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IOC-Sanktionen gegen Russland Mitten ins Herz

Nach der Entscheidung des IOC liegt die Beweislast nun bei den Athleten selbst. Ein Novum. Der Kommentar.

Pressekonferenz IOC
Der Präsident des Internationalen Olympische Kommitees (IOC), Thomas Bach (l) und der frühere Schweizer Bundespräsident Samuel Schmid bei der Pressekonferenz des IOC. Foto: Jean-Christophe Bott (KEYSTONE)

Nichts war’s mit einem olympischen Komplettausschluss russischer Wintersportler. Aber war der denn zu erwarten? Nicht wirklich. Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), wählte den erwarteten diplomatischen Weg. Der mag den Hardlinern im Antidopingkampf nicht schmecken, bei genauerem Hinsehen aber ist die Entscheidung, nachweislich saubere russische Sportler unter olympischer Flagge und dem Namen „Olympiasportler aus Russland (OAR)“ im Februar in Pyeongchang an den Start gehen zu lassen, eine durchaus nachvollziehbare.

Die Beweislast liegt nun bei den Athleten selbst. Ein Novum. Nur wer belegen kann, nicht Teil des russischen Staatsdopings gewesen zu sein, darf nach Südkorea reisen. Viele dürften das nicht sein. Denn der systematische Dopingbetrug der Russen bei den olympischen Winterheimspielen in Sotschi 2014 ist nun aktenkundig. Einen perfideren Angriff auf die olympische Bewegung hat es zuvor noch nicht gegeben.

Es war und ist beschämend, mit welcher Hartnäckigkeit der russische Präsident Wladimir Putin und sein höchster Sportfunktionär Witali Mutko den systematischen Betrug leugnen. Dieses unsägliche Für-dumm-Verkaufen hat nun wenigstens ein Ende. Sotschi-Organisator Mutko und sein damaliger stellvertretenden Minister Juri Nagornych wurden am Dienstag in Lausanne von allen zukünftigen Olympischen Spielen ausgeschlossen. Das sind ganz sicher keine Bauernopfer. Ausgerechnet Mutko, dem in der vergangenen Woche noch mit einer Wutrede die Schlagzeilen gehörten, wurde als Verantwortlicher des Betrugs detektiert und abgestraft. Damit trifft der Fecht-Olympiasieger Bach den russischen Sport mitten ins Herz.

Mutko wird dennoch nicht von der Bildfläche des Sports verschwinden. Die nächste Bühne dem russischen Multifunktionär schon bereitet: die Fußball-Weltmeisterschaft im kommenden Sommer in Russland wird von genau diesem Witali Mutko organisiert. Zeit dazu hat er jetzt ja umso mehr. Allerdings dürfte der Bann des IOC sportpolitisch erheblich schwächen.

Es ist nur schwerlich vorstellbar, dass der Kreml erst am Dienstagabend von der Suspendierung Mutkos erfahren hat. Putin gehörte von jeher zu den Unterstützern des deutschen IOC-Präsidenten Bach. Vielleicht spielt diese Entscheidung dem mächtigen russischen Präsidenten sogar in die Karten. Im März stehen in Russland Präsidentschaftswahlen an. Putin darf nun wieder den starken Mann spielen, über Intrigen und der Einmischung der USA in den Wahlkampf parlieren. Das bringt Wählerstimmen. Auch ohne olympisches Gold.

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