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US-Open Zerbrechlicher Riese

Das Aus bei den US Open gegen Philipp Kohlschreiber zeigt erneut, dass Alexander Zverev noch nicht bereit ist für die ganz großen Erfolge – trotz Ivan Lendl.

2018 US Open - Day 6
Scheitert mitunter an sich selbst: Alexander Zverev. Foto: AFP

Ivan Lendl blickte mit der üblichen Grimmigkeit drein, als sein neuer Schützling Alexander Zverev sich wieder einmal selbst bei einer Grand Slam-Show zerlegte. Lendl – alias Ivan, der Schreckliche – hat diesen Gesichtsausdruck natürlich immer drauf, es gibt fast nur diese finstere Miene bei ihm, aber am Samstagabend passte das vortrefflich zum Geschehen auf dem Louis Armstrong-Court der US Open, zu Zverevs gallenbitterer Niederlage gegen den deutschen Veteranen Philipp Kohlschreiber – 7:6, 4:6, 1:6, 3:6. Zwei Turnierspiele lang hatte sich Zverev einigermaßen souverän durchs Feld gespielt, ehe im Duell mit Daviscup-Kumpan Kohlschreiber die vermeintlich krampflösende Grand-Slam-Wirkung durch Neuzugang Lendl wieder dahin war. „Ich habe das ganze Match nie gut gespielt“, sagte Zverev nach der veritablen Pleite, die sein Grand-Slam-Jahr vorzeitig beendete. 

Kohlschreibers sehr guter bis herausragender Auftritt war das eine in diesem innerdeutschen Zweikampf bei den US Open, Zverevs fehlende Antworten auf den schlauen, ausgefeilten Vortrag des Älteren das andere. Der Vergleich mag ungerecht sein: Aber wer in den letzten Tagen die Matches von Rafael Nadal gegen den Russen Karen Khachanov oder von Roger Federer gegen den erratischen Nick Kyrgios erlebte, der sah auch noch die Distanz, die zwischen den Superstars der Branche und Zverev bei den Grand-Slam-Turnieren liegt. Nadals unermüdlicher Kampfgeist, seine Matchhärte waren ebenso imponierend wie Federers brillante Strategie und kühler Kopf – dagegen wirkte Zverevs Spiel noch ziemlich unausgereift, eindimensional, nicht ausbalanciert. 

Muss man Zverev schon gegen den Matador oder den Maestro aufrechnen? Offenbar schon, wenn man Lendls Verpflichtung als Beleg nimmt. Sie darf durchaus so interpretiert werden, dass Zverev eher früher als später in Reichweite der Major-Titel kommen will, noch zu aktiven Zeiten der alten Titanen.

Mit Lendl wolle er den „nächsten Schritt gehen“, sagte Zverev über den neuen Zuchtmeister. Aber der nächste Schritt ist von riesigem Maß, eher sind es noch viele kleinere Schritte, die da zu gehen sind. Die Anspruchshaltung hinter dem Lendl-Transfer ist groß, die Fallhöhe des Scheiterns indes auch. Oft hat man den Eindruck, dass Zverev – neben vielen Experten und Beobachtern in der Branche – selbst vergisst, dass er erst 21 Jahre alt ist. Und noch nicht zwingend Grand-Slam-Turniere gewinnen, sondern weiter harte, konsequente Aufbauarbeit betreiben muss. Bleibt die Frage: Kommt Lendls Engagement zu früh oder doch im genau richtigen Moment, dann, wenn es ein Langzeitprojekt wäre? 

Finaler Auflösungsprozess

Zverev fiel gegen Kohlschreiber nicht nur der starken Mentalität und dem Spielwitz des routinierten Bayern zum Opfer. Es war über ganz weite Strecken erneut ein Kampf von Zverev gegen sich selbst, gegen die Grand-Slam-Anspannung, gegen den Erwartungsdruck, gegen die neue Last, sich unter Lendls Augen beweisen zu müssen. Fahrig und nervös wirkte Zverev, wie ein zerbrechlicher Riese mutete er in der zweitgrößten Arena der US Open an – immer latent in der Gefahr, die Kontrolle übers Match und das eigene Temperament zu verlieren. Im vierten Satz schien der gebürtige Hamburger mit Wohnsitz Monte Carlo noch einmal einen großen Dreh in diesem Duell inszenieren zu können, er führte 3:0, war einem 2:2-Satzausgleich nahe. Nur um dann die letzten sechs Spiele allesamt zu verlieren, in einem irritierenden spielerischen und mentalen Auflösungsprozess. 

Und nun, wer hätte es gedacht, ist Kohlschreiber, der ältere Tennisherr, tatsächlich der letzte deutsche Vertreter bei den US Open – nach dem Rausschmiss von Zverev und dem Kerber-Abschied (siehe Text unten). Am Montag geht es für den 34-jährigen gegen den japanischen Superstar Kei Nishikori – und dabei im fünften Anlauf auch um den ersten Viertelfinaleinzug in New York. „Die Reise könnte noch ein Stückchen weiter gehen“, sagte Kohlschreiber.

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