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Kommentar Tennis Aus fünf Sätzen mach drei

Während die Frauen im Tennis nach maximal drei Sätzen fertig sind, spielen die Männer mindestens drei und bis zu fünf Durchgänge. Das zehrt und ist gesundheitsgefährdend. Der Kommentar

TENNIS-AUS-OPEN
Feuchte Tücher und kaltes Wasser gegen die Hitze: Der Franzose Gael Monfils in Melbourne. Foto: AFP

Wer den Tennisprofis zusieht, wie sie dieser Tage in der brüllenden Hitze Australiens gelbe Filzbälle über ein Netz schlagen, kann mitunter Mitleid bekommen. Alizé Cornet, Bezwingerin der Deutschen Julia Görges bei den Australian Open, klagte bei ihrer Niederlage gegen Elise Mertens über Gleichgewichtsstörungen und ließ sich den Blutdruck messen. Bei den Männern dachte der Franzose Gael Monfils während seines Spiels gegen Novak Djokovic, er „muss sterben“. Das musste er natürlich nicht, lediglich ausscheiden, aber trotzdem: Die Bedingungen für die Spieler und Spielerinnen in Down Under sind extrem und extrem grenzwertig.

Man kann dem australischen Sommer nun nicht die Hitze verbieten, und man sollte auch lieber darauf verzichten, die Australian Open abzuschaffen, dieses sehr beliebte Tennisturnier in Melbourne. Allerdings liefern die Qualen am anderen Ende der Welt mal wieder Anlass, etwas Grundsätzliches im Tennis zu diskutieren, im Männertennis, um genau zu sein. Es geht um den Modus Best-of-Five.

Während die Frauen nämlich nach maximal drei Sätzen fertig sind, spielen die Männer mindestens drei und bis zu fünf Durchgänge. Das zehrt und ist gesundheitsgefährdend, bei 40 Grad im Schatten insbesondere, aber auch bei angenehmeren Temperaturen. Novak Djokovic laboriert an einer Ellbogenverletzung seit einem halben Jahr, Andy Murray hat es an der Hüfte, beide Topspieler sind offensichtliche Opfer des unfreiwilligen Vernichtungsprinzips bei den vier Grand-Slam-Turnieren. Das moderne Tennis ist so athletisch, so schnell und kraftvoll, dass die im Best-of-Five nicht unüblichen Marathon-Spiele über fünf Stunden auf Dauer verheerende Folgen haben für die Athletenleiber.

In den Siebzigern experimentierte man bei den Grand Slams damit, wie bei den kleineren Turnieren auch lediglich drei Gewinnsätze ausspielen zu lassen – wenigstens in den ersten Runden. Man verwarf das, zu schnell waren die Spiele vorbei, zu wenig fühlten sich die Profis gefordert. Aber heutzutage, da Mensch und Material zu regelrechten Grundlinienschlachten in der Lage sind, würde eine Reduzierung dem Männertennis nicht schaden, sondern helfen. Langfristig, wenn die besten Spieler nicht dauernd zum Zuschauen gezwungen sind.

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