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Kommentar Fifa Ungeahnte Folgen

Um Geld muss sich die Fifa wahrlich nicht sorgen, auch wenn sie in den Nicht-WM-Jahren immer riesige Verluste einfährt. Ein Kommentar.

FIFA President Infantino addresses a news conference after a FIFA Council in Zurich
Gianni Infantino: Kann zufrieden mit den Zahlen sein. Foto: rtr

Wenn Gianni Infantino am Ende des Kalenderjahres 2018 in die Finanzbücher des Fußball-Weltverbandes Fifa schaut, wird der Präsident hochzufrieden sein. Aktuell kalkulieren die Gralshüter des Fußballs mit einem Gesamtumsatz von 5,66 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von 100 Millionen US-Dollar. Dieser könnte sogar doppelt so hoch ausfallen, schätzen Finanzexperten, weil vom Gesamtumsatz bereits 98 Prozent bis Ende 2017 vertraglich fixiert waren. Und die übrig gebliebenen zwei Prozent lassen sich in einem WM-Jahr bestens anpreisen.

Um Geld muss sich die Fifa wahrlich nicht sorgen, auch wenn sie in den Nicht-WM-Jahren immer riesige Verluste einfährt. 2017 waren es zum Beispiel 192 Millionen US-Dollar. Aber die Fifa rechnet in Vierjahreszyklen, und die Fußball-WM ist eben die Geldmaschinerie schlechthin, die alle Verluste der Vorjahre wegwischt. Für den nächsten Zyklus (2019 bis 2022) kalkuliert der Weltverband wieder mit einem Gewinn von 100 Millionen US-Dollar. Erneut konservativ gerechnet.

Für den übernächsten Zyklus könnte die Fifa noch nie da gewesene Dimensionen sprengen. Laut „New York Times“ bietet ein Konsortium an Investoren aus dem Nahen Osten und Asien 25 Milliarden Euro für die Rechte an der Klub-WM, die aufgebläht werden soll, und einer noch zu schaffenden globalen Nations League, wie sie die Uefa in Europa eingeführt hat. Diese Investoren sind laut der Zeitung nur auf Infantino zugegangen, der in einem Treffen mit dem Exekutivkomitee das Angebot vorgetragen haben soll – mit dem Hinweis, dass die Investoren eine schnelle Antwort haben wollen.

Das hat das Komitee, wie die in Fifa-Themen bestens informierte „New York Times“ berichtet, jedoch abgelehnt und verlangte erst einmal nähere Informationen. Zum Beispiel die Namen der Geldgeber. Die Fifa wäre gut beraten, ihre Turniere weiterhin selbst zu organisieren, denn ein Auslagern an Dritte könnte ungeahnte Folgen für den Weltfußball haben. Die ohnehin schon eng getakteten Terminkalender der Ligen und Klubwettbewerbe könnten völlig über den Haufen geworfen werden.

Das Angebot zeigt erstens, dass die Milchkuh Fußball noch längst nicht ausgemolken ist. Sei es durch immer weiter steigende TV-Gelder oder die Erschaffung neuer Turniere. Und zweitens, dass Infantino nicht abgeneigt scheint, die Fifa auf neue Beine zu stellen. Er täte besser daran, zunächst einmal den Korruptionsskandal der Fifa lückenlos aufzuarbeiten und für mehr Transparenz zu sorgen, als über solche mysteriösen Angebote nachzudenken.

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