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Patrick Mahomes Kermit mit Kanonenarmen

Quarterback-Sensation Patrick Mahomes lässt den NFL-Klub Kansas City träumen.

Patrick Mahomes
Die Ruhe im Auge des Sturms: Patrick Mahomes setzt zum Pass an. Foto: imago

Patrick Mahomes wirkt angespannt, wenn er mit den Medien reden muss. Bei Pressekonferenzen wackelt er nervös mit den Füßen, seine Augen fahren unruhig durch den Raum und seine Antworten wirken hastig. Die Rolle des gefragten Stars ist dem 23-Jährigen Quarterback der Kansas City Chiefs noch immer sichtlich unbehaglich.

Ganz anders sieht das auf dem Football-Feld aus, im letzten Spiel der vergangenen Saison zum Beispiel. Da stand er, keine zehn Yards vor der eigenen Endzone mit dem Ball in der Hand, es war das dritte Viertel und die Defensiv-Spieler der Oakland Raiders stürmten auf ihn zu. Mahomes tänzelte leicht zur Seite, nahm Maß, als habe er alle Zeit der Welt und feuerte dann einen Pass über das gesamte Spielfeld, der millimetergenau zum Touchdown in den Armen des Widereceivers DeMarcus Robinson landete.

Das war nicht die Arbeit eines Quarterbacks in seiner ersten Saison als Starter, das sah viel mehr aus wie das Werk eines abgebrühten Veteranen im vollen Bewusstsein seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten. Und so ging es schon das ganze Jahr: Mahomes ist eine Sensation, wie die NFL sie nicht mehr erlebt hat, seit ein junger Tom Brady vor 17 Jahren Fans und Kommentatoren elektrisierte. Patrick Mahomes ist einer unter einer Million, ein Phänomen.

Immense Belastung für den Jungstar

So macht sich auch niemand um ihn Sorgen, wenn es in der Nacht von Samstag auf Sonntag (22.20 Uhr, Pro 7) ernst für ihn wird mit seinem ersten Playoffspiel gegen die Indianapolis Colts. Die Belastung ist immens für den Jungstar, Kansas hat seit 25 Jahren kein einziges Playoffspiel mehr gewonnen. Die Hoffnungen der Stadt und der gesamten Region lasten auf seinen jungen Schultern, doch wenn Mahomes sagt, er spüre keinen Druck, dann glaubt man ihm das.

Es gibt keinen Zweifel daran, dass Mahomes auch jetzt, wo es ernst wird, jene verblüffende Kaltblütigkeit nicht verliert, die ihn durch seine gesamte erste Saison getragen hat. „Ich habe noch nie einen Spieler mit so viel Selbstvertrauen erlebt“, sagt sein Coach Andy Reid.

Mahomes’ Coolness wird gemeinhin damit erklärt, dass er im Berufssport aufgewachsen ist. Sein Vater Pat war zehn Jahre lang Baseballprofi, und wenn er mit dem Team unterwegs war, war der kleine Pat oft dabei. Im Trainingslager oder vor Auswärtsspielen hat er mit Superstars wie Derek Jeter und Alex Rodriguez Bälle geworfen, während andere Kids Spielplatz-Football gespielt haben. So war Mahomes – der ein bisschen klingt wie Kermit aus der Sesamstraße, wofür er schon als Kind verspottet wurde – mehr als bereit für das große Geschäft, als er 2017 von den Kansas Chiefs gedraftet wurde. Doch Mahomes musste sich noch eine Saison lang gedulden.

Eigentlich hatten die Chiefs ja bereits Alex Smith, einen hervorragenden Quarterback, der der so lange erfolglosen Mannschaft wieder Hoffnung gab. Mit Smith gewannen die Chiefs die Western Division und verloren mit nur einem Punkt in der Wildcard-Runde der Playoffs gegen Tennessee.

Doch die Chiefs konnten dem einzigartigen Talent von Patrick Mahomes nicht widerstehen. Sie mussten den jungen Mann mit den Kanonenarmen einfach haben, und in dieser Saison setzte Coach Reid alles auf den jungen Mann aus Texas. Andy Smith wurde verkauft, Mahomes wurde trotz seiner Jugend zum Feldherren der Formation ernannt.

Klarer Super-Bowl-Anwärter

Die riskante Wette ging auf. Die Chiefs sind die Sensationsmannschaft der Saison und werden als klarer Super-Bowl-Anwärter gehandelt. Die Wahl von Mahomes zum MVP der Liga, dem wertvollsten Spieler also, war vollkommen unumstritten. Mit 50 Touchdown-Pässen führt Mahomes die Rangliste der Liga mit einem riesigen Vorsprung an – das sind neun Pässe mehr als sein Widersacher am kommenden Wochenende, Andrew Luck.

Mahomes und die Chiefs sehen wie die Überfliegermannschaft des Jahres aus. Doch der endgültige Beweis, dass sie die Vergangenheit abgeschüttelt haben, kommt erst jetzt in den Playoffs. So werden die Chiefs in den vergangenen Tagen immer wieder auf jene bittere Playoffniederlage gegen die Colts im Jahr 2014 angesprochen, als Kansas City einen Vorsprung von 28 Punkten verspielte. Mahomes hat auf solche Fragen eine trockene, kurze Antwort. „Wir schauen nicht zurück, wir schauen nach vorne“, sagt er. Die Möglichkeit eines Playoff-Kollapses wie damals lässt der junge Star gar nicht erst in die Nähe seines Bewusstseins.

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