philip Heintz drückt Kumpel Marco Koch bei der Deutschen Schwimm-Meisterschaft die Daumen.

Schwimmen
Hat sein EM-Ticket schon gebucht: Philipp Heintz. Foto: Imago

Es sind nur knappe 60 Kilometer, die Heidelberg und Darmstadt trennen – für die beiden deutschen Schwimmer Philip Heintz und Marco Koch ist die Strecke in aller Regel trotzdem zu weit. Wegen der ausgeprägten Rastlosigkeit, mit der sie ihren Sport betreiben. „Er ist immer extrem viel auf Wettkämpfen unterwegs und ich bin immer extrem viel in Trainingslagern – deshalb ist das mit dem zwischendurch Treffen etwas schwierig“, erklärt Lagenspezialist Heintz vom SV Nikar Heidelberg. Und berichtet schmunzelnd von einem Alternativprogramm: „Nach den Spielen in Rio haben wir ja die ganzen Weltcups zusammen gemacht – das war im Prinzip ein halbes Jahr Urlaub, wenn man über einen so langen Zeitraum zusammen auf einem Zimmer ist.“

Olympia 2020 im Sinn

Ihre Freundschaft pflegen die beiden also eher in Peking, Dubai oder Hongkong als in der Heimat. An diesem Wochenende gibt es aber doch mal ein Wiedersehen im eigenen Land – bei den deutschen Schwimm-Meisterschaften in Berlin. Vor allem für Brustschwimmer Koch wird es ein spannender Aufenthalt in der Hauptstadt: Weil es bei ihm im über vier Monate gestreckten Qualifikationszeitraum dauerhaft klemmte, muss er die verpasste Norm über 200 Meter am Samstag nun mit einer internationalen Spitzenzeit kontern, um auf den letzten Drücker doch noch ins DSV-Team für die EM im August in Glasgow zu rutschen.

Zuletzt überzeugte der 28-Jährige, der für den DSW 1912 Darmstadt schwimmt, mit ansprechenden Leistungen bei hochkarätigen Wettkämpfen in Canet-en-Roussillon und Rom. Und das Last-Minute-Ticket für Koch in die schottische Arbeiterstadt wäre gerade für Philip Heintz eine ausgesprochene Wohltat. „Ich bin mit Marco sehr gut befreundet. Er war für mich teilweise sogar ein Vorbild, von ihm habe ich viel gelernt. Unter anderem, während der Saison möglichst immer schnell zu schwimmen – was er jahrelang auf extrem hohem Niveau gemacht hat“, betont der gebürtige Mannheimer, der von seinem Schwimmkollegen schwärmt: „Er ist einer der besten Sportler, den wir in den letzten Jahren hatten. Allein deshalb würde ich mich freuen, wenn er es noch ins EM-Team schafft.“

Heintz selbst springt am Samstag in der Schwimmhalle an der Landsberger Allee ebenfalls ins Wasser – über seine Nebenstrecke 100 Meter Schmetterling, auf der er sich einen zweiten Einzelstart in Glasgow erhofft. Neben seiner Vorzeigedisziplin, den 200 Meter Lagen, über die er die Norm Mitte April im norwegischen Bergen vorlegte, die bei den nationalen Meisterschaften am Sonntag auf dem Programm stehen – und an der der langfristig denkende Sportler mit maximalen Ambitionen feilt. „Das Ziel sollte sein, bei Olympia 2020 nicht nur eine Medaille, sondern eigentlich Gold zu gewinnen“, betont er. „Ich trainiere ja nicht 25 Stunden am Tag, um dann Zweiter zu werden.“

Zeiten wichtiger als Titel

Mit Marco Koch verbindet ihn auch eine bestimmte Grundhaltung zu den eigenen Leistungen. Koch etwa erklärte vor seinem WM-Sieg 2015 in Kasan, seine Zeiten seien ihm wichtiger als ein Titel. „Bei mir ist es ähnlich. Ich würde – das ist mir bei der Qualifikation schon ganz gut gelungen – auf den ersten hundert Metern gerne schneller schwimmen als bei meinem deutschen Rekord im letzten Jahr. Und hinten raus genauso schnell wie beim deutschen Rekord. Da kommt schon mal automatisch die Bestzeit raus“, erläutert Heintz.

Seine zwei Rennen in Berlin kann der 27-Jährige im Gegensatz zu Koch ausgesprochen locker angehen. „Ich möchte auch dort ein gewisses Niveau abrufen“, sagt Philip Heintz. „Aber es ist natürlich nicht so schlimm, wenn man, überspitzt gesagt, jetzt ein bisschen neben der Spur ist.“

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