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Frank Mill über das eine Mal Doping-Pille und ein Schluck Whisky

Ex-Bundesligastürmer Frank Mill berichtet in seiner neuen Biografie über seine Doping-Erfahrung. Nach eigenen Angaben handelte es sich für ihn um einen einmaligen Sündenfall.

10.09.2017 16:36
Axel Spilcker
Frank Mill
Stürmer Frank Mill bestritt in seiner aktiven Zeit für Rot-Weiss Essen, Borussia Mönchengladbach, Borussia Dortmund und Fortuna Düsseldorf insgesamt mehr als 500 Spiele. Foto: imago

Einmal hat er es getan. Damals, kurz vor einem wichtigen Spiel. Die Dose mit den Dopingpillen stand auf der Toilette der Mannschaftskabine, und Frank Mill nahm eine Tablette und spülte sie mit einem Schluck Whisky runter. Das handhabte mancher Bundesliga-Profi in den 1980er Jahren so – vor dem Spiel noch einen Schluck Feuerwasser.

Anschließend konnte der Top-Stürmer der Bundesliga rennen, ohne müde zu werden. An jenem Tag schoss Mill zwei Tore und fuhr nach dem Schlusspfiff völlig aufgedreht und aufgewühlt nach Hause. Im Fernsehsessel fiel er irgendwann in den Schlaf, wachte nachts auf und sah, dass über dem TV-Gerät auf einem Holzbrett eine Kerze komplett runtergebrannt war. Er konnte sich nicht mehr erinnern, sie überhaupt angezündet zu haben. Beinahe hätte der Stürmerstar nach dem Gebrauch unerlaubter Mittel seine Essener Wohnung selbst in Brand gesteckt.

Frank Mill, mittlerweile 59 Jahre alt, Ex-Nationalspieler, Weltmeister 1990, Olympia-Dritter 1988, DFB-Pokalsieger, 123-facher Torschütze in der Bundesliga, hat bisher nie über den Vorfall gesprochen. Nach Informationen der „Frankfurter Rundschau“ berichtet er nun in seiner aktuell erscheinenden Biografie den einmaligen Sündenfall. Allerdings will er nicht preisgeben, bei welcher Gelegenheit und welchem Verein sich der Doping-Fall zugetragen hat. Nur noch so viel: „So etwas habe ich nach dieser Erfahrung nie mehr genommen.“

Schattenseiten des Sportalltags

In seinem Buch, geschrieben vom langjährigen Sportjournalisten Frank Lehmkuhl, ist nicht nur von Siegen und Pokalen die Rede, sondern auch von den Schattenseiten im Alltag: Das hieß sich quälen – Körper und Geist bis zur Erschöpfung fordern – und manchmal darüber hinaus. Pillen und Spritzen zählten demnach zum Grundsortiment des seinerzeit schon gewinnorientierten Fußballbusiness.

Bei der Nationalmannschaft, so erzählt Mill, kursierten legale Schmerzmittel aller Art. Nach der Karriere musste der Spieler dreimal wegen Magengeschwüren operiert werden. Heute vermutet er, dass diese Beschwerden Folge des exzessiven Gebrauchs der Medikamente waren.
Immer wieder musste sich die höchste deutsche Spielklasse mit Doping-Gerüchten oder Medikamentenmissbrauch auseinandersetzen. Die Reaktionen folgten meist einem Muster: Vertuschen, verschweigen, besser nicht drüber reden. Als Mills ehemaliger Mannschaftskollege aus der Nationalelf, Torhüter Toni Schumacher, in seiner Autobiografie „Anpfiff“ über Doping in der Liga und im DFB-Team berichtete, sorgte er 1987 für einen Skandal. Anstatt aber die Dinge aufzuklären, musste „Der Tünn“ seinen Club, den 1. FC Köln, verlassen und flog auch aus der DFB-Elf.

Aufputschmittel wie Ephedrin oder Captagon scheinen gerade in den 1980ern im Profi-Fußball verbreitet gewesen zu sein. Mitglieder einer Freiburger Universitätskommission zur Aufklärung von Doping-Machenschaften fanden Belege für illegale Lieferungen von leistungsfördernden Mitteln an den VfB Stuttgart und den SC Freiburg. Auch der damalige Stuttgarter Nationalverteidiger Bernd Förster soll zu den Abnehmern gehört haben. „Es gab Nationalspieler, die waren im Umgang mit der „Stärkungschemie“ regelrecht Weltmeister“, schrieb seinerzeit Toni Schumacher, heute Vize-Präsident des FC.

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