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Stürmer Shane Smeltz im Interview "Mein Ziel ist Europa"

Stürmer Shane Smeltz spricht im Interview mit der Frankfurter Rundschau über seine Karriere in Neuseeland und die Chancen seiner Mannschaft bei der WM. Warum er auf Deutsch bis zehn zählen kann, sagt er auch.

05.06.2010 09:06
Stürmer Shane Smeltz. Foto: getty

Herr Smeltz, Sie wurden in Göppingen geboren, ganz in der Nähe der Hohenstaufenhalle, wo die Handballer von Frisch Auf Göppingen die Fans begeistern. Wie kam diese Verbindung zum Schwabenland, zu Deutschland, zustande?

Mein Vater war Angehöriger der US-Armee und wurde an den Stützpunkt in Göppingen versetzt. Meine Mutter ist gebürtige Engländern. Sie war Pilotin. Beide lebten vor der Versetzung meines Vaters nach Göppingen in Neuseeland.

Wie lange haben Sie in Göppingen gelebt?

Nicht ganz ein Jahr. Kurz vor meinem ersten Geburtstag sind wir nach Neuseeland gezogen. Dort waren wir bis zu meinem sechsten Lebensjahr, gingen dann nach Queensland. Dort verbrachte ich den Großteil meiner Kindheit - zwei Jahre in Cairns, zwei Jahre in Brisbane und den Rest an der Gold Coast. Mit 20 spielte ich ein Jahr in Neuseeland bei den Napier City Rovers, einem recht unbedeutenden Team. Von 2005 bis 2007 war ich bei niederklassigen Mannschaften in England, dann zwei Jahre bei den Wellington Phoenix, Neuseelands einzigem Profi-Klub, seit einem Jahr bei Gold Coast United in Australien.

Wie kommt es, dass Sie angesichts dieser Lebensgeschichte die neuseeländische Staatsbürgerschaft haben?

Meine Eltern hatten die neuseeländische Staatsbürgerschaft, und ich stand im Pass meiner Mutter. Das blieb auch so, als wir nach Australien zogen. Also hatte ich immer diese Bindung zu Neuseeland.

Aber Sie haben auch einen australischen Pass.

Ich habe sogar drei Staatsbürgerschaften: die neuseeländische, die australische und die englische. Die australische habe ich, weil meine Frau und meine beiden kleinen Töchter Australier sind und ich das deshalb auch wollte. Außerdem machte es den Wechsel von den Wellington Phoenix zu Gold Coast United einfacher, weil in der A-League nicht mehr als drei Ausländer pro Team spielen dürfen. Die englische Staatsbürgerschaft bekam ich wegen der Herkunft meiner Mutter.

War es für Sie nie ein Thema, für Australien zu spielen?

Als Kind wollte ich immer ein Socceroo werden. Neuseeland war irgendwie weit weg, die All Whites habe ich nie gesehen. Aber später begriff ich, dass es einfacher war, mit Neuseeland international zu spielen. Als mich mit 18 ein Funktionär ansprach, musste ich nicht lange überlegen.

Haben Sie Verbindungen zu Deutschland und Göppingen?

Nein, überhaupt keine. Ich war nie wieder in Deutschland, nur auf der Durchreise. Ich spreche auch kein Deutsch, kann aber immerhin bis zehn zählen. Ich wollte immer mal nach Göppingen zurück und es richtig erkunden. In der Zwischenzeit habe ich gehört, dass Jürgen Klinsmann ganz in der Nähe (in Gingen/Fils; Anm. d. Red.) aufgewachsen ist. Es ist gut, das zu wissen, es ist irgendwie eine nette Geschichte.

Sehen Sie deutschen Fußball?

Immer wieder mal, aber nicht regelmäßig. Es ist toll, dass das australische Fernsehen seit einiger Zeit Bundesliga-Spiele zeigt. Das Publikum und die Stadien sind erstklassig, es ist eine sehr glamouröse Liga.

Wo liegen Ihre besten Qualitäten, was ist Ihr größtes Manko?

Ich denke, ich nutze meine Chancen recht konsequent, und ich setze gerne meine Mitspieler ein. In punkto Schwäche... Niemand ist perfekt. Es gibt noch viele Dinge, die ich an meinem Spiel verbessern kann und muss.

Ihre Gedanken zur WM-Endrunde in Südafrika?

Es ist ein Traum, überhaupt dabei zu sein. Nun, da wir das geschafft haben, hoffe ich natürlich, dass es uns All Whites gelingt, unser Bestes zu geben und uns ordentlich aus der Affäre zu ziehen. Als Außenseiter können wir gegen die Slowakei, Paraguay und Italien eigentlich nur gewinnen. Für mich persönlich hoffe ich, dass ich mich mit guten Leistungen für einen Vertrag bei einem europäischen Klub empfehlen kann. Meine erste Zeit in England - Mansfield, Wimbledon, Halifax - war ja nicht gerade erfolgreich. Bei mir ist der Knoten erst bei den Wellington Phoenix geplatzt, nicht zuletzt dank Ricki Herbert, der ja auch unser Nationaltrainer ist.

Interview: Sissi Stein-Abel

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