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Tennis Davis-Cup-Reform wird zur Zerreißprobe

Am Donnerstag entscheidet der Weltverband ITF über die geplante Davis-Cup-Reform. Die Gegner des neuen Formats sind zahlreich, in Europa und Australien formiert sich massiver Widerstand.

14.08.2018 11:31
David Haggerty
David Haggerty ist der Präsident des ITF. Foto: imago

Es ist das Ende. Das unwiderrufliche Ende für den Davis Cup nach 118 glorreichen Jahren. Yannick Noah malt dieses düstere Szenario, der frühere französische Weltklassespieler hat sich deshalb auch schon via Twitter bei dem längst verstorbenen „Erfinder“ Dwight Filley Davis entschuldigt: „Sie verkaufen die Seele eines historischen Wettbewerbs. Sorry, Mr. Davis.“

Die Seelenverkäufer des Tennis-Weltverbandes ITF, angeführt von ihrem umstrittenen Präsidenten David Haggerty, kommen am Donnerstag in Orlando zusammen, um über die geplante Reform des Davis Cups abzustimmen. Eine Zweidrittel-Mehrheit ist nötig, um eine revolutionäre neue Idee zu installieren - gegen die sich in den letzten Wochen ein massiver Widerstand formiert hat.

Ab 2019 soll der Davis Cup nach den Vorstellungen der ITF in einem einwöchigen Turnier mit 18 teilnehmenden Nationen in der zweiten November-Hälfte noch nach dem ATP-Finale in London ausgespielt werden. Nach einer Vorrunde folgt eine Finalrunde im Knock-out-Format mit jeweils zwei Einzeln und einem Doppel über zwei Gewinnsätze. In einem Quali-Turnier im Februar sollen 16 Teilnehmer ermittelt werden, zwei weitere erhalten eine Wildcard. Lille und Madrid haben bereits ihr Interesse als Gastgeber signalisiert.

Hinter der Idee steckt das Konsortium Kosmos, zu dessen Mitbegründern Spaniens Fußball-Weltmeister Gerard Pique gehört. Drei Milliarden Dollar soll Kosmos der ITF für die nächsten 25 Jahre Davis Cup geboten haben, mittlerweile meldete unter anderem Grand-Slam-Gastgeber Tennis Australia Zweifel an diesem Deal an und beklagt mangelnde Transparenz.

Die Australier gehören wie Tennis Europe mit der Mehrheit seiner 50 Mitgliedsverbände zu den erbittertsten Gegnern der Reform. Zuletzt sprachen sich die größten australischen Spieler der Geschichte gegen die Pläne aus. „Der Wettbewerb, den sie vorschlagen, ist nicht der Davis Cup“, sagte Australiens Davis-Cup-Kapitän Lleyton Hewitt, und der legendäre Rod Laver forderte, es müsse sichergestellt werden, dass die „großartige Tradition des Davis Cups erhalten bleibt“.

Aber es gibt auch Befürworter der Idee. Der Weltranglistenerste Rafael Nadal beispielsweise oder Wimbledonsieger Novak Djokovic. „Das Format muss dringend überholt werden“, sagte Djokovic: „Niemand von den Topspielern kann sich vier Wochen im Jahr für sein Land zur Verfügung stellen. Das war früher anders, da gab es weniger Turniere, aber heute geht das nicht mehr.“

Was der ITF noch erheblich in die Quere kommen könnte, sind die Pläne der Spielervereinigung ATP und des australischen Verbandes, Anfang des Jahres den früher in Düsseldorf beheimateten World Team Cup im Vorfeld der Australian Open wiederaufleben zu lassen. Zwei Länderturniere innerhalb von zwei Monaten, das weiß auch Haggerty, sind nicht zu realisieren.

Schwer wiegt außerdem der Vorwurf an ihn, den in Frankreich wegen übler Nachrede rechtskräftig verurteilten Verbandspräsidenten Bernard Giudicelli als stimmberechtigtes Mitglied im ITF-Board belassen zu haben. Dafür garantierte Giudicelli ihm beizeiten die Unterstützung der Franzosen.

Deutschland gehört übrigens zu den Gegnern der Reform. „Das würde eine mehr als hundert Jahre alte Tradition kaputt machen“, sagt DTB-Präsident Ulrich Klaus.

Haggerty braucht am Donnerstag in Orlando eine Zweidrittel-Mehrheit. Von den 210 Mitgliedsverbänden der ITF sind 144 stimmberechtigt, die vier Grand-Slam-Ausrichter Australien, Frankreich, Großbritannien und die USA sowie Deutschland haben jeweils ein Zwölf-Stimmen-Paket. Jeweils neun Stimmen besitzen die Schweiz, Spanien und Argentinien, je sieben Serbien und Kroatien. Insgesamt bringen die 144 stimmberechtigten Verbände 459 Stimmen zusammen, davon braucht Haggerty 306. (sid)

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